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Samantha Hall
Wie gebannt hatte die blonde Frau ihre Augen auf den Fernseher gerichtet. Seit Tagen schon lief immer wieder die gleiche Nachrichtensendung, die alle aufforderte Schutz zu suchen und sich in eine der sicheren Schutzzonen, aufgrund eines ausgebrochenen Viruses, zu begeben. Die Städte waren komplett still gelegt. Als die Krankheitsfälle überhand nahmen, war Samantha für unbestimmte Zeit zurück zu ihrem Vater gezogen. Einerseits damit dieser nicht alleine Zuhause rumsaß, andererseits hatte sie aber auch Angst und hatte nicht in ihrer kleinen Wohnung sitzen wollen, während die Welt dem Ende nahe schien. Im Grunde sah sie ihn sowieso jeden Tag in der kleinen Tierarzt-Praxis, da sie dort als seine Assistentin arbeitete. Diese war nun aber auch schon seit knapp einer Woche geschlossen. Abgesehen von den Behörden arbeitete fast niemand mehr also hatte sie beschlossen herzukommen. Sehr viel länger konnten sie aber alle nicht mehr hier bleiben. Sämtliche Supermärkte wurden knapp und die meisten Nachbarn waren bereits abgereist. Nun hielten sie es auch für die beste Idee, zur Quarantänezone zu fahren. Dort war immerhin auch ihr Bruder Cage stationiert und sie konnte es nicht erwarten ihn wohlauf wieder zu sehen.
„Are you ready?“, riss die Stimme ihres Vaters sie aus den Gedanken. Einige Taschen standen schon im Flur verteilt, die restlichen hatte Malcolm gerade eben gepackt. Niemand konnte ihnen sagen wie lange sie wohl wegbleiben würde, da wollte er für alles vorbereitet sein. Sie konnten ja das ganze Auto vollladen.
Endlich löste Sam ihren Blick vom Fernseher. Beide Hände hatte sie um eine Teetasse gelegt, der schon längst kalt geworden war. Wirklich viel hatte sie davon auch nicht getrunken. „As ready as I can be.“, antwortete sie seufzend und erhob sich von der Couch. Die Nachrichten kannte sie nun schon auswendig und schaltete diese aus. Es machte sie nur ganz verrückt, was auch Malcolm seiner Tochter ansah. „Honey, this will all blow over. They'll find a cure and we will be back home in no time. You'll see.“, sprach er ihr Mut zu, den er selbst nicht wirklich teilte. Eine Epidemie wie diese hatte es noch nie gegeben. Ihre Tasse stellte sie auf der Küchentheke ab, nahm ihre Jacke vom Stuhl und zog sich diese an damit sie gleich beim Beladen des Autos zur Hand gehen konnte. „I heard that someone ate another person alive because of this, dad. It's not a normal epidemic.“, argumentierte sie ihre Sorge. Ständig war sie neugierig und hatte wohl jede Information, die man irgendwie hatte kriegen können wie ein Schwamm aufgesogen. Egal wie verrückt auch alles klang. Nun seufzte auch Malcolm. Die Taschen stellte er ab und ging zu seiner Sam, die er in die Arme schloss. „Those are rumors. We get real answers as soon as we are with your brother.“ Fürsorglich küsste er sie aufs Haar, was ihr zumindest ein leichtes Lächeln entlocke nachdem sie sich von ihm gelöst hatte. „You're right. We should go. I cannot wait to see Cage.“, stimmte sie ihm zu. Nicht nur allein wegen der Antworten, die sie so sehnlich wollte. Seit Monaten hatte sie ihren Bruder jetzt schon nicht mehr gesehen und freute sich einfach auf ihn.
Die Halls nahmen sich ihre Taschen und trugen diese nach und nach nach draußen. Der Wagen war, mit offenem Kofferraum, in der Auffahrt geparkt. Sogar einige Lebensmittel packten sie ein. In der Quarantänezone konnten sie sicher alles brauchen. Ohne Frage würde es dort unheimlich voll sein. Mit ihrer Verbindung zu Cage hatten sie wenigstens einen kleinen Vorteil, den Malcolm aber nichtmal auszunutzen wagte. Vielmehr hatte er vor seine Hilfe dort anzubieten. Zwar war er nur ein Tierarzt, aber ganz unerfahren war er auch nicht. Ebensowenig wie Samantha, die nicht auf den Kopf gefallen war und versuchen würde sich dort nützlich zu machen.

Sein eigenes Apartment erschien Mike genauso sehr ein Gefängnis geworden zu sein, wie die Zelle die er noch vor wenigen Wochen bewohnt hatte. Nur hatten diese vier Wände den Vorteil, dass er sie mit seiner Freundin Healey teilte. Abgesehen davon hatte sich aber nicht sonderlich viel geändert. Auf die Straße gehen war seit dem Virus augebrochen war keine wirklich gute Option mehr. Ihm konnte das nur Recht sein. Seit seines Freispruchs hatte er sich noch nicht wirklich aufgerappelt. Ohne Frage war er selbst an seinem Dilemma Schuld, hatte es aber einfach noch nicht geschafft einen neuen Job zu finden, der ihn auch nur ansatzweise ausfüllte. Ganz abgesehen davon, dass niemanden einen Betrüger einstellen wollte. Jetzt, da sowieso alles geschlossen hatte, war auch diese Sache nebensächlich geworden. Man riet ihnen Schutzzonen aufzusuchen, doch war er noch immer unentschlossen. Alles was Mike wollte war, dass Healey unbeschadet aus allem hervorging. Was auch immer es war das da draußen war. In den letzten Monaten hatte er ihr schon genug Sorgen bereitet. Trotzallem war sie noch immer bei ihm, wofür er ihr dankbarer gar nicht sein konnte.
Nach, was sich für ihn anfühlte wie Stunden, wandte er sich von dem Fenster ab, aus dem er gerade noch auf die leere Straße gesehen hatte. Zu sehen gab es dort nichts, jedoch half es ihm beim grübeln. Er war es gewohnt zu jedem Problem eine Lösung zu finden, solange das Gesetz, welches er in- und auswendig kannte, ihm dabei half. Bei einer Epidempie, für die sich bisher noch keine Heilung hatte finden lassen, war er selbst ratlos.
„Have you heard from Roman yet?“, richtete er das Wort an seine Freundin, denn ihr Adoptivbruder war seit Tagen nicht mehr zu erreichen. Häufiger kam es vor, dass er einfach verschwand, aber in einer Zeit wie dieser sorgte es sogar ihn. Wenn er ehrlich war, wusste er gar nicht viel über Roman. Er war kein sonderlich offener Mensch und redete über persönliches immer nur mit Healey. Alles was er wusste war, dass er mit 10 Jahren von der Familie aufgenommen wurde und zuvor in einem Waisenhaus gelebt hatte. Die Narbe über seinem Auge verriet genug um zu wissen, dass man ihn dort nicht gut behandelt hatte. Zu seinem Glück aber hatte er in den Smiths aber eine liebe Familie gefunden. Spuren hatte es trotzallem hinterlassen.

In der Regel drang laute Musik aus Sarahs Auto, egal wohin sie fuhr. Heute aber hatte sie das Radio abgeschaltet. Es erschien ihr unangebracht, wo Leute so sehr litten Musik zu spielen. In der Laune dafür, war sie auch nicht sonderlich. Fester als gewöhnlich hatte sie ihre Hände um das Lenkrad geschlossen. Die Stadt so leer zu sehen war beänstigend. Manchmal sah man Menschen hinter ihren Vorhängen hervorschauen, aber keiner verließ das Haus. Zu groß war die Angst sich anzustecken. Manche hatten sogar so sehr Angst, dass sie es nichtmal wagten die Schutzzonen aufzusuchen. Genau dazu wollte sie jetzt aber ihren Bruder überreden. Nur in der Wohnun zu sitzen ließ ihr keine Ruhe. Jede Klausur, die sich auf ihrem Schreibttisch gestapelt hatte, hatte sie fertig korrigiert. Merhmals. Ganz in der Hoffnung, dass alles sich schnell regeln würde, die Schule wieder öffnete und sie so tun konnten als sei sonst nichts passiert. Um sie herum war es einfach zu leise geworden und sie empfand, dass es Zeit war etwas zu tun, denn gar nichts zu tun hatte noch nie jemanden weitergebracht. Ohne Jake würde sie es aber gar nicht erst in Erwägung ziehen zu gehen. Er war ihr Bruder und sie sollten, vorallem in Zeiten wie diese, zusammenhalten.
Einige Habseligkeiten hatte sie schon zusammengepackt und in ihr Auto geladen. Nur für den Fall, dass Jake sofort aufbrechen wollen würde. Umso früher sie die Stadt verließen, desto besser schien es ihr zu sein.
Da sogar die Ampeln mittlerweile ausgeschaltet waren, kam Sarah rasch von einem Ende der Stadt ans andere. Auf dem ganzen Weg begegnete ihr kein anderes Auto, was ihr ein unheimliches Gefühl gab. Umso froher war sie, endlich bei Jake anzukommen. Sie parkte vor dem Haus, blieb aber noch einen Moment sitzen. Was es so schwer machte, nach draußen zu gehen, konnte sie nicht sagen. Tief atmete die Brünette noch einmal durch, bevor sie ihr sicheres Auto verließ und die Einfahrt bis zur Tür lief. Es bestand kein Zweifel, dass er Zuhause sein würde und so betätigte sie die Klingel gleich mehrmals. Womöglich hatte sie anrufen sollen, doch war es unfassbar schwer geworden, irgendwo Empfang zu bekommen. Sonst hätte sie all dies auch mit ihm am Telefon besprechen können, war jetzt aber doch froh, ihn gleich persönlich zu sehen.
Clara Drew
Das Restaurant in dem Clara seit ein paar Monaten als Kellnerin aushalf, hatte schon seit Tagen geschlossen. Solche Geschäfte schlossen als erstes. Dienstleister, außer Ärzte jeglicher Art, sahen kaum einen Sinn sich in Gefahr einer Infektion zu begeben und schlossen ihre Läden, kaum dass das Government bekannt gegeben hatte, dass die Epidemie sich schneller und stärker ausbreitete als am Anfang vermutet. Dies hieß aber auch, dass Clara schon seit Tagen auf dem Trockenen saß. Ihr Erspartes hatte sie soweit aufgebraucht um sich für einen Notfall einzudecken. Jedoch war wohl ihr einziger Vorteil, dass sie hier keinerlei Familie besaß. Denn Clara war Britin und erst seit drei Jahren in den Staaten. Und da jeder ständig von einer Epidemie sprach, machte sie sich deshalb auch keine Sorgen um ihre Familie in Europa. Genau so wie sie einfach hoffte, dass auch sie aus all dem heile hervorgehen würde. Sie ernährte sich gesund und trieb Sport, ihr Körper war also in guter Verfassung. Dies musste einfach ausreichen um gesund zu bleiben.
Viele ihrer Nachbarn hatten in den letzten zwei Tagen reisaus in Richtung der Quarantänezone genommen, die man im Osten der Stadt errichtet hatte. Jeder der irgendwie konnte, sollte dort hinkommen. Man blendete im Fernseher während den Nachrichten immer wieder Banner ein, auf denen die Leute zu Vernunft aufgerufen wurden und ihnen versichert wurde, dass sie in der Zone sicher waren. Wie wohl jeder andere auch, stand Clara an diesem Tag wieder vor der kleinen Röhre und lauschte mit verschränkten Armen den sich immer wiederholenden Nachrichten. Das einzige das sich jedes Mal änderte war nur die Anzahl der Toten und die immer steigende Dunkelziffer. Strom war bereits auf ein Minimum reduziert worden, natürlich nur für den Notfall wie man den Leuten sagte. Schwachsinn, fand Clara. Man wollte den Leuten lediglich nur das zeigen, womit sie keine Massenpanik auslösten. Man hielt sie mit diesen Nahrichten bei der Stange, denn wirklich informativ war nichts davon.
Ihre Taschen hatte sie schon gepackt, als die ersten Nachbarn den kleinen Vorort verließen. Aber Vororte hatten eben auch an sich, dass man nicht unbedingt einen Wagen brauchte um irgendwo hin zu kommen. Und genau das war Claras Problem. Zu Fuß zu reisen wagte sie nicht. Bislang hatte sie sich nicht angesteckt, aber ihr Glück auf die Probe stellen wollte sie nicht. Als sie draußen jedoch Geräusche hörte und das Öffnen von Autotüren, führte ihr Weg sie zum Fenster wo sie durch die halb heruntergelassenen Rollos die Halls erspähen konnte. Sie waren ihre direkten Nachbarn und wohl die einzigen, zu denen sie je mehr Kontakt gehabt hatte, außer ein morgendliches Grüßen, wenn man sich traf beim Post hereinholen. Sie und Clara waren ein paar der wenigen, die noch nicht abgereist waren. Und, sie wusste nicht einmal genau wieso, machte genau das ihr Angst. Sie waren ihre einzigen Bezugspersonen, denn Freundschaften in einem fremden Land zu knüpfen war schwer, selbst wenn man die gleiche Sprache sprach.
"You're leaving too?" fragte sie deshalb, kaum das sie das Haus verlassen hatte. Es war mehr als offensichtlich, dass sie abreisen wollten und Clara wollte sich ihnen nicht aufdrängen. Aber wenn sie sich verabschieden würde, würde sie zumindest Nachts besser schlafen können. Sie hätte es gerne bei mehreren Nachbarn getan, doch reisten die meist mitten in der Nacht ab. Aber irgendwie gab es Clara das Gefühl, dass sie wirklich nur verreisten und sie sicher bald zurück kommen würden.

Healey war wohl viel stärker, als man es ihr auf den ersten Blick zumutete. Aber das musste sie auch sein. Als man Roman adoptiert hatte, war sie zu jung gewesen um zu verstehen wieso er jetzt zu ihrer Familie gehörte. Damals hatte es sie wütend gemacht, wofür sie sich noch immer hasste. Aber mit dem Heranwachsen verstand sie und obwohl sie jünger war als ihr Adoptivbruder, hatte sie es sich irgendwie zur Aufgabe gemacht auf ihn acht zu geben so gut sie eben konnte. Und so gut er sie eben ließ. Denn Roman hatte schon immer einen eigenen, sturen Kopf gehabt. Darin unterschieden die beiden sich kein bisschen. Und schnell wurde er mehr als nur der Adoptivbruder mit den vielen Problemen. Er wurde ihr großer Bruder, auf den sie nichts kommen lassen wollte. Sie wusste selbst, dass er nicht einfach war, das mussten ihr Fremde nicht noch auf die Nase binden, die davon sowie so keine Ahnung hatten.
Und deshalb wollte sie auch immer Anwältin werden. Um ihren Bruder in der Not zu helfen, wenn er sich auf niemanden verlassen konnte außer auf seine kleine Schwester. Nach der Sache mit Mike und die Tatsache, dass sein Betrug aufgefolgen war und er verhaftet wurde, viel sie in ein kurzzeitiges Loch. Aber nichts hinderte sie daran Mike weniger zu lieben, als sie es vorher getan hatte. Ihr Herz war gut und vergebend. Wenn sie mit Roman zurecht kam, konnte sie auch Mike verzeihen. Denn immerhin hatte er ja niemanden etwas getan und war gut in dem was er getan hatte. Viel besser als so manch anderer, richtiger und studierter Anwalt, den Healey in ihren Praktikas kennen gelernt hatte.
Ihren Freund hatte sie nun wieder bei sich. Doch fehlte von ihrem Bruder noch immer jede Spur. Es war normalerweise nur halb so schlimm und Roman tauchte immer wieder auf oder meldete sich nach ein paar Tagen. Jetzt mit der Epidemie und einem Zusammenbrechen der Gesellschaften, sorgte es Healey aber mehr dennje, dass sie ihren Bruder nicht erreichte. Die Leitungen waren in ihrem Bezirk schon seit Stunden komplett tot und dennoch versuchte Healey es immer wieder und hoffte innigst, dass irgendeine ihrer vielen dutzenden Nachrichten rausging.
Sie hatte mittlerweile satt gehabt sich aufzuhübschen, da sie die Wohnung sowie so nicht verließen und sie, wenn sie nicht gerade irgendein Praktikum bei irgendeinem Anwalt hatte, sowie so nicht so viel Wert auf Makeup und der gleichen gab. Nur ein klein wenig hatte sie ihre Wimpern getuscht, damit Mike vielleicht nicht unbedingt sehen konnte, wie wenig sie schlief auch wenn sie merkte wie müde sie bereits war. Wie schon gesagt, Healey war stärker als man glauben mochte, doch als Mike sie nach Roman fragte, schien in ihr ein Damm zu brechen. "No ... nothing" murmelte sie, als sich ihre Augen mit Tränen füllten. Er verschwandt immer wieder, redete sie sich ein. Das hier war sicher nichts anderes. Roman würde sich melden. Bald. Also wischte sie sich mit dem Handrücken über die Augen, damit sie nicht wirklich anfing zu weinen, auch wenn ihre Augen glasig waren und bereits erröteten. Ihr Blick ging zu ihrem Freund und sie schwieg. Mike hatte immer eine Lösung. Für alles. Das er jetzt keine hatte machte ihr genau so viel Angst, wie es ihn beunruhigte. Sie stand aus ihrer zusammen gekauerten Haltung vom Sofa auf und ging mit schnellen Schritten zu ihm, um gleich die Arme um seine Mitte zu schlingen und ihr Gesicht in seinem Shirt zu vergraben. "I'm scared, Mike" murmelte sie. "It scares me so much."

Jake lebte im gleichen Bezirk wie Mike und Healey, weshalb auch er keinen Empfang mehr hatte um irgendwen zu erreichen. Weder seine Schwester, noch seine Eltern, einfach niemanden. Dazu kam noch, dass man ihm gleich in Nacht zwei den Wagen gestohlen hatte. Wie schlimm es in den anderen Bezirken aussah, wusste er nicht. Aber hier lief alles völlig aus dem Ruder. Bevor der Empfang ganz starb, wurde er selten und dann seltener, bis er schließlich weg war. Wenn man gut war, wie Jake es eben nun einmal war, und seinen Nachbarn half, die in den mehrstöckigen Familienhäusern gegenüber wohnten und zu alt und zerbrechlich waren, um selbst die Vorräte rauf zu tragen oder die Taschen nach unten, verpasste man das Zeitfenster in dem man seine Liebsten kontaktieren konnte. Und genau das war ihm passiert. Er hatte also weder Telefon noch einen Wagen und saß fest.
Da man nur von einer Krankheit ausging, brachte Jake es nicht übers Herz einfach einen der Wagen der Nachbarn kurz zu schließen und damit zu Sarah zu fahren. Er hätte es gekonnt, aber damit hätte er auch ihnen die Chance genommen zur Zone zu reisen, wenn sie gewollt hätten. So verharrte er also in seinem kleinen Haus, sah aber weniger Nachrichten als wohl die meisten anderen. Nicht nur, weil sie so weit nordwestlich lagen, dass sie auch noch weniger Strom bekamen als andere, sondern auch weil er wusste wie es die Leute verrückt werden ließ. Solange es keine Lösung für das Problem gab, machte es einfach keinen Sinn die Nachrichten zu schauen. Denn sie erzählten immer nur, dass es wieder mehr Todesfälle gegeben hatte. Und das konnte er sich nun wirklich auch so denken, solange es kein Heilmittel gab.
Da man ihm bereits das Auto gestohlen hatte und er wusste wozu Menschen in Notsituationen fähig waren, hatte er seinen Hintertür soweit verschanzt, dass dort niemand mehr rein oder rauskam. Schlafen tat er mittlerweile im Wohnzimmer. Nur für den Fall. Denn auch er ging schon seit zwei Tagen nicht mehr vor die Tür. Jetzt wo die Straßen komplett ausgestorben waren, machte selbst ihm die Krankheit Angst.
Um sich abzulenken hatte er einen neuen Bauplan angefangen, welcher wohl niemals je errichtet werden würde, aber Ablenkung war der beste Zeitvertreib wie er fand. Erst als er einen Wagen vor seinem Haus zum Stehen kommen hörte, wurde er aufmerksam und schrak auf als die Klingel leutete. Einbrecher würden nicht klingeln, dem war er sich sicher. Trotzdem spähte er durch das kleine Guckloch an seiner Tür, bevor er diese sofort aufriss und seine Schwester in die Arme schloss. "Thank god, Sarah" stieß er vor Erleichterung aus. "You've made it. I didn't - I had no idea if you .." fing er an rum zu stammeln. Ihr Gesicht nahm er zwischen seine Hände und musterte Sarahs Gesicht freudestrahlend, sah man ihm doch an, wie viele Steine ihm gerade vom Herzen gefallen waren. Zwar war er biologisch gesehen der jüngere der beiden, aber alleine weil er schon so viel größer war als sie, passte er auf sie genau so auf wie sie auf ihn. Für einen Moment legte er seine Stirn an ihre, bevor er sich jedoch draußen kurz umsah und sie dann sofort reinführte, eine Hand dabei in ihrem Kreuz liegend. "You better come in" meinte er. "It's not safe out there."
Malcolm Hall
Malcom war gerade dabei eine Kiste mit Konservendosen und Wasserflaschen in den Kofferraum zu heben. Da ihm jede Möglichkeit fehlte Cage zu kontaktieren, brachte lud er das Auto einfach mit allem was ihm nützlich erschien. Die Klamotten konnten sie waschen also hatten er und Samantha davon nur insgesamt zwei Taschen, die sie für vollkommen ausreichend hielten. Noch immer war er der Ansicht, dass die Epidemie bald vorüber sein würde und sie schnell wieder Zuhause sein würden. Viren hatte es schon immer gegeben. Seit Anbeginn der Menschheit und bisher war noch jede vorüber gegangen. Nachdem er die Kiste eingeladen hatte, sah er zu Clara hinüber, die gerade ihr Haus verlassen hatte. Eine nette junge Frau, die seit wenigen Jahren hier wohnte. Einige Male hatte Sam sie sogar auf einen Kaffee eingeladen damit sie sich nicht ganz so einsam fühlte. Die Blonde konnte sich gar nicht vorstellen wie schwer es wohl war, in einem fremden Land fußzufassen, wenn man niemanden kannte.
„It's time.“, nickte Malcolm auf ihre Frage hin. „Cage is stationed at one of the quarantine zones. That's where we're going.“, erklärte er ihr. Wäre es nicht für seinen Sohn, wäre er vielleicht gar nicht gefahren sondern hatte ausgeharrt. Jedoch war es schon so lange her, dass er ihn gesehen hatte. In einer schwierigen Situation wie dieser, auch wenn er wusste das Cage stark genug war um sie durchzustehen, wollte er ihm doch beiseite stehen so gut es ging. Dabei glaubte er nicht, dass er wirklich Hilfe benötigte. Seitdem Tod der Mutter aber, hatte er immer das Gefühl seinen Kindern noch mehr beistehen zu müssen und für sie da zu sein. Viele Jahre war es schon er, jedoch hatte er den Job zweier Elternteile übernehmen müssen und sich dabei stets Mühe gegeben.
Samantha hatte auf dem Beifahrersitz versucht das Navigationssystem zum Laufen zu bringen. Es war keine Überraschung, dass auch dieses kein Signal mehr empfing. Mit einem Seufzen stieg sie aus. „No signal.“, teilte sie ihrem Vater mit, der daraufhin zu ihr sah. „Doesn't matter. We take the map.“, sagte er zuversichtlich. In seinem Alter war es Gott sei Dank nicht unüblich, dass man eine Karte noch lesen konnte.
Jetzt erst sah die Blonde zu Clara. „What about you? You don't plan on staying, do you?“, fragte sie besorgt. Ihre Nachbarin so alleine zulassen, gab ihr kein gutes Gefühl. Sie wusste ja, dass sie niemanden sonst hier hatte. „You should ocme with us.“, schlug sie kurzerhand vor. Malcolm warf einen Blick in den Wagen um zu sehen wie voll er war und sah danach ebenfalls wieder zu Clara. „There is enough space left if you want to come with us.“, stimmte auch er zu. Das Auto war groß genug um den Rest zu verstauen und dazu noch ein die ein oder andere Tasche von Clara. Auch ihm war wohler bei dem Gedanken, niemanden zurückzulassen, der sonst für immer festsitzen würde.

Schweigend nahm Mike seine Freundin in die Arme. Eine Hand legte er tröstend an ihren Hinterkopf. Sein Kinn legte er auf diesen und hielt sie so fest. Er würde nichts lieber tun als ihr die Angst zu nehmen, wusste aber genauso wie sie wohl auch, dass die Möglichkeit nahe lag das Roman krank geworden war. Er wohnte in einer kleinen Einzimmerwohnung inmitten der Stadt und das nicht in einem sauberen Teil der Stadt. Nicht gerade verwunderlich, dass sich ein Virus dort schneller verteilen würde. Da Roman eine Abneigung gegen Krankenhäuser besaß, wäre er da auch gar nicht zu finden und niemand hätte sie kontaktiert, wenn er nie dort aufgekreuzt war. Er hoffte jedoch innigst, dass es nicht der Virus war, der Roman abhielt sich zu melden. Vermutlich saß er nur wieder auf irgendeiner Polizeistation fest. Bei idiotischen Behörden, denen das Gesetz noch immer wichtiger war als das Leben der Menschen.
„I know.“, antwortete er leise. Healey ängstlich zu sehen, war etwas komplett neues, doch konnte er ihre Gefühle verstehen. Wenige Zentimeter löste er sich von ihr damit sie ihm ins Gesicht sah. Ihres hob er dabei mit seinen Händen an. „Your brother is strong. He will be fine. God knows what holds him back this time. I'm sure it's nothing.“, versuchte er sie zu beruhigen, glaubte aber seinen eigenen Worten kaum. In so einer Zeit war es nicht einfach nur nichts. Irgendwas musste passiert sein. Roman liebte seine Schwester. Normalerweise wäre er längst hier, wenn er sie in Gefahr vermutete. Sanft küsste er Healey auf die Stirn bevor er sich von ihr löste und an ihr vorbei ging.
„I'll drive by his apartment and check on him.“, beschloss er kurzerhand. Nach draußen zu gehen war nicht seine beste Idee, aber die einzige. Es war besser als abzuwarten und gab ihnen eventuell Gewissheit. Wie immer er ihn auch vorfinden würde. Auf der Couch sitzend schlüpfte er in seine Schuhe. „He doesn't have a car. Maybe he just can't get away.“, nannte er einen ganz anderen Grund, warum er dort vorbeifahren wollte. Seine Vermutung war, dass ihn die Krankheit tatsächlich erwischt hatte. Keine schöne Vorstellung, selbst für ihn nicht. Aber die Gewissheit brauchten sie. Ewig konnten sie nicht mehr hier bleiben. Ihre Vorräte gingen zu neige und ihm wäre es wohler, wenn sie sich in die Schutzzone begaben, wie viele andere auch. Roman zurücklassen war aber keine Option also mussten sie endlich tätig werden, wenn sie ihm vielleicht noch helfen wollte. Dabei dachte er nicht daran, Healey mitzunehmen. Hier war sie erstmal sicherer bis er wieder zurück war.

Da man ihr nicht sofort die Tür öffnete, befürchtete Sarah für einen Moment ihrem Bruder sei etwas zugestoßen. Dabei ließ sie komplett außer acht, dass es nur verständlich war das er einige Zeit brauchen würde um zur Tür zu kommen. Umso erleichterter war sie als sie sich in seinen Armen wiederfand. „Yeah.. I thought the same.“, flüsterte sie. Nichts von ihm zu hören hatte sie besorgt werden lassen. Die schlimmsten Dinge hatte sie sich schon ausgemalt. Von dem Verlust seines Wagens hatte sie ja nicht geahnt, war nun aber umso froher, es selbst in die Hand genommen zu haben zu ihm zu fahren.
Auch sie musste unweigerlich lächeln als er sie so freudenstrahlend ansah. Fast schon war diese Situation urkomisch, fand sie. Im Grunde war es wie ein schlechter Albtraum, der aber leider ihre Realität war. In Jake's Haus fühlte sie sich gleich viel wohler als noch draußen vor der Tür. Die ausgestorbenen Straßen waren ihr unheimlich. Irgendwen sah man sonst immer im Garten oder Kinder spielen oder Leute die ihre Einkäufe nach Hause brachten. Seit Tagen war es aber wohl auch hier schon komplett leer.
„Jake, we can't stay here. We need to leave.“, kam sie sofort auf den Punkt und blieb direkt im Eingang stehen um zu ihm aufzusehen. Er mochte der Größere sein, doch war sie die Ältere, was ihr doch ein Gefühl von Verantwortung gab. Sie mussten aufeinander aufpassen und hier zu verweilen, würde nichts besser machen. Eher würde es noch viel schlimmer werden. Es war ja jetzt schon niemand mehr übrig. Einige ihrer Nachbarn hatte sie krank werden sehen. Begonnen hatte es mit einem einfachen husten, etwas Fieber und plötzlich waren sie fort. „The quarantine zones are not too far away from here and I have enough gas to get us there. God knows what happens if we stay.“, redete sie eindringlich auf ihn ein. Abgesehen von ihren Eltern hatten sie keine Familien, auf die sie Rücksicht nehmen mussten. All ihre Freunde waren schon lange fort. Sie konnte sich nicht vorstellen Jake zurückzulassen, sollte dieser sich gegen ihren Plan stellen, doch blieb ihr womöglich keine andere Wahl. „Pack your things.“, forderte sie ihn auf. Ein 'nein' von ihm konnte sie nicht akzeptieren und so hoffte sie, dass er einfach auf seine ältere Schwester hören würde. Nichts hielt sie hier. Ehrlich gesagt wusste sie nicht, ob es etwas gab das Jake zurückhalten würde. Was es aber auch war, sie musste es schaffen ihn zu überreden mit ihr zu kommen. Momentan hatten sie nur noch wirklich einander. Es sei denn es gab jemanden in seinem Leben, von dem sie noch nichts gehört hatte.
Clara Drew
Clara nickte zustimmend, als Malcom ihr erklärte wohin sie fahren würden. Es war wohl tatsächlich besser das Haus zu verlassen und die Quarantäne Zone aufzusuchen. Jeder wusste das und so auch die junge Frau. Ihre missliche Lage war aber nicht das Problem der Halls und sie wollte es gewiss nicht zu einem davon machen. Wie gerne sie also auf Samanthas Vorschlag eingehen wollte, konnten die beiden sich wohl kaum ausmalen. Dennoch schüttelte sie den Kopf mit einem Lächeln, so tapfer es ihr eben über die Lippen ging.
"I'm not really planning on staying, no" antwortete sie, wobei ihr Blick aber zurück in ihre Einfahrt ging. Es machte ihr wieder klar, dass sie hier festsaß wenn sie sich nicht helfen lassen würde. Aber würde sie mit den Halls gehen würde sie ihnen wohlmöglich kostbaren Platz im Wagen nehmen, für Dinge die sie deshalb dann zurücklassen mussten. Ein wirklich unsinniger Gedanke, wenn man überlegte, dass auch Malcom dem Vorschlag seiner Tochter bereits zugestimmt hatte. "But I will figure something out. I don't want to be any burden to you guys" lächelte sie die beiden nun mit ihrem gewohntem warmen Lächeln an. Sie wollte ja nicht, dass sie sich irgendwelche Sorgen machte. Sie wollte sich einfach nur verabschieden. Im Nachhinein war es vielleicht keine so kluge Idee, wenn sie dem Vorschlag nun nicht nachkommen und zurückbleiben würde. Ein schlechtes Gewissen war wohl schlimmer als Unwissenheit.
"Haven't been on a healthy diet to let a virus strike me down now, have I?" scherzte sie sogar ein wenig. "Actually I wanted to wish you both well. Missed the chance to say it to someone else and you've been there from the start. So .." Mit diesen Worten überbrückte Clara einfach das kleine Beet welches sie von Samantha trennte und schloss sie in ihre Arme. Vielleicht war es etwas zu viel, wo sie doch einfach nur gute Nachbarn gewesen waren. Aber die junge Britin hatte eben niemand anderen hier. Und wenn die beiden gehen würden, hatten sie sich eine ordentliche Verabschiedung verdient. "I'm gonna miss you, Sam" murmelte sie bevor sie sich von der Blonden löste und sie mit einem Lächeln ansah, das wohl trauriger gar nicht wirken konnte. Clara hatte Angst. So sehr, dass es schwer wurde diese Angst zu verstecken. Aber sie hatte abgelehnt, da musste sie sich jetzt einfach zusammen reißen.

Healeys Augen und ihre Nase waren, obwohl sie nicht weinte, mittlerweile gerötet, weil sie krampfhaft versuchte die Tränen zurück zu halten. Mike ging es mit dem allen sicher ähnlich. Genau wie sie hatte auch er noch irgendwo Familie von der er keine Ahnung hatte, was mit ihr war. Und er schien einfach so viel stärker zu sein, als sie es war. Deshalb wollte Healey es ihm so gut es eben ging gleich tun.
Auf seine Worte hin, nickte sie nur. Er hatte ja Recht. Roman war wohl der zähste Brocken, den Healey je getroffen hatte. Niemand würde ihren Bruder so schnell auf die Knie zwingen. Aber das hier war anders. Sie redeten hier von einem Virus, der die Leute dahin raffte wie Eintagsfliegen. Nicht einmal jemand wie Roman war gegen eine Krankheit gewappnet. Man konnte sie nicht einfach K.O. schlagen und hatte sie so aus der Welt geschafft. Und das war es was sie befürchtete, dass Roman versuchte. Den Virus als Kleinigkeit abzutun und es irgendwo auszusetzen. Sie konnte nur hoffen, dass er ihn nicht bereits selbst hatte oder ihm gar schlimmeres passiert war.
"No, you will not!" entfuhr es Healey gleich panischer als sie es geplant hatte, wobei sie Mike zum Sofa folgte. "Not alone at least" fuhr sie fort und huschte gleich um die nächste Ecke, nur um mit ihren Boots wieder zu ihrem Freund zurück zu kehren. Einen davon ließ sie auf den Boden fallen, während sie den anderen schon halb im gehen anzog. "I'm coming with you."
Dabei schnappte sie sich ihren zweiten Schuh und zog auch diesen schnell über. Fürs zuschnüren hatte sie weder Zeit noch Nerven. "I can't sit here while you're both out there, Mike" erklärte sie ihm aufgeregt und ihr Ton machte klar, dass sie darüber gar nicht erst diskutieren wollte. Würde Mike alleine gehen, wer gab ihr die Gewissheit, dass überhaupt einer der beiden zurückkehren würde? Wenn sie beide verlor, wusste wohl nur noch Gott, was mit Healey geschehen würde. Sie war stark und selbstständig. In so einer Ausnahmesituation fühlte sie sich aber klein und hilflos. Ohne Mike und ohne Roman würde sie nicht überleben. Sie würde eingehen wie ein Pflänzchen, welches man in der Sonne vergessen hatte. Sie aß ja jetzt ohne Roman kaum noch und schlafen tat sie auch nur wenig. Wenn sie beide verlieren würde, würde sie das ganz sicher nicht überleben.

"Sorry about that" entschuldigte sich Sam gleich schuldbewusst, da er ja das Fenster verpasst hatte, in dem man sich in ihrem Bezirk noch bei irgendwem melden konnte. Er hatte ja nicht damit gerechnet, dass man hier anfangen würde mit dem runterschrauben des Stroms und allem was damit zusammenhing. "Phone's dead for hours and messages aren't sending for days. Somehow missed the window" erklärte er kurz. Es war nicht seine Absicht seiner Schwester Angst zu machen. Aber er wollte eben helfen wo er nur konnte. Er war Architekt, also nichts womit man Menschen wirklich helfen konnte. Aber er war kräftig und er war jung. Tragen und das viel und schwer, konnte er also ganz hervorragend. Und wenn es den Leuten in seiner Umgebung half, dann tat er dies gerne.
"I know, I know" stimmte Jake Sarah gleich zu. Denn eigentlich hatte er ja nur auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet. Auf eine legale Mitfahrgelegenheit. Sofort eilte er in seine Küche, wo er schon mehrere Taschen bereit gestellt hatte. "My car was stolen. You believe that? Two days in and people went mad" rief er aus der Küche, nicht ahnend, dass er Sarah ja ganz alleine vor der Treppe in das Obergeschoss gelassen hatte. Er hatte niemanden mit dem er redete und so vergaß er das, immer wenn er die Nachrichten einschaltete, sich dort oben etwas regte. Jetzt da er sich also lauthals unterhielt, ging die Bewegung von oben wieder von vorne los.
Seine Freundin, die normalerweise gar nicht hier wohnte, war als das alles begann hier zu Besuch gewesen. Jedoch wurde sie von einem der Infizierten gebissen, als sie zusammen mit Jake einem älteren Paar helfen wollte. Es war eine Nacht voller Schmerzen und Qualen für sie. Das Fieber breitete sich viel schneller aus, als Jake es jemals bei einem normalen Fieber gesehen hatte. Und er hatte einfach nichts tun können, bis die Krankheit sie dahin raffte.
Jedoch hielt seine Trauer nicht lange, denn das was danach geschah machte überhaupt keinen Sinn in seinen Augen. Denn seine Freundin, die eigenlich tot sein sollte, öffnete wieder die Augen. Sie hatte nichts mehr von seiner hübschen und lieben Cassie, die er sogar heiraten wollte. Sie begann nach ihm zu schnappen und hatte so eine übermäßige Kraft entwickelt, dass es ihm Angst machte. Was genau mit ihr los war, wusste er nicht, aber er wusste ganz sicher, dass sie gestorben war. Was auch immer sie also jetzt war, es war nicht mehr seine Freundin. Aber ihr etwas tun konnte er nicht. Also schloss er sie einfach ins Schlafzimmer ein und zog nach unten ins Wohnzimmer. Seither war er nicht mehr oben gewesen. Aus Schuldgefühlen und aus Angst.
Samantha Hall
Samantha war von der plötzlichen Umarmung verwirrt, erwiderte diese jedoch herzlich. Viel mehr Zeit hätte sie mit Clara verbringen sollte, verstanden sie sich doch im Grunde blendend. Doch vor dem Virus war Sam nur an manchen Wochenende zu Besuch. Ihre eigene kleine Wohnung lag inmitten der Stadt. Jetzt war sie seit Tagen dort nicht gewesen. „This is not a goodbye forever, Clara.“, versicherte die Blonde ihr. Daran glaubte sie selbst. Sie würden nur abwarten bis alles geregelt war und danach wieder zurückkommen. Der Blick in Claras Augen, sagte ihr aber etwas anderes. Auch die Brünette schien zu wissen, dass alles nicht einfach an ihnen vorüber ziehen würde und dies vielleicht doch ein Abschied für immer sein würde. Ihr Vater schaffte es sie zu beruhigen, aber jemand anderen mit dem gleichen Gefühl wie ihr eigenes zu treffen, ließ sie wieder unruhiger werden.„Come with us.“, bat sie erneut eindringlich wobei sie nach ihrer Hand griff damit sie nicht einfach wieder ins Haus verschwand.
„Dad, tell her! She's going to be trapped here if we're not taking her with us.“, fragte sie jetzt ihren Vater um Hilfe. Sam hatte Claras Blick zu ihrer leeren Einfahrt gesehen. Niemand mehr sonst war hier um sie mitzunehmen. Kein Auge mehr würde sie zu bekommen, wenn sie ihre Nachbarin einfach hier zurückließen.
Malcolm schloss zu den beiden auf. Er teilte die Meinung seiner Tochter. „She is not going to stop until she gets what she wants.“, scherzte er aber, anstatt das Thema so ernst zu sehen wie die beiden jungen Frauen. Beide hatten sie Angst. Seine eigene zu zeigen, würde es ihnen nicht besser gehen lassen, jedoch war auch er beruhigter, waren sie erstmal in der Quarantänezone angekommen. „Come on.. there really is enough space for another passenger and at least another bag. You're not a burden and we both would sleep better knowing you're safe.“, stimmte er Sam zu. Er hoffte einfach, dass Clara vielleicht mehr auf ihn hören würde als auf Samantha. Sie mitzunehmen stellte keinerlei Problem da, da sie sowieso so vielel Dinge gepackt hatten, dass vermutlich eine Menge unnötiges dabei war. Die Nachbarschaft war schon so gut wie ausgestorben und die meisten Menschen, dachten in diesen Situationen nur noch an sich selbst. Sie waren also vielleicht Claras einzige Chance noch aus der Stadt zu kommen, wenn sie nicht zu Fuß gehen wollte. Was angesehen der rumlaufenden Banditen, keine besonders gute Idee war.

„The hell you will.“, kam es sofort von Mike als Healey darum bat mitzukommen. Er hätte es sich schon denken können, dass sie ihn begleiten wollen würde. Genauso wusste er, dass sie einfach nur Angst hatte. Verübeln konnte er ihr das kaum. Selbst er hatte ein flaues Gefühl im Magen, wenn er daran dachte gleich rauszugehen. Als die Supermärkte leer wurden, hatten die Menschen bereits angefangen andere auszurauben, Misslagen auszunutzen und Todesopfer waren nicht nur durch den Virus entstanden. Alles was er zu seiner Verteidiung mitnehmen konnte, war ein Baseballschläger, der immer mehr Dekoration gewesen war. Geschwungen hatte er das Teil noch nie wirklich und wenn nur zum Spaß. Trotzdem war er froh, jetzt einen im Haus zu haben. Gleichzeitig hoffte er aber, ihn nicht benutzen zu müssen.
Den kleinen Abstand zu seiner Freundin überbrückte er und legte seine Hände an ihre schmalen Schultern. „You're safer here, Healey.“, versuchte er ihr klar zu machen. „It's just a disease. As long as I don't come in contact with anyone I'll be fine.“ Davon war er selbst überzeugt. Komplett unwissend darüber, was dieser Virus tatsächlich war, schien es ihm so einfach einer Infektion aus dem Weg zu gehen. Gleich vor dem Haus würde er in seinen Wagen steigen, diesen verriegeln und zu Romans Wohnung waren. Die Straßen waren komplett frei also würde er schnell dort sein. Auch um ordentliches parken würde er sich kaum kümmern müssen. So war der Plan. „I'll be back in an hour. Two tops.“, versprach er ihr mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. „It's easier for me to stay focused when I know you're safe here. Please just trust me with this. It won't take long. Just lock the door behind me and I'll be back before you know it. Do it for your brother.“
Ihr musste der Plan nicht gefallen. Sie sollte es einfach nur so akzeptieren und ihn gehen lassen. Von allen Menschen die er liebte, wusste er nur bei Healey, dass sie hier in Sicherheit war. Er wollte nicht riskieren, dass sie sich irgendwie ansteckte oder sie im Falle eines Überfalls irgendwelchen Männern zum Opfer fiel.

Tausend Steine fielen Sarah vom Herzen als Jake ihr sofort zustimmte mitzukommen. Sie hatte nicht wirklich geglaubt, dass es schwer sein würde ihn zu überreden. Immer schon hatten sie zusammen gehalten. Das sie es auch jetzt taten, war also keine Überraschung. Kurz sah sie ihm noch nach wie er in die Küche verschwand bevor ihre Aufmerksamkeit von einem Poltern aus dem Schlafzimmer abgelenkt wurde. Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah sie die Treppe nach oben. Selbst von hier unten konnte sie sehen, wie jemand oder etwas gegen die Tür pochte. „Yeah.. it's crazy out there..“, antwortete sie ihrem Bruder in Gedanken. Wie in Trance lief sie langsam die Stufen nach oben. Was hatte Jake dort oben eingesperrt? Einen Hund besaß er ihres Wissens nach nicht. Auch kein anderes Haustier, dass es nötig machen würde es einzusperren. Die Brünette hätte ihn einfach danach fragen können und hätte sich damit eine traumatische Erfahrung sparen können, doch war ihre Neugierde zu groß.
Umso näher sie der Tür, desto lauter wurde das Poltern. Sie konnte andere Geräusche wahrnehmen, die von etwas lebendem zu kommen schienen. Zuordnen konnte sie diese aber nicht. Das Herz schlug ihr jetzt bis zum Hals. Trotzdem drückte sie die Türklinge nach unten.
Kaum, dass sie dies getan hatte, tat sich die Tür auf und etwas stürzte sich auf sie. Alles ging so schnell, dass Sarah es im ersten Moment gar nicht sehen konnte. Eine Frau mit enormer Kraft packte sie an den Schultern. Immer wieder schnappte die Fremde nach ihr. Nur mit Mühe und Not schaffte sie es, dieses etwas von ihrem Gesicht fernzuhalten. Bei dem Versuch sie von sich zu stoßen, rutschte sie auf dem Treppenabsitz nach unten und stürzte polternd nach unten. Hart schlug sie auf dem Boden auf. Für einen Moment rang sie nach Luft. Die Atemlosigkeit war in diesem Moment alles was sie spürte. Die kleine Platzwunde an ihrem Kopf und das Pochen, wurden vom Adrenalin überdeckt. Keuchend richtete sie sich wieder auf. Erst jetzt sah sie, was sie da angegriffen hatte. Eine Frau, deren Alter aufgrund ihres Aussehens nicht zu erkennen war, torkelte die Treppe nach unten. Ihre ganze Körperhaltung schien unmenschlich, genauso wie die Laute, die sie von sich gab. Sarah versuchte irgendwie zu verarbeiten, was da gerade auf sei zukam, schaffte es aber nicht. Alles was ihr durch den Kopf schoss war, dass sie auf Jake aufpassen musste. Der Instinkt setzte ein wie ein Schalter, den man in ihrem Kopf umgelegt hatte. Zu ihrem Vorteil war die Frau, die mehr tot als lebendieg schien und sich am liebsten ein Stück von ihr abbeisen würde, langsam. Dies gab Sarah genug Zeit sich komplett auf die Beine zu ziehen und sich von einer nahestehenden Kommode den Brieföffner zu schnappen. Ihr normales Denken hatte komplett ausgesetzt. Alles was zählte war Jake zu beschützen, war sie doch das einzige was zwischen ihm und diesem Monster stand. Gleichzeitig setzte ein Wille zum Überleben ein, denn sie noch nie so gespürt hatte.
Die entstellte Frau, die eher schlürfend die Treppe nach unten kam anstatt wirklich zu laufen fiel die letzten Stufen durch ihren ungleichmäßigen Gang direkt auf Sarah zu. Was als nächstes geschah war purer Reflex. Mit dem Brieföffner holte sie aus und rammte diesen direkt ins Auge der Frau. Es war keine bewusste Bewegung gewesen. Aus Schreck zog sie den Brieföffner gleich wieder heraus, was dafür sorgte das der leblose Körper auf sie sackte und Blut aus der Augenhöhle auf sie lief. Erschrocken stieß sie die Leiche von sich. Der kleine Kampf hatte nichtmal zwei Minuten gedauert. Alles ging so wahnsinnig schnell, dass sie kaum verstehen konnte was überhaupt passiert war. Sie wusste nur, dass eine tote Frau vor ihr lag, ihre Hände sowie Kleidung voll Blut war und das aus ihrer Platzwunde ihr so übers Auge lief, dass es ihr teilweise die Sicht nahm obwohl es nur eine so kleine Verletzung war. Damit setzte der Schock ein. Sie wusste nicht wer diese Frau vor ihr überhaupt war, war sich aber ziemlich sicher, sie getötet zu haben. In ihrer zittrigen Hand hielt sie noch immer den Brieföffner, konnte sich jetzt aber kaum mehr bewegen.
Clara Drew
Clara hatte den Vorschlag beim ersten Mal dankend abgelehnt. Sie war niemand, der sich irgendwem aufzwang. Jedoch schien keiner der beiden Halls mit ihrer Antwort zufrieden und Clara war nicht dumm. Würde sie wieder ablehnen würden die beiden ohne sie abreisen und damit würde sie festsitzen. Wie man ein Auto kurzschloss wusste sie nicht, also selbst wenn sie die Grenze des Legalem überschritt, würde sie keine Chance haben alleine zur Quarantänezone zu kommen. "Samantha" sagte die Brünette mehr halbherzig, als sie auf die Hände der beiden sah und dann zurück zu ihr. Es war wohl ein letzter kleiner Versuch ihrer Erziehung gewesen ihr zu sagen, dass sie höflich sein und ablehnen sollte. Aber nun da sich auch noch Malcom miteinklinkte und dieser wirklich kein Problem mit allem zu haben schien, drängte Clara einfach ihre gute britische Erziehung aus ihren Gedanken. Das hier war kein Moment in dem es angebracht war höflich zu sein. Sie musste an sich denken und die beiden taten es genau so. Wenn sie ihr Angebot jetzt nicht annehmen würde, hätte sie ihre letzte Chance verspielt hier raus zu kommen.
Kurz blieb ihr Blick auf Malcom liegen, denn irgendwie suchte sie wohl die richtigen Worte um sich zu bedanken. Selbst wenn dies keine Notsituation gewesen wäre, war es nicht alltäglich, dass sich jemand so um seine Mitmenschen kümmerte wie die beiden. Und da ihr noch keine richtigen Worte einfielen, schenkte sie ihm nur ein dankendes Lächeln und Samantha ein fast tonloses "Thank you so much". Denn die Erleichterung war ihr deutlich anzusehen. "I only have a few things. It won't take long, I promise" sagte sie schließlich und löste sich von der Blonden.
Ihr Weg trug sie zurück über das Beet in ihr kleines Haus. Sachen waren schnell in einem großen Reiserucksack verstaut, mit welchem sie damals nach Amerika gekommen war. Irgendwie hatte sie seither nicht wirklich viel mehr anschaffen können. Sie schob zwei Shirts in die Tasche, eine weitere Hose, einen Pullover und stellte ein paar Boots neben den Rucksack, welche sie im Wagen einfach an einen der Riemen knoten würde, da ihre Halbschuhe nicht ewig halten würden. Sie hatte ja keine Ahnung was es alles in der Quarantänezone gab und was nicht. Da war es ihr lieber sie sorgte gleich vor. Kleinere Dinge wie einige Hygienemittel und Batterien folgten der Kleidung. Gott sei Dank hatte sie nur ein kleines Haus mit nur einer Etage. Da war schnell alles zusammen gesucht. Ihr Lieblingsbuch kam noch hinzu, genau wie ihr Handy, welches zwar keinen Empfang mehr hatte aber man wusste ja nie wann dies wieder funktionieren würde, und anderer Krempel, bis der Rucksack schließlich voll war. Jede Tasche hatte sie gefüllt und hatte dazu noch einen kleinen Beutel mit Konserven und Getränken gefüllt, welchen sie sich auf der Fahrt zwischen die beine Stellen konnte um Platz zu sparen. Es war nicht viel, aber reichte mit Sicherheit um auch etwas beizutragen.
Auf dem Weg nach draußen zog sie sich noch eine dünne Sommerjacke über und schnappte sich den Haustürschlüssel. Doch gerade als sie abschließen wollte, kam sie ins Zögern. Wenn das hier wirklich das letzte Mal sein sollte, dass sie herkam und wenn es hier noch Menschen gab, die nicht fort konnten, so wie sie, wer war sie dann um ihnen die restlichen Lebensmittel in ihrem Haus zu verwehren? Sie würden so oder so vergehen und Wertvolles hatte Clara alles eingepackt, was handlich genug war um in den Rucksack zu passen. Viel hatte sie sowie so nicht gehabt. Also entschloss sie sich einfach die Tür nur zu schließen, sie jedoch nicht abzusperren, bevor sie zurück zu den Halls ging. "I had some fried beans left" sage sie, als sie den kleinen Beutel in die Höhe hielt um ihn Malcom zu zeigen. "It's not much but all that would survive a travel in the heat" gestand sie etwas verlegen, da sie wirklich nicht viel beitragen konnte.

Anders als noch zuvor, schaffte Healey es jetzt kaum noch ihre Tränen zurückzuhalten. Ihre Lippen begannen zu zittern und nur weil sie ihre Arme um ihre Mitte schlang, konnte sie sich zusammenreißen. Es war die pure Angst, die aus ihr Sprach. Sie wusste nicht, was da draußen war und genau so wenig wusste es Mike. Und ihr Freund wusste sonst alles. An manchen Tagen hatte sie es sogar genervt, dass er immer alles besser wusste als andere. Jetzt wünschte sie sich aber nichts mehr, als dass er eine Antwort für sie hätte, wie sie all das beenden konnten. Noch nie zuvor hatte sie solche Angst vor einer Krankheit gehabt. Alleine der Gedanke daran, dass Roman oder Mike sich anstecken konnten, ließ ihren Magen sich umdrehen. Es war nicht die Angst um ihr eigenes Leben gewesen. So war sie noch nie gewesen. Immerzu stellte sie andere über ihr eigenes Wohl.
Ihr Blick wich dem von ihrem Freund aus. Wahrscheinlich hatte er sogar Recht damit, dass er viel schneller war, wenn sie nicht dabei wäre. Einmal auf der Suche nach Roman, würde sie sich wohl kaum mehr überreden lassen wieder heimzukehren, ohne ihn gefunden zu haben.
Dann sah sie Mike wieder direkt an, noch für einen Moment länger schwieg sie dabei, da ihr das Herz aus der Brust zu springen drohte. Die letzten Zentimeter dann überbrückte sie, legte ihm ihre Hände an die Wangen und drückte ihm eine fast schon verzweifelten Kuss auf die Lippen. "Come back, you hear me?" schluchzte sie und schlang nun für einen Moment ihre Arme um Mikes Nacken und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. "Don't leave me alone again" murmelte sie noch und küsste schließlich seine Wange, löste sich danach aber von Mike und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. "And now go before I change my mind" wies sie ihn endlich an. Denn je länger sie noch warten würden, desto mehr wollte Healey Mike begleiten. Wenn man ihr sagte, sie sollte an ihren Bruder denken und es wäre besser für ihn, wenn sie gewisse Dinge nicht tat, bekam man sie fast immer umgestimmt. So war es auch jetzt wieder gewesen und sie fand es unfair von Mike diese Karte zu spielen, da er es ganz genau wusste, dass sie Roman niemals Ärger machen oder Probleme bereiten würde. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass es wohl seine einzige Möglichkeit gewesen war, sie umzustimmen. Und so hoffte sie einfach, dass er wusste was er da tat und er und auch Roman beide unversehrt und an einem Stück zurückkommen würden.

Jake bemerkte im ersten Moment gar nicht, dass Sarah abgelenkt wurde und danach so gut wie überhaupt nicht mehr dem Gespräch folgte. "Sarah?" fragte er deshalb nach, als nach ihrer letzten Antwort Stille herrschte. Seine Schwester war normalerweise niemand, der einfach ruhig blieb, schon gar nicht, wenn die beiden sich seit Tagen nicht mehr gesehen hatten. Normalerweise wäre sie ihm in die Küche gefolgt, einfach um sicher zu gehen, dass er sich auch ja beeilte. Aber nichts. Nicht ein bisschen. Erst als sein Blick zurück zur Tür ging, viel ihm auf, dass seine Schwester nicht mehr dort war, wo er sie zurück gelassen hatte.
"Sarah! No!" rief er gleich panisch aus, denn gab es doch nur einen Ort wo sie hingegangen sein konnte. "Don't open the door!" Doch war es längst zu spät. Sarah stürzte im nächsten Moment schon die Stufen herunter und ihr folgte das, was einst seine Freundin gewesen war. "Fuck" fluchte er und griff sich sofort eines der Küchenmesser aus dem kleinen Messerblock. Doch als er sich umdrehte, um zurück zu eilen, war es auch schon passiert.
Keine Sekunde länger zögerte er und spurtete zu seiner Schwester, wobei er fast schon über den leblosen Körper Cassies mit einem guten Satz sprang, um bei Sarah anzukommen, da dieser ihm mitten im Weg lag. "Sarah" rief er wieder aus und ging neben seiner Schwester auf die Knie. Das Messer ließ er einfach neben sich auf den Boden fallen und half Sarah erst einmal sich langsam aufzusetzen. "Sarah, are you okay?" fragte er, auch wenn sie es ganz offensichtlich nicht war. Doch ging es ihm gar nicht darum, sondern um etwas komplett anderes. "Did she .. did she bite you?" wollte er nämlich eigentlich wissen und nahm erst den einen Arm seiner Schwester und dann den anderen genau unter die Lupe.
Als er keinerlei Bissspuren finden konnte, nahm er vorsichtig ihr Gesicht zwischen seine großen Hände um es sich genauer anzusehen. "Hey .. hey .." machte er ruhig, damit sie ihn ansah. Der Schock stand ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. "Sarah, look at me" bat er sie weiter mit einer ruhigen Stimme, um sie nicht weiter aufzuregen. Sanft strich er dabei mit dem Daumen etwas Blut von ihrer Augenbraue, damit es aufhörte ihr übers Auge zu rinnen. Säubern konnte er die Wunde gleich immer noch, aber erstmal musste er sie dazu bringen nicht in eine komplette Schockstarre zu verfallen.
Malcolm Hall
Die Halls waren außerordentlich erleichtert das Clara sich umentschied und doch mit ihnen mitkam. Tagelang hätten sie sich wohl noch Gedanken darum gemacht, was mit ihr geschah. Wenigstens mussten sie sich darum jetzt keine Sorgen mehr machen. Einen Dank erwartete sie dafür keinen. Durch ihre Verbindung zur Medizin, selbst wenn es nur Tiermedizin war, lag es ihnen einfach im Blut, dass man sich in Notsituationen half und dies hier war defintiv eine. Während Clara zurück in ihr Haus ging um ihre Sachen zu packen, lud Malcolm das restliche Gepäck seiner Familie ein. Sogar ein paar Sachen für Cage hatten sie dabei, da sie ja nicht wussten was er genau auf der Zone hatte und nicht vielleicht etwas benötigte. Auf der Rückbank sortierte Samantha das Gepäck so, dass es genug Platz für ihre Mitreisende gab. Vorher hatten sie mehr wahllos alles hinein geworfen. Gestapelt wurde aber ein ganzer Sitz frei, der für die Fahrt auf jeden Fall ausreichen würde. Würden sie ganz durchfahren ohne Pause, konnten sie die Zone schon am späten Abend erreichen. Malcolm hoffte es sehr, denn die Kriminalität war mit der Epidemie angestiegen und er wollte die beiden jungen Frauen nicht in Gefahr bringen.
„Everything helps.“, beruhigte er Clara. Sie hätte ja gar nichts mitnehmen müssen. Sicherlich hatten sie in der Zone mehr als genug, musste sie doch hunderte von Menschen beherbergen. Nur hatten sie sich so viel mit Lebensmitteln eingedeckt als sie noch glaubten sie würden bleiben, dass es Verschwendung wäre nicht alles mitzunehmen, was in den Wagen passte. Den Kofferraum schloss er jetzt. Alles war sicher verstaut und sie waren bereit zur Abfahrt. „Get in. It's about time we leave.“ Schon seit ein paar Minuten hatte er das dumme Gefühl beobachtet zu werden. Vermutlich nur Einbildung, verursacht durch die unheimliche Stille in der Straße. „If it all goes smooth we will arrive tonight already.“, lächelte Samantha aufmunternd. Es war wohl ihr Glück, dass sie nicht weit von der Zone entfernt wurden. Sie selbst stieg auf dem Beifahrersitz ein, Malcolm nahm den Fahrerplatz. Nachdem auch Clara eingestiegen war und ihren Rucksack so weit verstaut hatte, verriegelte er sicherhalb das Auto. Zu dieser Zeit musste man sich einfach gegen alles wappnen. Langsam rollte er den rückwärts die Einfahrt heraus und fuhr schließlich die Straße, die aus der Stadt führte entlang. Samantha breitete die Karte auf ihrem Schoß aus. Den ungefähren Weg kannten sie, aber sie wollte ganz sicher gehen, dass sie keine Abzweigung verpassten. Mit einem Stift markierte sie deshalb die Route, die sie fahren würden.

„I love you. I will always come back to you.“, versprach Mike ihr. Healeys Angst war nur verständlich. Erst kurze Zeit war er aus dem Gefängnis zurück und das nur aufgrund eines glücklichen Deals, weswegen er hatte früher gehen dürfen. Ansonsten wären sie zwei Jahre getrennt gewesen. Ohne seine eigene Dummheit, wäre er dort vielleicht gar nicht erst gelandet. Er hätte nur den Urteilsspruch abwarten müssen. Vorschnell, wie er aber manchmal war, ging er aber einen Handel ein, der ihm das Urteil von zwei Jahren verschaffte anstelle von sechs. Ein paar Stunden später wäre sein Freispruch gekommen, doch hatte er schon längst gestanden und ein zurück gab es nicht mehr. Das seine Freundin also Angst hatte, er könnte wieder auf ungewisse Zeit aus ihrem Leben verschwinden, konnte er ihr nicht verübeln. Nochmal legte er ihr eine Hand in den Nacken, küsste sie auf die Stirn und verließ die Wohnung dann mitsamt des Baseballschlägers und Autoschlüssel.
Wie erwartet traf er auf dem Weg zu Romans Wohnung nicht eine Menschenseele. Entweder verschanzten sie sich in ihren Häusern oder waren schon lange fort. Hin und wieder glaubte er jemanden hinter Vorhängen nach draußen spähen zu sehen, versuchte ihnen aber nicht zu viel Aufmerksamkeit zu geben.
Bei dem großen Miethaus angekommen, überkam ihm ein Schauer. So verlassen und ohne Menschen wirkte es auf ihn wie eine Szene aus einem Horrorfilm. Trotz der Hilfe, die Roman durch seine Adoptivfamilie bekam, saßen die Traumata so tief, dass er es nie geschafft hatte sich etwas ordentliches aufzubauen. Unglücklich wirkte er darum nie wirklich, aber selbst Mike tat es leid ihn so zu sehen. Vor einigen Jahren ging es ihm noch genauso und ohne die Hilfe anderer, die an ihn glaubten, hätte er es nicht soweit geschafft. Zu Zeiten wie diesen war aber all dies nebensächlich. Er atmete nochmal tief durch, nahm sich den hölzernen Schläger und stieg aus. Die Türen waren hier nie verschlossen also hatte er keinerlei Probleme ins Haus zu kommen. Mehr Graffiti als sonst befanden sich an den Wänden. Sie mussten noch frisch sein und denn der Geruch der Farbe brannte fürchterlich in der Nase. Die flackernden Neonröhren rundeten das Bild nur noch mehr ab. „You've got be kidding me..“, murmelte er zu sich selbst. Zu Zeiten wie diesen schien ihm das Gebäude nur noch gruseliger. Unbewusst umfasste er den Griff um den Schläger nur noch fester während er die Stufen zu Romans Wohnung erklomm.
„Roman?“, fragte er während er an die Tür klopfte. Eine Antwort bekam er nicht, stattdessen schwang die Tür aufgrund des Klopfens einfach auf. Sie war überhaupt nicht verschlossen gewesen. Auf dem Boden war jede Menge Blut, was ihm das Herz in die Hose rutschen ließ. Healeys Bruder saß auf der Couch, schien aber nicht bei Bewusstsein zu sein. Sofort stürtzte Mike zu diesem. Hastig fühlte er seinen Puls und eine Welle von Erleichterung überkam ihn als er ihn tatsächlich fand. Romans linke Seite war in Blut getränkt. Ein kleines Loch in seinem Pullover verriet, dass ihn eine Kugel getroffen haben musste. In dieser Gegend nicht wirklich eine Überraschung. „Wake up.. come on..“, flehte Mike ihn an und tätschelte solange seine Wange bis er endlich die Augen aufschlug. „I'll get you out but you have to stay awake.“, bat er weiter, legte sich einfach einen von Romans Armen um die Schulter und stütze ihn so. Dadurch bekam er selbst Blut ab, doch war dies ganz egal. Zeit zum Fragen stellen blieb ihnen keine, da der Verwundete diese gerade auch kaum beantworten konnte. Obwohl die Waffe in seiner Hand ihn mehr als Neugierung machte. Die Vermutung lag nahe, dass er wieder in irgendwelche Schwierigkeiten mit den Nachbarn gekommen war, was hier an der Tagesordnung war. Niemand hier war besonders zimperlich. Also machte Mike sich einfach nur daran ihn zurück zum Wagen zu schaffen. Roman war schwer und es war alles andere als einfach, aber er schaffte es ihn auf die Beifahrerseite zu setzen. Durch den Weg wurde er auch genug wach, um sich die Hand schwer schnaubend auf die Wunde zu drücken. Er hatte schon genug Blut verloren. Noch ein paar Stunden mehr und Mike hätte ihn dort tot aufgefunden.
Die leere der Straßen war jetzt noch mehr ein Vorteil, denn er konnte das Gas voll durchdrücken und musste sich nicht an irgendwelche Geschwindkeitsregelungen halten. Endlich wieder bei seiner eigenen Wohnung angekommen, half er Roman wie schon zuvor ihn stützend nach oben zu bringen. Dort stürzte er regelrecht in die Wohnung und schlug die Tür hinter sich in den Rahmen. Roman war blass geworden, was die Narbe über seinem Auge noch mehr rausstechen ließ. Er war zu schwach um irgendwelche schmerzhaften Laute von sich zu geben und das Gesicht zu verziehen. Fast leblos schien er in Mikes Armen zu hängen. „Healey, the first aid box. Hurry!“, wies Mike sie an und verfrachtete Roman auf die Couch bevor dieser ihm erneut zusammenbrach.

Auf die ersten Worte ihres Bruders reagierte Sarah gar nicht. Selbst als er ihr Gesicht zwischen seine Hände nahm, sah sie einfach nur den leblosen Körper an. Es dauerte einen Moment bis sie ihre Augen davon löste und Jake endlich aus verwirrten Augen ansah. Ihr Kopf versuchte zu begreifen was gerade geschehen war, aber so recht wollte es nicht funktionieren. Der einzige Gedanke der ihr durch den Kopf schoss war, dass sie jemanden umgebracht hatte. Es war Notwehr gewesen, ganz klar. Aber dieser Gedanke kam ihr jetzt noch nicht. Auch nicht, dass das Verhalten der jungen Frau durch die Krankheit verurscht worden war.
„Bite me..?“, wiederholte sie fast tonlos, immernoch im Schock. Nur langsam kam sie wieder zu sich. „No.. no.. I'm fine..“, stritt sie schluckend ab. Seine Frage machte überhaupt keinen Sinn für sie. Die einzigen Schmerzen, die sie zu spüren begann war ihr Kopf und einige Stellen an ihrem Körper, an denen sie durch den Sturz Blessuren abbekommen hatte. Der Schnitt an ihrer Stirn war winzig. Keine zwei Stiche würde es benötigen um ihn zu behandeln, doch wie es mit Kopfwunden so war, blutenden sie um einiges schlimmer als sie im Grunde waren.
„We have to go. Now.“ Keine Sekunde länger als nötig sollten sie mehr hier bleiben. Tausende von Fragen schossen ihr durch den Kopf, aber keine davon stellte sie jetzt. Sie war doch die Ältere und musste auf Jake aufpassen. Es hieß jetzt ihn sicher hier rauszubringen, auch wenn sie gerade keinerlei Idee hatte, wie sie das anstellen sollte. Die Schockstarre blieb zwar aus, doch stand sie immernoch neben sich. Den Brieföffner hielt sie fest in ihrer rechten Hand umklammert als hinge ihr Leben davon ab ihn nicht loszulassen. Zittrig war sie am ganzen Körper. Sogar nach weinen war ihr zumute, aber abgesehen von glasigen Augen ließ sie nicht zu das diese Gefühle sie jetzt übermannten. „Get your things, Jake.“, bat sie ihn. Obwohl sie Anweisungen gab, konnte wohl selbst ein Blinder sehen das sie jetzt nicht in der Lage war um klar zu denken. Nachdem sie diese Bitte gegenüber ihrem Bruder ausgesprochen hatte, sah Sarah wieder zu dem leblosen Körper. Die Frau sah aus wie ein Mensch, aber sie versuchte sich einzureden, dass sie das nicht war.
Clara Drew
Clara nahm gleich hinter Samantha platz, schob ihren Rucksack zwischen sich und dem anderen Gepäck und verstaute die kleine Tasche zwischen ihren Beinen, wie sie es geplant hatte. Es war ein angenehmes Gefühl zu wissen, dass sie auf dem Weg in eine sichere Zone waren. Wenn jetzt nichts mehr schief ging, würden sie diese auch noch heute Abend erreichen. Clara war erleichtert darüber, dass man ihr die Mitreise angeboten hatte. Erst als sie aus der Einfahrt fuhren und durch die leeren Straßen wurde ihr nämlich bewusst, wie verloren sie gewesen wäre. Sie waren so gut wie die letzten, die überhaupt noch hier waren. Es wäre ein Warten auf das Ende geworden, wäre sie geblieben.
Sie lehnte ihren Kopf gegen das Fenster und beobachtete wie sie an leerstehenden Geschäften vorbeifuhren und wie viel Verwüstung bereits herrschte. Die Brünette hatte sich schnell satt gesehen an den Umständen die draußen herrschten und drehte sich deshalb von dem Geschehen weg. Eigentlich wollte sie wachbleiben bis sie an der Zone angekommen waren, schlief auf halben Weg dann aber doch ein und wachte erst wieder auf, als der Wagen langsamer wurde. Die Sonne war bereits so gut wie untergegangen und warf bereits große Schatten auf die Straßen. Doch erhellten die beiden Scheinwerfer vor dem Tor der Quarantänezone ihre Umgebung genug um noch deutlich sehen zu können.
Vor ihnen betrat gerade eine Gruppe, bestehend aus den verschiedensten Leuten der unterschiedlichsten Nationen die Zone. Sie schienen lange unterwegs gewesen zu sein, um hier anzukommen, da einer von ihnen auf die Knie ging und sogar die Straße küsste auf der sie liefen. Und alle schienen sie zu Fuß gekommen sein, was wohl hieß, dass sie außerordentliches Glück gehabt haben mussten.
"Your names and where you're from" ertönte eine strenge Stimme, die eindeutig von einem der Soldaten kam, welche hier das Tor patroullierten. Clara versuchte etwas zu erkennen, doch stand der Mann auf Malcoms Seite und durch das Gepäck, konnte sie nur den breit gebauten Körper erkennen. "Dad?" fragte die Stimme jetzt und selbst die Britin konnte sie nun endlich zuordnen. Es war Cage, der endlich einen Blick in das Auto neben sich geworfen hatte und gleich seine Familie erkannte. "Sam" entwich es ihm erleichtert, als er sich herunter beugte und durch das Fenster zu seiner Schwester auf den Beifahrer sah. "Jesus" stieß er erleichtert seufzend aus, als er sich wieder aufrichtete und sich müde über das Gesicht wischte. Solange hatte er keine Ahnung gehabt, ob es seiner Familie gut ging oder nicht. Selbst nachsehen konnte er nicht, da er hier seine Pflichten hatte. Aber jetzt waren sie endlich da und damit hatte der Soldat nun eine Sorge weniger.

Schon als Mike die Wohnung verlassen hatte, fühlte es sich für Healey an, als seien bereits Stunden vergangen in denen er fort war. Noch einen Moment sah sie also auf die Tür, konnte ihren Blick jedoch erst lösen, als sie draußen den Motor seines Wagens hörte. Irgendwas musste sie tun, bis er zurück war.
Ihr erster Weg führte sie ins Schlafzimmer, dieses räumte sie auf, machte die Betten und legte die Wäsche zusammen, die schon Tage lang in der Ecke gestanden hatte. Völlig banale Aufgaben eben. Während sie so die Kleider zusammen legte, fand sie es fast lächerlich, wie viel Mühe sie sich gegeben hatte immer ordentlich auszusehen und irgendwie in die vielen Kanzleien zu passen, in denen sie als Praktikantin angeheuert hatte. Alles schien jetzt völlig sinnlos.
Aus dem Schrank nahm sie sich einfach eines von Mikes Shirts und wechselte ihre Stoffhose gegen eine einfache Jeans, da sie gerade drauf und dran gewesen war in ihren Schlafsachen auf die Suche nach ihrem Bruder zu gehen.
Danach setzte sie sich einfach wieder auf das Sofa. Wenn überhaupt waren gerade einmal zwanzig Minuten vergangen. Nicht einmal die Hälfte also. Healey hasste das alleine sein. Sie hasste die Stille und das niemand da war, der ihr sagte, es würde alles wieder in Ordnung kommen. Nach weiteren gefühlten zehn Minuten stand sie also seufzend wieder auf und ging in die Küche. Und da kam ihr schließlich eine Idee. Alles an Vorräten das sie noch hatten begann sie ins Wohnzimmer zu schaffen. Sie sortierte nach den verschiedensten Aspekten. Hygiene, Getränke, schnell vergänglich, ewig haltbar und so weiter. Sie wollte eine Liste anlegen, damit sie und Mike einen Plan hatten. Sie brauchten einfach einen Plan, denn ewig hier fest zu sitzen, dass hielt Healey für keine Option. Irgendwann würde ihnen hier das Dach auf den Kopf fallen, denn das in baldiger Zukunft ein Heilmittel gefunden würde, glaubte sie nicht.
Erst als die Tür aufschlug, schreckte sie aus ihrer Arbeit auf. Sie hatte im Schneidersitz auf dem kleinen Couchtisch gesessen, um so einen guten Überblick über alles zu haben, was tatsächlich nicht mehr so viel gewesen war, wie sie es gedacht hatte. Ein typischer zwei Mann Haushalt eben. Vor ein paar Tagen erschien ihr noch alles viel zu viel, das sie hatten. Im Nachhinein wünschte sie sich, sie hätten mehr.
"Roman" entfuhr es ihr entsetzt, als sie das ganze Blut sah und ihren Bruder, wie er bleich an Mikes Seite herunter hing. "Yeah .. yeah" murmelte sie und ließ den Blick hastig über all die Vorräte schweifen. Sofort rutschte sie von dem Tisch, tat zwei Schritte und griff nach einer kleinen Box mit welcher sie gleich zurück zu ihrem Freund eilte. "Here" sagte sie unter unregelmäßiger Atmung. Ihr Herz überschlug sich beinahe und da hatte sie selbst der kleine Sprint schon angestrengt. Sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte und so kniete sie sich neben das Sofa und strich ihrem Bruder mit einer Hand über seine Stirn, während die andere auf seiner Schulter ruhte. "What the hell happened?" fragt sie Mike schließlich, als sie es endlich schaffte ihren Freund wieder anzusehen.

Jake musterte seine Schwester mit besorgtem Blick. "Wait here" bat er sie, auch wenn sie sich alleine wohl sowie so nicht sehr weit weg bewegen würde. Er ging zu seinem Sofa und holte von dort seine Decke, mit welcher er erstmal den Körper seiner Freundin zudeckte, damit Sarah diesen nicht weiter ansehen musste. Danach eilte er schnell in die Küche und schulterte sich einen Rucksack und hing sich eine Tasche um den Hals. Es war weniger, als das was er eigentlich mitnehmen wollte. Aber er musste Sarah in den Wagen kriegen und da war ihm sein Hab und Gut am Ende vollkommen egal. Er hatte die beiden Taschen in denen am meisten drin war und in denen die Sachen am wichtigsten waren. Das würde schon reichen. Immerhin wollten sie ja in eine Quarantänezone. Die Leute dort hatten sicher genug um den beiden später auszuhelfen.
"Come on" sagte er schließlich zu Sarah und half ihr wieder auf die Beine, als er bei ihr war. Laufen lassen würde er sie aber kaum und so fasste er sie kurzer Hand in den Kniekehlen und unter den Armen und hob sie so hoch. Seine Schwester war klein und zierlich, also eine Leichtigkeit für ihn, sie mal eben bis zu ihrem Wagen zu tragen.
Draußen öffnete er also dann etwas kompliziert die Beifahrertür und setzte Sarah vorsichtig hinein. "Sarah" sagte er vorsichtig und griff nach dem Brieföffner in ihrer Hand. "Sarah, give it to me" bat er sie und nahm ihr diesen langsam aus ihrer verkrampften Hand. Weit weg legte er ihn aber überhaupt nicht, sondern schob ihn einfach in die Innentür neben sie. Erst danach schloss er die Tür, lud schnell seine zwei Taschen ein und stieg neben seiner Schwester in den Wagen. Nachdem er in einer ihrer Jackentaschen auch den Schlüssel gefunden hatte, startete er also den Motor und fuhr aus der Einfahrt. "You'll be alright, you hear me?" meinte er und sah kurz zu ihr bevor er wieder auf die Straße sah. So schwieg er erstmal einen ganzen Moment lang. Sie mussten gute drei Blocks weit gekommen sein, als er endlich verarbeitet hatte, was gerade passiert war.
"She wasn't .. you know. Alive .. if it helps" erklärte er vosichtig, fast als hatte er Sorge Sarah würde bei diesen Neuigkeiten gleich aus dem fahrenden Wagen springen. "I mean .. she was! Before the virus .. She was my girlfriend" seufzte er angestrengt. "Came to stay when the virus started to spread. She was as scared as I was myself but we decided to help the old folks who lived across the street. Cassie's got bitten by .. I don't know what to call them, actually .. an infected, I guess. Fever hit the same day and she died the night after. Sarah, you understand what I'm saying?" fragte er nach und sah wieder zu seiner Schwester rüber. Er konnte sich vorstellen wie verwirrend das alles für sie klingen musste. "She died in my arms, scared and in pain but she did die. She was dead for hours and I couldn't help myself but to sit there and watch her" sagte er nun mit angestrengter Stimme und sah wieder auf die Straße vor ihm. Dabei verkrampften sich seine Finger um das Lenkrad, so sehr, dass bereits das Weiße seiner Knöchel durch seine Haut schimmerte. "She was dead .. but then she started to move again. She moved and she moaned and I thought I went totally nuts. You know, that I kinda day dreamed a nightmare. But that thing .. it was real. But it wasn't Cassie anymore! It tried to attack me the same way it did attack you. I don't what happened then .. I just locked it up. I just couldn't .. I didn't know what else to do, Sarah. I didn't mean to put you in such danger!"
Samantha Hall
Auf dem Weg zur Zone kamen ihnen nur wenige Fahrzeuge entgegen. Keines davon fuhr in ihre Richtung. Mit Schildern hatte Samantha versucht die Autos auf die Quarantänezone hinzuweisen, jedoch wendete niemand. Es ließ sie befürchten, dass irgendetwas mit der Zone passiert war. Seit Tagen hatten sie ja schon keinen Kontakt mehr gehabt, was sollten sie tun, wenn sie dort nur noch Verwüstung vorfanden? Den Gedanken wagte sie nicht auszusprechen, doch glaubte sie hin und wieder zu sehen wie ihr Vater das gleiche dachte. Er war ein sehr besonnener Mensch, der fast immer einen klugen Rat hatte. Genau das schätzte sie so sehr an ihm. Anstatt vorschnelle Schlüsse zu ziehen, dachte er zuerst über alles andere nach, ließ nichts außer acht und fällte dann eine Entscheidung. Das er jetzt also den Gedanken, den sie beide hatten nicht aussprach, beruhigte sie. Umso näher sie der Zone kamen, desto mehr Leuten begegneten sie, die zu Fuß unterwegs waren. Mit mehr Platz im Auto hätten sie jemanden mitnehmen können, doch gab es einfach keinen Weg mehr noch eine weitere Person unterzubringen. Samantha versuchte sich die Gesichtee zu merken und hoffte sie später irgendwo in der Zone wieder zu sehen.
Vor der Zone hatte sich ein kleiner Stau gebildet und es dauerte noch einige Zeit bis sie vorne am Kontrollpunkt angekommen war. Endlich vorne erkannte Malcolm gleich die Stimme seines Sohnes, stieg aber erst aus als dieser neben das Auto trat. Welche Routine es hier auch gab, er hätte sie nicht stören wollen. "Cage.. it's so good to see you.", sprach er erleichtert aus und schloss ihn in die Arme. Schon vor dem Ausbruch der Krankheit hatten sie sich Ewigkeiten nicht gesehen. Darum konnte er sich eine Umarmung einfach nicht verkneifen. Cage war munter und wohlauf und wie es schien, hatte er alles ganz wunderbar unter Kontrolle. In der Zwischenzeit war auch Sam aus dem Auto gesprungen um ihren Bruder bei weitem stürmischer zu begrüßen als es ihr Vater getan hatte. Fest drückte sie ihn an sich. Egal in welches Land er ging, sobald er mit der Arbeit fort war, sorgte sie sich wahnsinnig um ihn. Sie wusste nicht einmal etwas zu sagen sondern blieb einfach einen Moment in seinen Armen.
"You remember our neighbor Clara?", fragte Malcolm nachdem sich die beiden Geschwister wieder voneinander gelöst hatten. "We brought her with us. Alongside with some supplies. It's not much but we thought every little bit helps.", erklärte er. "Just tell us what you need us to do." Allesamt waren sie müde. Er selbst war die ganze Zeit über gefahren und Sam hatte hin und wieder nur wenige Minutem gedöst. Trotzdem waren sie bereit mit anzupacken, wenn es nötig war.

Healeys Stimme war das einzige, was Roman wirklich half die Augen offen zu halten. Sie war sein Fels in der Brandung. Der einzige Mensch auf der ganzen Welt, dem er wirklich vertraute. Flüsternd sprach er den Namen seiner Schwester aus. Zu mehr fehlte ihm einfach die Kraft, aber ihre Berührungen halfen ihm. Schwach zu sein war etwas, dass er hasste. Es lies ihn sich hilflos fühlen. Genauso wie damals. An diese Zeit dachte er nicht gerne zurück aber so geschwächt wie er war, war es ihm unmöglich die Gedanken zu verdrängen. Also versuchte er sich nur auf die Blonde vor ihm zu konzentrieren und an nichts anderes mehr zu denken. Mike hatte unterdessen den kleinen Verbandskasten nach einer Schere durchwühlt um damit Romans Shirt aufzuschneiden. Anders kam er nicht an die Wunde.
Im Grunde hatte Mike keinerlei Plan, was er überhaupt tat. Jedoch erinnert er sich an alles, was er je gesehen hatte. Somit auch an jede Arztserie. Er sendete Stoßgebte gen Himmel, dass nichts was er dort gesehen hatte Müll war. Ein bisschen wahres musste einfach dran sein und es musste ausreichen um ihn solange am Leben zu halten bis sie richtige Hilfe fanden. "I don't know.", antwortete er seiner Freundin ehrlich. Rasch suchte er auf dem Tisch nach einer Flasche Alkohol. Rausnehmen würde er die Kugel nicht, aber zumindest die Wunde wollte er reinigen um Entzündungen zu vermeiden. Endlich eine Flasche gefunden, tränkte er eines der sterilisierten Tücher aus den Arzneimitteln damit und reinigte damit die Wunde. Er und die Couch blieben dabei nicht von Blutflecken verschont, doch empfand er dies als nebensächlich. "I found him like this already.. the door was open. I think he was robbed.", versuchte er sich an einer schwachen Erklärung. Nur Roman würde ihnen sagen können, was wirklich passiert war. Sein Leben zu retten stand aber jetzt im Vordergrund.
Mit einem neuen sauberen Tuch schaffte er es irgendwie einen Druckverband herzustellen, der die Blutung fürs erste stoppte. Wie sehr sich sein Atem beschleunigte hatte, bemerkte er erst jetzt. "We have to leave, Healey. The quarantine zones.. they're the only way to safe him." Krankenhäuser waren bereits verlassen und nur händeringend hätten sie Roman in ein solches gebracht. Sein Plan war das schon immer gewesen. Jetzt da sie ihn endlich hatten, war es Zeit zu gehen, denn mit jeder Minute würde ihr Bruder schwächer werden. Er brauchte eine Bluttransfusion. Ohne würde er sterben, dessen war er sich sicher.

Wie Sarah in den Wagen kam, wusste sie nicht mehr. Ein Stück kurpelte sie das Fenster nach unten und die Fahrtluft half ihr wieder klar denken zu können. Womöglich war es auch die Ruhe. Das Blut auf ihren Händen war schneller getrocknet als sie es vermutet hatte. Aber sie hatte auch noch nie diese Menge an Blut an sich kleben und hatte daher keine Vergleichsmöglichkeit. Die meisten Zeit sah sie einfach nur auf ihre Hände oder beobachtete die vorbeiziehenden Häuser. Langsam dämmerte ihr was passiert war und was sie getan hatte. Aus ihrer Starre erwachte sie auch wieder, schwieg aber trotzdem. Was sollte man noch soetwas auch sagen? Es gab einfach keine richtigen Worten. Nicht in diesem Moment. Darum war sie froh, dass Jake das Wort ergriff und eine Erklärung parat hatte. Es begann Sinn zu machen. Unvorstellbar war es noch immer, aber es war so geschehen und das sie keinen wirklichen Mord begangen hatte, half ihr tatsächlich.
"It's okay, Jake. It really is.", sprach sie sanft. Ganz wohl fühlte Sarah sich noch nicht, aber immerhin schaffte sie es wieder normal zu reden. Einen Vorwurf machte sie ihm absolut nicht. "All that matters to me is that you're safe." An nichts anderes hatte sie in diesem Moment gedacht und tat es immer noch nicht. Eine Hand legte sie an seinen Arm als sie sah wie er das Lenkrad umklammerte. Irgendwie wollte sie ihn beruhigen. "What you told me... I wouldn't have believed it if I wouldn't have seen it. Now I know it's the truth." Es war schwer zu akzeptieren, aber dafür fühlte sie sich jetzt um einiges mehr gewappnet für das was kam. Der Virus wurde gar nicht über die Luft übertragen. Nicht nur zumindest. Der Biss schien alles nur zu beschleunigen. Kurz drückte sie nochmal Jakes Arm damit er wusste, dass sie in Ordnung war und er sich nicht sorgte. Er hatte einen Albtraum durchgemacht und sie konnte ihm diese Last nicht nehmen. "I'm sorry for what happened to your girlfriend." Nun war es an ihr ihn besorgt anzusehen. Sie hatte nichtmal gewusst, dass eine Frau in seinem Leben war. Dafür schämte sie sich, denn sie befürchtete einfach nicht genug Zeit für ihn aufgebracht zu haben. "I can't imagine how you must feel.. and I'm sorry for what I did.. but I'm always here for you, you know that, right?"
Cage Hall
Cage war normalerweise kein Mensch, der großartig irgendwelche Gefühle zum Ausdruck bringen musste, um sich besser zu fühlen. Seine Familie und Freunde wussten auch so, dass er sie liebte, ohne dass er es immer zu zeigen musste. Nun, da aber auch er endlich wusste, dass seine Familie in Sicherheit war, konnte er es einfach nicht zurückhalten. Jeder noch so starke Mann hatte in solchen Zeiten wohl auch seine schwachen Momente. Und Cage hatte wirklich lange durchgehalten. Er war keine paar Stunden von einem Auslandseinsatz zurück gewesen, als er bereits in seine Heimatstadt musste. Aber nicht um sich wohl verdienten Urlaub zu nehmen, sondern um die Leute hier in Sicherheit zu bringen und Ordnung zu schaffen.
Jetzt, da sein Vater aber aus dem Wagen stieg, war er kurzzeitig all seine sonst so schroffen Züge über Bord und erwiderte die Umarmung herzlich. "I had no chance to contact you. I'm sorry" entschuldigte er sich gleich, da er sich ja auch selbst nicht gemeldet hatte. Dafür war aber schlichtweg keine Zeit gewesen. Das Wohl vieler war wichtiger als das eines einzelnen. Das war schon immer sein Motto gewesen und daran hielt er sich, selbst wenn dieser einzelne, er selbst gewesen war.
Gerade erst von Malcom gelöst, fand sich gleich auch schon Samantha in seinen Armen wieder. Da diese ihn so stürmisch begrüßte, schlang er einen Arm um ihre Mitte und hob sie so etwas hoch, während die andere Hand zwischen ihren Schulterblättern verharrte. Er wusste, dass sein Vater ganz wunderbar zurecht kommen würde. Für viele war er ein einfacher Tierarzt, aber Cage wusste, dass hinter Malcom schon immer mehr als das steckte. Seine Schwester war die, die ihm am meisten Sorgen bereitete. Ihre Wohnung lag in mitten des Brennpunktes, da sich der Virus in der Mitte der Stadt am schnellsten verbreitet hatte. Sie jetzt in seinen Armen zu halten, beruhigte ihn ungemein. Erst als er sie wieder absetzte konnt man die deutliche Erleichterung in seinem Gesicht sehen.
Clara wollte bei allen dem nicht stören und war nur aus Höflichkeitsgründen aus dem Wagen gestiegen. Die anderen Soldaten hatten sie nämlich gut im Auge gehabt und sie befürchtete fast, sie konnten glauben sie würde etwas aushecken, wenn sie nicht ebenfalls ausstieg. Erst als sie ihren Namen hörte reagierte sie überhaupt auf die Situation und hob zur Begrüßung etwas unsicher die Hand, als Cage zu ihr rüber sah. "Ahh yeah, the british girl" grinste er und sah zurück zu seinem Vater. "Had a soft spot, huh?" scherzte er, was die Soldaten um sie herum zum Schmunzeln brachte. Dabei war es eigentlich genau die Art seines Vaters, wenn Cage mal ehrlich war. Er war schon immer ein guter Mensch gewesen und wenn Clara wirklich hilfe gebraucht hatte, war es wirklich kein Wunder, dass seine Familie ihr geholfen hatte.
"First we bring in that car of yours. The more vehicles we have the better. Then I see where you can hit for the night. We'll discuss everything else tomorrow, when you've got some rest" erklärte er und wandte sich dann zu einem der Soldaten an seiner Seite.
"Bring the car in. No one touches any of the stuff inside unless I say so."
"Yes, sir!" sagte der Mann, ließ sich von Malcom die Schlüssel geben und fuhr den Wagen langsam in die sichere Zone. "Saftey measures" erklärte Cage seinem Vater, bevor dieser irgendwelche Fragen stellen konnte.
"And now: Welcome to the quarantine zone The Last Hope" hieß er schließlich die drei mit ausgestreckten Armen willkommen, wobei er rückwärts gehend dem Wagen in die Zone folgte.

Das Mike nicht genau wusste, was passiert war, ließ Healey besorgt zurück zu ihrem Bruder sehen. Denn das hieß, dass die beiden auch nur von dieser einen Verletzung wussten und sie notdürftig behandeln konnten. Wenn es noch andere Verletzungen gab und Roman nichts sagen würde oder gar konnte, wie sollten sie ihm da best möglich helfen können? Der Gedanke daran, dass es noch viel schlimmer werden konnte, als es bereits war, ließ Healeys Atmung vor Aufregung schneller gehen.
"Don't you die on me, Roman" bat sie ihren Bruder und legte ihre Stirn an seine Wange, um ihm noch etwas näher zu sein. "Don't you dare to die now" wiederholte sie. Denn Roman war zäh. Bislang hatte er noch jedes ach so große Problem überstanden oder ausgesessen. Ihn jetzt so schwach vor sich zu sehen, machte der Blonden einfach Angst. Denn Schwäche war etwas, das ihr Bruder verabscheute wie kaum etwas anderes. Freiwillig zulassen, dass Mike sie sehen konnte, würde er normalerweise nie, wenn es irgendwie zu verhindern ginge. Das er es jetzt aber tat zeigte nur, wie ernst die Situation um ihn stand.
Erst als Mike ein neues Thema ansprach, konnte sie erneut den Blick von Roman abwenden. Von ihm ging ihr Blick wieder zu Roman und sie schien zu überlegen, ob sie den Plan nun gut fand und gleich zustimmen sollte oder ob sie eine andere Lösung finden mussten, weil sie Roman so nicht transportieren konnten. Ihre Entscheidung viel auf ersteres. Und so stand sie auf, küsste ihren Bruder noch einmal auf die Stirn und nickte schließlich Mike zu. "Just let me pack some things. I'll hurry" versprach sie. Denn ganz ohne alles konnten sie nicht abreisen. Sie brauchten zumindest etwas Wasser und irgendwas, dass sie als eine Art Verband nehmen konnten, sollte das Blut den jetzigen Druckverband wieder durchweichen. Glücklicherweise hatte sie alles wichtige ja schon im Wohnzimmer verteilt. Im schnellen Schritt, der immer wieder zwischen gehen und laufen abwechselte, verschwand sie schließlich im Schlafzimmer. Dort griff sie gefühlt wahllos erst in Mikes und schließlich in ihren eigenen Schrank um ein paar Klamotten in einen Rucksack zu stopfen. Mit diesem und einer weiteren leeren Tasche kam sie zurück zu den beiden Männern. Hier schob sie einfach alles in Rucksack und Tasche, was dort irgendwie reinpasste. Sicher war sicher und es hatte sie alles nicht länger als fünf Minuten gekostet. Sofort schlüpfte sie in ihre Boots und ließ sie erneut einfach offen. Die Taschen hatte sie auf dem kleinen Couchtisch abgelegt und kam erst neben Mike wieder zum Stehen. "How do we get him down without causing more bleeding? Shall we carry him?" wollte sie schließlich wissen, da sie keinen Weg sah Roman unbeschadet nach unten zu bringen.

"I wouldn't believe it myself if I hadn't seen it" gestand Jake ebenfalls. Denn wer würde jemals damit rechnen, dass diese ganzen Mensch-stirbt-und-wird-zum-Zombie Filme jemals Realität werden würden? Nur war es jetzt eben so und das Government und jeder andere, der hiervon gewusst hatte, hatte die Menschen einfach in ihr Verderben rennen lassen. Hätten die Leute nicht nur diese gefilterten Nachrichten im Fernseher zu sehen bekommen, vielleicht wären sie alle viel eher in die Zonen gereist, wären vorsichtiger gewesen und hätten nicht versucht andere auszurauben in ihrer Not.
"Don't be sorry for saving your own life, Sarah" lächelte Jake doch sehr traurig zu seiner Schwester herüber. Vorher, als er ganz alleine war, hatte er nur sehr wenig trauern können. Er blendete wohl einfach aus, dass Cassie noch immer oben in seinem Schlafzimmer war. Jetzt, da sie aber entgültig fort war, traf es ihn wie einen Schlag direkt in die Magengrube. Er war unglaublich blass geworden und man sah ihm an wie sehr ihn das alles mitnahm. Aber Sarah musste es ähnlich miserabel gehen. Immerhin war sie bis gerade im Glauben gewesen einen lebenden Menschen mit einem Brieföffner erstochen zu haben.
"It's just .. she was a good person, you know? Like really good .. " seufzte er. "I was so sure I'd marry her someday. Of course after I introduced her to you" schmunzelte Jake jetzt jedoch über den Gedanken daran, wie er sich seine Hochzeit mit Cassie vorgestellt hatte. Normalerweise machten sowas ja immer die Frauen, aber bei ihr hatte selbst Jake das Gefühl das sie die Richtige gewesen war. "She was great with old people and kids loved her" wurde seine Stimme jetzt jedoch brüchiger. Nervös kaute er etwas auf seiner Unterlippe herum und nickte, als sei er sich ganz sicher. "You would've liked her so much" schluchzte Jake schließlich und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen, bevor er tief Luft holte. "Sorry. I didn't really had much time to think about all of this yet. But I'll be okay so don't you start to worry about me." Mit diesen Worten lächelte der Dunkelhaarige wieder zu seiner Schwester herüber und nahm ihre Hand, bevor sein Blick zurück auf die Straße ging. "We both will be okay."
Malcolm Hall
Es bedurfte keiner Entschuldigung von Cage. Sie wussten um die Probleme der Kommunikation die, die Veränderung und die Krankheit mit sich gebracht hatte. Alles was nun zählte war, dass sie alle wieder beieinander waren. In Zeiten wie diesen war es das schlimmste, nicht bei seiner Familie zu sein. Selbst Malcolm, der sich seinen Kindern zuliebe nie etwas anmerken lassen, war nun sichtlich erleichtert. Er wusste ja, das Cage sicherlich gegen vieles bestes gewappnet war, aber da er seine Kinder quasi alleine großgezogen hatte, kam er einfach nicht aus seiner Haut und sorgte sich immer. "In times like these it's important to help one another. We won't get through it any other way.", schmunzelte der Tierarzt als Cage ihn wegen seines weichen Kerns ein wenig neckte. Es war eine Selbstverständlichkeit sich unter die Arme zugreifen. Zumindest war es das für ihn und er hoffte, dass auch andere Menschen dies bald verstehen würden. In den Nachrichten hätte man schon genug schreckliche Taten gesehen. Kurz sah er zu Clara um sicher zu gehen, dass sie sich nicht wieder wie eine Belastung fühlte, sowie sie es zuvor getan hatte. Für die Halls konnte die Quarantänezone wie ein zweites Zuhause werden. Immerhin war die ganze Familie hier. Clara dagegen kannte auch hier niemanden außer sie und sie sollte wissen, dass wohl keiner aus dieser Familie sie im Stich lassen würde.
Auch Samantha hatte durch die Ankunft wieder mehr Zuversicht geschöpft, müde war sie allerdings trotzdem. Auf der Fahrt hatte sie kaum ein Auge zu bekommen. Genauso wenig wie die Nächte davor. Um das Angebot erstmal zu schlafen, war sie also mehr als froh. So fertig wie sie war, wäre sie ihrem Bruder gar keine Hilfe. Allein der Blick ihres Vaters veriet, dass er es anders sah. Wie üblich war er voller Tatendrang, schwieg jedoch. Erstmal wollte er Samantha und Clara in der sicheren Zone wissen. Womöglich würde es noch eine Weile dauern bis sie durchgecheckt waren und wirklich schlafen konnten.
"Charming name.", kommentierte die Blonde seinen kleinen Willkommensgang. Er war eher beunruhigt, fand sie. Wenn dies die letzte Hoffnhng war, was folgte danach? Überhaupt so einen doch hoffnungslosen Namen zu wählen, hielt sie für keine gute Idee. "Was it your idea?", fragte sie ihn während sie ihm gemeinsam mit dem anderen folgte.

Während Healey begann im Haus umherzuwuseln um Sachen zu packen, blieb Mike bei Roman um dafür zu sorgen, dass er die Augen offen behielt. Er hatte große Sorge etwas falsch gemacht zu haben. Ganz klar war das hier überhaupt nicht sein Gebiet. Darum hatte er auch die Kugel dort gelassen wo sie war und sich nicht gewagt mit Nadel und Faden die Wunde zu schließen. Damit hätten sie nur eine Infektion riskiert, die sie in diesen Zeiten noch weniger brauchen würden als eh schon. Das einzige was ihnen wirklich noch blieb war wohl beten. Beten, dass er solange überleben würde bis sie in einer Quarantänezone angekommen waren. Dort hatten sie Ärzte, die ihnen hoffentlich helfen konnten. In diesen wenigen Minuten war dies alles, woran er denken konnte. Healey würde ihres Lebens nicht mehr froh werden, wenn sie ihren Bruder verlor. Schon viel früher hätte er fahren sollen um ihn zu suchen.
"I don't know.", antwortete Mike seiner Freundin ehrlich. Keine Worte, die man von ihm besonders oft hörte und doch war es so. Dieses Mal wusste er nicht weiter. Er war einfach kein Arzt. "Maybe I can take him on my back.", überlegte er laut. "I.. I can.. walk..", gab es leicht ächzend von Roman. Eine Hand legte er an die Sofalehne und zog sich an dieser nach oben. Dadurch das der Blutverlust fürs erste gestoppt war und er dadurch nicht noch schwächer wurde, schien er ein kleines bisschen Energie zurück zu gewinnen. Schmerzen hatte er aber noch immer, das war deutlich in seinem Gesicht zu sehen. Doch war er, in manchen Dingen, eine Kämpfernatur. Solange Schmerzen ihn nicht komplett in die Knie zwangen, war seine Toleranz diesen gegenüber enorm hoch. "What? No. You're too weak, Roman.", warnte Mike ihn, doch schlug dieser seine Hände weg. Vorsichtig hob er sich auf die Beine. Leider aber überschätzte er sich selbst und musste sich an Mikes Schulter abstützen um das Gleichgewicht zu halten. Sein Blick sprach Bände. Entweder er würde hier raus laufen oder bleiben. "Fine. Then let's hurry.", stimmte der Anwalt widerwillig zu, würde ihn aber weiterhin stützen damit er nicht umkippte.

Es brach Sarah das Herz ihren Bruder so zu sehen. Jake war einer der gutmütigsten Menschen, die sie kannte. Am allerwenigstens hatte er es verdient, einen geliebten Menschen zu verlieren. Besorgt sah sie ihn an während er sich alles von der Seele sprach. Schon lange war es her, dass er von einer Frau in seinem Leben erzählte. Das es jetzt so ausging, war nicht fair. "If you liked her she must've been a special person.", stimmte die Dunkelhaarige sanft zu. Zu gerne hätte sie Cassie kennen gelernt. Richtig kennen gelernt und nicht wie ein torkelndes Monster, dass sie töten wollte. Obwohl sie aus ihrem Schock wieder erwacht war, würden die Bilder sie noch eine ganze Weile verfolgen. Für den Moment versuchte sie alles auszublenden, denn Jake brauchte sie jetzt. Das war wichtiger als ihre Albträume. Mit der Zeit würden sie vergehen, daran musste sie einfach glauben. Wenn all dies vorbei war, würde sie lernen damit zu leben.
"Of course I worry about you. But that's okay. I'm your sister.", lächelte sie leicht. Selbst wenn es ihm gut ging, würde sie etwas finden worum sie sich bei ihm sorgen konnte. So war sie nunmal. Ob sie tatsächlich wieder in Ordnung kommen würden, vermochte sie nicht zu sagen. Eines Tages vielleicht. Gerade war sie einfach nur froh, dass sie zueinander hielten. "Just talk, Jake. I'm here to listen. And I can drive if you want. You need your time to grieve." Das er es noch nicht getan hatte, machte ihr die meisten Gedanken, denn sie konnte sehen, wie es ihn innerlich zerriss. Sie führte seine Hand, die ihre hielt, zu ihrem Mund und hauchte ihm einen leichten Kuss auf diese. Sie kam nicht darum herum, sich nicht Vorwürfe zu machen. Cassie war schon tot, ja, aber doch war es die Durchbohrung ihres Auges, dass sie entgültig ihres Lebens beraubt hatte. Zuvor ging es Jake besser. Genauso wie ihr. Sie hatte gesehen, dass es nicht mehr wirklich ein Mensch war, aber den Gedanken bekam sie trotzdem nicht mehr wirklich aus dem Kopf. Nie hatte sie gegen irgendwen Gewalt angewendet und jetzt nahm sie gleich das Leben von jemandem. Oder etwas. "The will know what to do in the quarantine zone, right?", fragte sie und wandte ihren Blick nach draußen. Vor wenigen Minuten war sie sich dessen noch ganz sicher gewesen. Jetzt brauchte sie aber die Bestätigung ihres Bruders.
Cage Hall
Cage drehte sich schließlich um, damit er vorausgehen konnte. Rückwärts gestaltete sich das doch schwieriger als gedacht. Der Weg führte sie zunächst an zwei großen Zelten zu ihrer Linken und ihrer Rechten. In diesen hingen haufenweise Kleidungsstücke, lagen Koffer ausgebreitet auf Tischen und alles in allem wirkte es wie eine riesige Fundgrube. "Always taking everything serious, huh?" grinste er über die Schulter zu seinem Vater. Es waren solche Antworten, die Cage unendlich vermisst hatte. Die meisten gaben sich Mühe um über seine Witze zu lachen, die oft nicht einmal sehr witzig waren. Aber nicht so sein Vater. Sein Vater widerlegte seine Witze mit einer guten Begründung. Wie es ihn immer genervt hatte, als er noch kleiner war, amüsierte ihn dafür heute umso mehr.
Clara folgte den dreien direkt auf dem Fuße. Malcom hatte sie zuvor ein optimistisches Lächeln geschenkt, bevorzugte es aber noch immer, sich nicht in Cages kleine Vorstellung einzumischen. Ihm schien das hier alles unglaublich wichtig zu sein und deshalb hörte sie lieber zu, damit sie alles wichtige erfuhr. "Yeah, I know" antwortete der Soldat schließlich auf den Kommentar seiner Schwester. "People started to call it like this after the zones started to break down" fing er an zu erklären. "We started with five zones, not more than 70 miles between each of them. The virus started to spread inside when they weren't careful enough. Now we're the only one left in more than 300 miles in each direction" erklärte er zuende und kam schließlich zum Stehen. "But we're handling it all pretty well, so don't you start to worry now, pumpkin" grinste Cage nun seine Schwester an. "Those are the clothing stations" fuhr er einfach fort und deutete auf die beiden Zelte. "If you need anything, especially for the winter, you can get your stuff here. Most hadn't have the time to bring anything with them so we came up with this." Danach führte Cage die drei weiter durch die Straßen.
"This is the base" sagte er und deutete auf ein Haus, in dessen Vorgarten ein Truck stand in welchem ein Soldat saß, welcher dort wohl Wache halten sollte. "Over there you have medical station and behind that we store the supplies." Wieder kam er zum Stehen und drehte sich zu den dreien um. "I know this is quite much for you guys."
"I think we can follow" versuchte Clara optimistisch zu klingen. Es war nicht viel, aber Cage nickte der Britin dankend zu. Immerhin versuchten sie wohl alle nur das Beste aus der Situation zu machen. "Also, there are rules. I trust you, you know that. But we need rules to not break into chaos. So first of all you must be checked in the medical station. Scratches will be analyzed, if you have a fever you will be isolated. I can't make any exceptions" fuhr er fort und wirkte dabei, als täte es ihm leid, falls einer von ihnen tatsächlich Fieber haben sollte und er nichts dagegen tun können würde, als mit anzusehen, wie sie isoliert wurden. Aber sie konnten einfach keine Gefahr eingehen. Nicht jetzt, nicht wenn so viele Menschenleben auf dem Spiel standen. "If you need any other medical treatment" sagte er und sah zu Clara, da er wusste, dass seine Familie eigentlich gesund gewesen war, er von der jungen Brünetten aber keinerlei Ahnung hatte. "Talk to the doctors. They'll see what they can do for you."
"Oh no, no. I'm fine, really."
"Good. After that you'll be brought to one of the main tents. You have to stay there for the night because we almost hit the curfew. A lot of people will be there but they'll make sure you'll get beds next to each other. I have to sort some things out, that's why it won't be me. But tomorrow I'll explain everything else. Oh and one thing. There's a muster every morning -"
"A muster?"
"Eh yeah, a meeting where you get news and get to know about plans for the day. It's like the daily news on TV or a newspaper but that I will be your source of information yelling it to the crowd. It's nothing you must attend to but it helps most of the people here. They need those kinds of dailys routines."

Am liebsten hätte Healey ihrem Freund wohl gesagt, dass er in letzter Zeit ganz schön häufig keine Ahnung hatte, wusste sie aber auch, dass einfach die Sorge um Roman aus ihr sprechen würde und die Wut gegen die, die ihrem Bruder das angetan hatten. Mike hatte genau so noch nie eine solche Situation durchleben müssen, wie sie es hatten tun müssen. Es war wohl nur menschlich, wenn er auch mal nicht weiter wusste. Und deshalb riss sie sich zusammen und sagte nichts. Am Ende würde sie es nur bereuen und es würde Streit geben. Nichts von dem wollte sie. Erst aber als Roman sich selbst zu Wort meldete, schulgen ihre Gedanken sofort um.
Die Blonde kannte diesen Blick bei ihrem Bruder, hatte sie ihn doch schon so oft gesehen. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es nur sehr schwer bis beinahe unmöglich ihn irgendwie wieder umzustimmen. Als er jedoch das Gleichgewicht verlor, trat auch Healey einen Schritt näher heran um Roman beim Oberarm zu fassen und ihm so etwas mehr Halt geben zu können. "Wait, let me help" sagte sie und half Mike dabei Roman richtig zu packen, damit sie schnell nach unten kamen. Sie selbst war wohl keine so große Hilfe, war sie doch kleiner als die beiden und würde ihren Bruder wohl kaum tragen können, so zierlich wie sie war. Dafür nahm sie aber die Taschen und öffnete den beiden die Türen auf den weg nach unten. Sie trennte nur noch eine Etage von Mikes Wagen, als Healey plötzlich von der Seite gepackt und gegen die nächste Wand gedrückt wurde. Es war einer ihrer Nachbarn, doch wirkte er überhaupt nicht mehr wie dieser. Er schnappte nach dem Gesicht der jungen Frau und sie hatte Mühe ihn von diesem fern zu halten. "Get off me" brüllte sie ihn an, da sie überhaupt keine Ahnung hatte, was in ihn gefahren war. Mit etwas Mühe schaffte sie es schließlich unter ihm hinweg zu tauchen und sah Mike und Roman mit einem entsetzten Blick an, so als hoffte sie die beiden könnten erklären, was hier gerade passierte. Doch war sie unachtsam und ihr Nachbar stürzte sich erneut auf die Blondine. Dabei stolperte sie rückwärts und verlor das Gleichgewicht, was dafür sorgte, dass die zwei die Stufen herunter stürzten. Healey zog sich einige Schürfwunden zu und blaue Flecken würde es mit Sicherheit auch ordentlich viele geben, dennoch schien nichts weiter Schlimmes passiert zu sein, als sie sich an die Wand zog, um sich dort aufzusetzen. Ganz anders sah es da um den Mann aus. Dessen Genick schien gebrochen, da es eine ungesunde Form angenommen hatte und selbst jemand der keine Ahnung von Medizin hatte, konnte sehen, dass man so etwas nicht überleben konnte. Schockiert hielt sich Healey eine Hand vor den Mund. Das hatte sie sicher nicht gewollt, aber dafür etwas gekonnt hatte sie überhaupt nichts. Doch was dann passierte, ließ ihr Blut in den Adern gefrieren.
Ihr Nachbar, von dem sie eben noch gedacht hatte, dass er den Sturz nicht überlebt hatte, stand einfach wieder auf, so als sei nie etwas gewesen. Der Kopf war vollkommen verdreht und ein Bein schien gebrochen, aber es störte ihn einfach überhaupt nicht. "What the fuck?" entwich es der Blonden deshalb nur ungläubig und erst als der Mann wieder auf sie losgehen wollte, übernahmen ihre Instinkte die Kontrolle und schubsten ihn mit voller Kraft die Kellerstufen herunter, damit Roman und Mike den Weg frei hatten und sie nicht länger von diesem Ding angegriffen wurde. Wieder hatte sie Knochen brechen hören, doch tot war der Mann noch immer nicht. "Mike" rief sie nach oben, während sie beobachtete wie ihr Nachbar sehr mühselig und langsam die Stufen wieder rauf kletterte. "Mike, hurry" rief sie nun viel panischer und zog sich an der Haustür nach oben, welche sie auch sofort aufriss.

"She really was" stimmte Jake zu. Viel mehr wollte er zu diesem Thema aber auch gar nicht mehr sagen. Seine Freundin war tot. Wie sie dabei gestorben war, versuchte er einfach auszublenden. Der Tod war etwas natürliches, wenn er also einfach versuchte das ganze Blut irgendwie zu ignorieren, so hoffte er, würde es ihm vielleicht leichter fallen einfach damit abzuschließen. Endlich hatte er darüber reden können. Es half schon viel mehr, als Sarah es vielleicht vermutete. Aber es half. Jetzt musste er es nur noch akzeptieren und das würde sicherlich mit der Zeit kommen.
"You're as miserable as I am" grinste er zu Sarah rüber, als sie ihm anbot, dass sie doch fahren könne. Und ihr Trauma war wohl bei weitem größer als das was er gerade durchmachte. Sie versuchte sich stets um ihn zu kümmern, wie gut es ihr eben möglich war. Dabei hatte sie wohl irgendwie aus den Augen verloren, dass Jake bereits selbst erwachsen war und genau so gut auf Sarah aufpassen konnte, wie es anders herum gewesen war. Deshalb würde er auch einen Teufel tun und sie nun fahren lassen. Es war bereits dunkel geworden, da würde er sowie so nicht mehr anhalten, bis sie an der Zone angekommen waren. Es war viel zu gefährlich den Wagen jetzt zu verlassen. Viel mehr auf Grund der Kriminellen, als auf Grund des Virus. Jake hatte noch nicht entschieden, worüber er sich mehr sorgte, wenn sie den Wagen verlassen würden.
"But yeah, they will know" bestätigte er seiner Schwester. "The militia always knows what to do in such situations. And if they don't know yet then they'll find out. We're gonna be safe there, Sarah. We will" sagte er hoffnungsvoll. Denn etwas anderes wollte er auch überhaupt nicht glauben. Sie konnten nicht so weit fahren, dafür das am Ende alles umsonst gewesen war. Das Militär hatte immer einen Plan B, genauso wie das Government. Sie waren sicher bestimmt schon kurz vor einem Durchbruch und bald würden sie ein Heilmittel entwickeln. An das mussten sie jetzt einfach glauben. Es war das, was ihnen Hoffnung gab und das was sie am Leben halten würde. Die Zone stand für Hoffnung und solange diese noch stand, glaubte Jake fest daran, dass sie das alles hier überleben konnten.
Samantha Hall
Aufmerksam lauschten die übrigens Halls der Erklärung von Cage. Samantha wurde immer unwohler, je mehr sie von der Zone sah und je mehr ihr Bruder sagte. Sie hatte hier auf Ruhe und Sicherheit gehofft, aber selbst dieser Ort fühlte sich an wie ein Kriegsgebiet. Genau so sah es auch aus. Provosorisch waren Trucks und Zelte aufgestellt. In diesen konnte sie Betten erspähen, da sie wohl auch als Schlafplatz dienten. Im Winter konnte es nicht so bleiben, schoss es ihr gleich durch den Kopf. Von den zusammengebrochenen Zonen hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts gewusst. Wie auch? Das Fernsehprogramm war nur noch eine Dauerschleife. Neue Informationen hatte man dort seit Tagen nnichtbekommen. Es lag ihr auf der Zunge weiter nachzufragen, was geschehen war, blieb aber fürs erste still und lauschte einfach nur den Regeln.
„It's like a prison here.“, entwich es ihr dann endlich nachdem Cage geendet hatte. Ihre Arme hatte die Blonde vor der Brust verschränkt. Malcolm seufzte leise. Perfekt war es hier wahrlich nicht, doch verstand er die Notwendigkeit dessen, was sein Sohn hier aufgebaut hatte. Ohne Regeln und Routine würde, ganz wie er sagte, Chaos herrschen. Sam musste es nicht mögen, solange sie hier nur sicher war. Er vermutete, dass einfach nur die Angst und die Erschöpfung aus ihr sprach, was er gut verstehen konnte, denn auch ihm steckte jetzt die Müdigkeit in den Knochen. „It's necessary, Sam. In daylight this will all look a lot different.“, versuchte er ihr Mut zuzusprechen. Im Dunklen war alles viel unheimlicher und die Scheinwerfer trugen ihren Teil dazu bei. Auch Menschen waren nur noch wenige unterwegs. Da es eine Ausgangssperre gab, war dies auch nicht verwunderlich. Die Zone war vollkommen ruhig, was nur ein Zeichen dessen war, wie gut alles funktionierte. Wenn es so blieb, schafften sie es vielleicht alles zu überstehen. Sie mussten einfach nur zusammenhalten. Darum richtete er sein Wort jetzt auch an Cage. „We get ourselves checked and find some rest. We'll see you in the morning.“, wollte er sich schon von ihm verabschieden, doch war Sam noch nicht ganz zufriedengestellt. „What is it that you have to sort out?“, fragte sie neugierig nach. Wenn sie hier schon wie jeder andere behandelt wurde, wollte sie wenigstens wissen was vor sich ging. Ihr Vater war genauso neugierig und blieb deshalb still um eine Antwort abzuwarten, falls sie diese bekamen.

Mit einem von Romans Armen um seine Schulter, kam Mike nicht schnell voran. Sogut es ging versuchte Roman sein Gewicht selbst zu tragen, doch gelang dies nur teilweise. Der Schmerz aus seiner Seite zog sich bis in sein Bein. Also war er auf Mikes Hilfe angewiesen so sehr er es auch verabscheute. Bis zur letzten Etage klappte der Weg so auch ganz gut. Healey ging ihnen voran und öffnete jede Tür. Das ging solange gut bis etwas sie einfach ansprang. Danach ging alles furchtbar schnell. Mike war drauf und dran Roman fallen zu lasse um seiner Freundin zur Hilfe zu eilen. Bevor er diesen Gedanken aber auch nur ansatzweise beenden konnte, purzelte der Nachbar die Stufen nach unten. Das Krachen der Knochen jagte ihm einen kalten Schauer über den Rücken. Was sich vor seinen Augen abspielte, war einfach nicht normal. Nur Roman schien die Fassung nicht komplett zu verlieren. Ob dies an seinem Blutverlust oder seiner abgebrühten Art lag, vermochte er nicht zu sagen, war aber auch nebensächlich, denn mit dem bisschen Kraft welche er noch besaß, griff er hinten in seinen Hosenbund und zog eine Pistole hervor.
„Get out!“, rief Mike Healey zu damit diese sich in Sicherheit brachte und aus dem Haus verschwand. „We're right behind you.“ Er schaffte Roman den letzten Absatz nach unten. Jetzt standen die beiden Männer zwischen dem Nachbarn und der Blonden. Mikes einziger Instinkt war es das Haus zu verlassen und es ins sichere Auto zu schaffen. Der Mann, der an seiner Seite hing, hatte da aber ganz andere Pläne. Roman richtete seine Waffe in Richtung des Nachbarn. Fast das ganze Magazin verschoss er. Geschwächt war es nicht einfach zu zielen, da er sich schon unfassbar schwer tat überhaupt den Arm zu heben. Nach einigen Fehlschüssen, die den Mann nur streiften oder anderweitig verletzten, landete eine Kugel in seinem Kopf. Geplant hatte er das ganze gar nicht. Es war nur ein glücklicher Treffer, der dem Mann den Gar ausmachte. „Out. Now.“, herrschte Mike die beiden an und schob die Geschwister jetzt beide aus dem Wohngebäude. Was auch immer da passiert war, er wollte erst darüber nachdenken, wenn sie im Auto waren.
Da es von Anfang an sein Plan gewesen war schnell die Wohnung zu verlassen, hatte er direkt vor dem Haus geparkt. Jetzt war es nur noch mehr von Vorteil. Roman verfrachtete er unter schmerzhaftem Keuchen von diesem auf der Rückbank. Healey ließ er die freie Platzwahl, stieg selbst vorne ein und verriegelte sofort das Auto. „Are you alright?“, fragte er fast atemlos. Die Blonde war schwer gestürzt und er musste sicher gehen, dass sie sich keine Verletzung zugezogen hatte, bevor er losfuhr. „Just drive.“, herrschte Roman ihn an. Hier konnten sie keine Minute länger bleiben. Eine Hand presste er auf seine Verletzung, die zwar nicht blutete aber dafür schmerzte.

Niemals würde Sarah es zugeben, dass sie sich elendig fühlte, wenn es Jake genauso ging. Ihr Wohl hatte sie noch nie über seines gestellt. Auch wenn er alt genug war um auf sich selbst acht zu geben, würde er dennoch immer ihr kleiner Bruder sein. Ob er es nun wollte oder nicht. Den Brieföffner nahm sie wieder aus dem kleinen Fach an der Tür. An diesem festzuhalten war vermutlich keine schlechte Idee. Zumindest bis sie in der sicheren Zone waren. Es war alles, was sich auch nur ansatzweise als Waffe benutzen ließ, sollten sie nochmal in eine Notsituation kommen. Zwar hatte sie zwei Kanister voll mit Benzin im Kofferraum, aber auf eine sichere Ankunft wollte sie sich dennoch nicht einfach so verlassen. Nicht nachdem, was sie gerade gesehen hatte. „Maybe it's not about being safe anymore but about surviving.“, überlegte sie murmelnd. Seufzend rieb sie sich über die Augen. Das trockene Blut klebte fürchterlich in ihrem Gesicht und noch dazu fühlte sie sich als hätte man sie mit einem Truck überrollt. Sie vermutete eine Gehirnerschütterung davon getragen zu haben, doch reichte ihr medizinisches Wissen wahrlich nicht aus, um dies zu beurteilen. „Forget what I said. We're going to be fine. You're right.“, lächelte sie schwach, da sie nicht zu ernst hatte klingen wollen.
Mittlerweile war die Sonne schon längst untergegangen. Das der Highway leer war, war keine Überraschung. Selbst vor dem Virus war hier wenig los. Darum heraschte ein Licht an der Straßenseite auch ihre Aufmerksamkeit. Sarah setzte sich in ihrem Sitz ein wenig auf und lehnte sich nach vorne. Bei dem Licht handelte es sich um Taschenlampe. Jemand stand bei geöffneter Motorhaube gebeugt am Auto und schien nach der Ursache für eine Panne zu suchen. Im Lichtkegel konnte man sehen wie leichter Rauch in die Nachtluft empor stieg. Ob es sich aber um einen Mann oder eine Frau handelte, konnte Sarah von ihrem Blickwinkel aus nicht sagen. Genauso wenig konnte sie die blutverspritzte und zerbrochene Windschutzscheibe in der Dunkelheit ausmachen.
„Shouldn't we stop and help?“, wandte sie das Wort an Jake. Ihr kam der Gedanke, ob es sich nicht auch um eine Falle handeln konnte. Eigentlich hielt sie dies aber für zu unwahrscheinlich und eine Ausgeburt ihrer Fantasie, aufgrund der vielen Filme, die sie gesehen hatte. Noch konnte sie nicht aufhören an das Gute im Menschen zu glauben.
Cage Hall
"Call it what you want, Sam. As long as it works out and the people stay healthy I'm sticking with this" sagte Cage, der durchaus verstand, dass es mehr als nur gewöhnungsbedürftig für jemanden wie seine Schwester war. Immerhin schon hatte er versucht sie aus den Dingen raus zu halten, die er erlebt hatte. Samantha hatte ein gutes Leben, gut geborgen und nahe bei ihrer Familie lebend, hatte sie nie so etwas miterleben müssen. In Zelten schlafen und das auf engstem Raum, das kannte Cage nur zu genüge. Man gewöhnte sich einfach dran, wenn man nicht unter freiem Himmel schlafen wollte. Aber das war auch gar nicht der Plan für seine Familie. Es war nur diese eine Nacht, die sie in einem der Auffangzelte verbringen sollten. Gleich am nächsten Morgen würde er sich darum kümmern, dass die beiden und wenn sie denn so wollten, auch Clara mit ihnen in eines der Häuser einziehen konnten. Er umging dabei vielleicht ein paar seiner eigenen Regeln, aber Familie ging noch immer vor.
"Listen to dad. As soon as daylight hits the people will go back to their work and they'll chat on the balconys and the kids will cheer everything even more up. It ain't that bad when you see it in daylight. Promise" lächelte er nun, da er vielleicht etwas schroff gewesen war. Aber er saß hier seit Tagen fest und musste sich von hunderten von Leuten die Probleme anhören, seine eigenen dabei hinten anstellen und dazu noch eine ganze Quarantänezone planen. Den Stress sah man ihm deutlich an, hatte er aber in diesem Punkt jede Menge von seinem Vater geerbt. Niemals würde er es zugeben und schon gar nicht andere mit hineinziehen. Er kam schon klar und immerhin hatte er jetzt seine Familie bei sich, was schon mal viel wert war.
Auch Clara hatte sich bereits zum Gehen umgewandt, als Sam die Frage an ihren Bruder stellte. Die Brünette vermutete, dass er sie am nächsten Tag sicher von selbst aufgeklärt hätte, auch wenn sie selbst noch ein gefühltes Dutzend Fragen hatte. Jetz da diese eine aber schon mal im Raum stand, entschloss sie sich genau wie die anderen beiden auf eine Antwort des Soldaten zu warten. Dieser schmunzelte aber nur, da Samantha ja beinahe so tat, als sei das hier ein Verhör. "One of my soldiers got sick after a supply hunt. We had to isolate him because like I said, we can't risk the fever to spread. I'm just gonna check on him and make sure everyone else is alright. I feel responsible for this so .. But I'll catch up on you right after breakfast tomorrow. I'm sure your way here was a pain in the ass. Get some rest after the check up" bat er die drei und überbrückte noch einmal den Abstand zu seiner Schwester. Sanft legte er ihr eine Hand in den Nacken und küsste ihre Stirn, bevor er zunächst sie anlächelte und danach zu seinem Vater sah. "I'm glad you guys made it. Everything will be okay now. I promise" sagte er entschlossen und verabschiedete sich mit diesen Worten von der kleinen Gruppe.
"He seems to be under a lot of stress" nannte Clara das Offensichtliche, als sie dem Soldaten nachsah und sich erst dann den anderen beiden zuwandte.

Healey dachte ja überhaupt gar nicht daran die beiden im Stich zu lassen. Dennoch war sie schon mit einem Bein in der Freiheit, wartete aber noch immer im Türrahmen, damit Mike nicht auch noch die Tür öffnen musste, was ihn und Roman nur noch verlangsamen würde. Als die beiden bei ihr angekommen waren, fühlte sie sich automatisch sicherer, was sie dazu verleitete wieder hinein zu gehen und die Tür weiter zu öffnen, damit die anderen ohne Probleme hindurch konnten.
Erst als die ersten Schüsse fielen, schrack Healey aus ihrer Trance auf. Denn nichts anderes war das hier gewesen. Sie hatte nur noch aus Instinkt gehandelt, nicht weil sie dies ihrem Körper ernsthaft befohlen hatte. "Oh god" entwich es ihr erschrocken. Sie wusste, dass Roman wohl nicht gerade ein Vorzeigeschwiegersohn gewesen war, dennoch war es etwas anderes so etwas mal selbst mitzuerleben. Nur schockierter als von der Tatsache, dass ihr Bruder gerade jemanden oder etwas umgebracht hatte, war sie davon, dass der Mann so viel hatte einstecken können bevor ein glatter Durchschuss durch den Kopf ihn erst gestoppt hatte. Das konnte einfach nicht normal gewesen sein. Er hatte nicht einmal irgendwelche Anzeichen davon gemacht, dass es ihn schmerzte oder gar etwas ausmachte. So unter Schock, war es für Mike wohl ein einfaches die Blonde einfach mit nach draußen zu drängen.
Draußen angekommen, weckte die frische Luft sie erneut aus ihrer Starre. Sofort eilte sie mit zum Wagen, stieg erst einmal aber vorne ein, damit sie los konnten. Unter einem schmerzverzerrtem Gesicht schob sie sich die Riemen des Rucksacks von ihren Schultern. "Uhu" machte sie zustimmend. "Probably nothing bad" versuchte sie Mike zu beruhigen. Es würde einen riesigen Blauenfleck geben, das war sicher. Aber Schlimmeres als das und die Schürfwunden hatte Healey Gott sei Dank nicht abbekommen. Was gut an dem Rucksack hatte liegen können, der ihren Sturz zumindest ein wenig gepolstert hatte.
Die beiden Taschen verstaute sie jetzt erstmal im Fußraum und sezte sich seitwärts auf den Sitz, um die beiden Männer ansehen zu können. Aus Reflex griff sie dabei nach Mikes Hand, welche an der Gangschaltung lag. Was sie zu dem sagen sollte, was dort gerade in dem Hausflur passiert war, wusste sie nicht. Es gab einfach nichts was das Verhalten des Nachbarn erklären würde. Roman hatte nur zu ihrem Schutz gehandelt und dafür war sie ihm unendlich dankbar, auch wenn der Schock über den Anblick des Toten sich noch immer in ihr Hirn brannte. "If this is .. what the virus does to people .. " sagte sie schließlich doch etwas. "You can never get sick. None of you." Healey wusste, dass es wohl kaum in ihrer Macht stand den Körpern der beiden Männer irgendetwas zu verbieten, dennoch musste sie es einfach loswerden. Sie lehnte sich nach vorne und presste Mike ihre Lippen auf die Wange und verharrte für einen Moment so, nur um ganz sicher zu gehen, dass er hier war, bevor sie sich von ihm löste und nach hinten auf die Rückbank kletterte. Dabei zog sie unter Schmerzen die Luft scharf ein, da ein gebeugter Rücken wohl nicht die angenehmste Haltung für ihren Rücken war. Gott sei Danke war sie zierlich genug, damit dies aber nicht weiter als Problem galt.
Dort half sie Roman sich etwas auf zu setzen, damit sie sich hinter ihn setzen und jetzt als seine Lehne herhalten konnte. Falls Romans Zustand, nachdem sich das Adrenalin abbaute, nämlich verschlechterte, war sie so wenigstens gleich bei ihm. Sanft strich sie ihm die Haare etwas zurück und küsste ihn auf die Stirn, bevor sie sich etwas mehr zusammenkauerte, so dass sie weniger von einer Lehne hatte, als dass sie nicht auch selbst die Nähe ihres großen Bruders brauchte.

"We will" wiederholte Jake noch einmal und überzeugter, da Sarah selbst wohl nicht wirklich daran zu glauben schien. Auch wenn er ihre Worte vergessen sollte, hatte sie diese doch ausgesprochen und sie kamen nicht von irgendwo her. Dennoch war Jake sich sicher, dass sie es schaffen würden und es wieder alles gut werden würde. Es musste einfach so sein. Ein Virus konnte doch nicht dafür zuständig sein, dass die komplette Menschheit deshalb aussterben würde. Das konnte und wollte er sich einfach nicht vorstellen. Nicht einmal nachdem was seiner Freundin zugestoßen war. "Maybe we should listen to some radio" schlug er vor, um auf andere Gedanken zu kommen. Doch war es leichter gesagt als getan noch einen Sender zu finden, der überhaupt sendete. Auf den meisten Kanälen hörte man einfach nur ein unangenehmes rauschen. "Come on" murmelte Jake zu der kleinen Box, auf welcher er verschiedene Knöpfe betätigte, damit er irgendeine Art Empfang bekam. Plötzlich ertönten ein paar Worte, was Jake sofort versuchen ließ, den Sender deutlicher zu stellen. "Gottcha" schmunzelte er triumphierend, doch es kam nicht wie gewünscht ein wenig Musik aus den Boxen. "Quarantine Zone Delta also known as The Last Hope is a military zone build by the Government and the only still existing quarantine zone in more than 300 miles" begann eine Art Funkspruchschleife. "We have food, water, medicine and shelter for everyone who is in need of help. Bring your family and we WILL help you!" fuhr eine authoritäre Stimme fort, welche wahrscheinlich zu einem der Soldaten vor Ort gehörte. "Infections are to be disclosed immediately before entering the zone! No exceptions can be made." Danach folgten noch Koordianten, wo man besagte Zone finden konnte, bevor sich die Nachricht wiederholte. Wahrscheinlich wurde sie von einem Band abgespielt, damit man es in Dauerschleife senden konnte. Jake schaltete das Radio aber wieder aus und schwieg. Die einzige sichere Zone in mehr als 300 Meilen. All das wurde immer unbehaglicher, mit jeder neuen Situation, die dazu kam. Sarah wusste wohl genau so gut wie er, dass die Zone wohl ihre einzige Möglichkeit waren. Doch dies konnte er gar nicht mehr erwähnen, als auch ihm der Wagen ins Auge fiel. Ein wenig weiter fuhr er noch, bevor er endlich zum Stehen kam. Denn auch er hatte tatsächlich mit einer Falle gerechnet. "I'll check on them" sagte er, ließ den Motor aber laufen. "Stay here and let the engine going. I'm back in no time" beschloss er einfach, auch wenn Sarah die Ältere war. Aber sie stand bis eben noch unter einem Schock, da war es für ihn ganz klar, dass er sie da jetzt nicht rausgehen lassen würde, egal ob er nun der Jüngere war oder nicht.
Samantha Hall
Samantha wollte gar nicht wie das verwöhnte Mädchen wirken, wusste aber, dass sie es tat. Alles hier war neu und gab ihr ein ungutes Gefühl. Aus dieser Haut kam sie einfach nicht raus, auch wenn sie versuchte ihrer Familie keine Last zu sein. Schon jetzt sehnte sie sich nach ihrem Zuhause. Für die anderen beiden, musste sie sich jetzt aber zusammenreißen und stark sein. Keineswegs wollte sie Cage kritisieren in dem was er tat, denn was er hier aufgebaut hatte, war beeindruckend. Nach seiner Erklärung war er so schnell verschwunden, dass sie beschloss es ihm am nächsten Tag zu sagen. Heute war sie einfach zu müde um noch einen klaren, rationalen Gedanken zu haben. Sie hoffte, dass er dann ein bisschen mehr Zeit für seine Familie fand um all die Fragen zu beantworten, die ihnen im Kopf herumschwebten.
„He can handle it.“, lächelte Malcolm zuversichtlich, was nicht daran lag, dass Cage ihm gleichgültig war. Er hatte lediglich Vertrauen in seinen Sohn und in das, was er tat. Dennoch fasste er den gleichen Entschluss wie auch Sam. Er mochte zwar kein Soldat sein, doch war er jemand, der auf jeden Fall mit anpacken konnte und würde dies auch freiwillig tun. Ganz egal was man ihm auftragen würde. Nur rumsitzen lag ihm nicht im Blut. „Let's get ourselves checked out and find a place to sleep. Come on.“, sagte er zu den beiden Frauen und ging mit ihnen zu der medizinischen Station.
Dort schien es immer sehr voll zu sein. Ständig kamen neue Menschen, die sich aufgrund Angst vor dem Virus erneut untersuchen lassen wollten oder gerade angekommen waren und auf die Untersuchung warteten. Auch die Halls und Clara mussten warten bis sie an der Reihe waren. Ohne Cage gab es für sie keine extra Behandlung und so dauerte es fast noch zwei Stunden bis sie das Prozedere endlich durchgestanden hatte. Sam war im Wartezimmer schon an seiner Schulter eingeschlafen. Dementsprechend müde war sie als sie die Station endlich verlassen konnten und zu den Auffangzelten geführt wurden. Wie versprochen bekamen sie drei Betten nebeneinander. Wenigstens ein kleiner Trost.
Obwohl die Ausgangssperre schon seit einiger Zeit im Gange war, gab es immernoch Menschen die wach waren und Karten spielten oder sich leise unterhalten. Mit einem erschöpften Seufzten ließ Sam sich auf dem ersten freien Bett fertig. Sie war müde, bezweifelte aber das sie hier Schlaf finden würde. Malcolm begann sich etwas Sorgen um sie zu machen. Nachdenklich oder kraftlos zu sein, passte sonst gar nicht zu Samantha. Die Blonde war immer voller Lebensfreude und Energie. Tröstend legte er ihr eine Hand auf die Schulter. „Sleep, Sam.“, bat er sie. Tapfer lächelte sie zu ihm auf. „I'll be fine, dad.“ Ihm auch noch Sorge zu bereiten, war das letzte was sie wollte, aber sie war auch nicht zum Reden aufgelegt, was ihr Vater Gott sei Dank verstand und stattdessen das nächste Bett bezog.
Die ganze Zeit über war Clara an ihrer Seite, doch war auch sie ausgesprochen schweigsam. „Everything okay with you?“, fragte Malcolm deshalb nach. Sie hatten die junge Frau mit hergebracht also hatte er auch ein gewisses Gefühl der Verantwortung ihr gegenüber.

Mike löste die Handbremse und lenkte den Wagen auf die Straße. Am liebsten würde er sich selbst ansehen ob mit Healey alles in Ordnung war, doch musste er jetzt einfach auf ihr Wort vertrauen. Der Sturz hatte furchtbar ausgesehen und ihm tat es leid, dass er nur hatte dastehen können. Übel nahm sie es ihm wohl nicht, aber er selbst nahm es sich sehr wohl übel. Darum schwieg er jetzt auch im ersten Moment. Er war sich ganz sicher, dass dies eine Situation war, die er nicht vergessen würde. Noch nie zuvor war er vor Angst so gelähmt gewesen. Die anderen wollte er jetzt nur in Sicherheit bringen. Ihre Resourcen waren begrenzt und er betete, dass sein Benzin reichen würde um sie bis zur Quarantinezone zu bringen.
„Maybe it wasn't what the virus does to people. Maybe it was just drugs.“, wagte er den schwachen Versuch sich und den anderen einzureden, dass dies nicht ihre Zukunft sein würde. Nur im Rückspiegel konnte er hin und wieder zu Healey und Roman auf der Rückbank sehen. Die meiste Zeit aber hatte er seinen Blick auf die Straße gerichtet. Sie war immernoch vollkommen leer, aber jetzt war er wachsamer, denn je. Drogen hielt er tatsächlich für nicht sehr unwahrscheinlich. Es tat den Menschen die verrücktesten Dinge an. Dieser Gedanke war ihm lieber als der, dass der Virus Monster aus ihnen machte.
„It wasn't..“, kam es von Roman. Einen Arm hatte dieser um seine Schwester gelegt. Warum er sich sicher war, dass Drogen hier nicht im Spiel gewesen waren, konnte er nicht sagen. Es war auch seine erste Begegnung mit einem Infizierten gewesen. Sein Gefühl sagte ihm, dass es definitiv an der Krankheit gelegen hatte und nicht an irgendwelchen Substanzen gelegen hatte. Sein komplettes Magazin hatte er verschossen und hielt nur noch eine leere Pistole in der Hand. An loslassen dachte er aber trotzdem nicht, denn sie konnte immernoch als wertvolle Waffe dienen.
Seine Kraft kehrte ein wenig zurück, sodass er wenigstens sprechen konnte. Schmerzen zu unterdrücken fiel ihm nicht sehr schwer. „We shouldn't go to the quarantine..“, merkte er an. „What, why?“, fragte Mike sofort, für den dies die einzig richtige Entscheidung war. „Too many people.. the virus will spread eventually.“ Für ihn war es nur eine Frage der Zeit bis es soweit war. Sich zu verteilen bis der Virus vorüber war, hielt er für die bessere Idee als viele Menschen auf engstem Raum zusammen zu pferchen. Aber wer würde schon auf ihn hören?

Ob Sarah den Funkspruch beruhigend oder beängstigend fand, wusste sie nicht. Sie waren immerhin auf dem richtigen Weg. Nur hatte sie ja nicht geahnt, dass diese Zone bereits die letzte war. Mit jeder verstreichenden Sekunde wurde ihr nur mehr bewusst, wie schrecklich alles war. Es fühlte sich an als würde die Welt untergehen, doch wagte sie es nicht diese Worte in den Mund zu nehmen. Sie mussten daran denken, dass es weitergehen würde. Irgendwie. Wenigstens die Stimme im Radio hatte einen beruhigend klang, mochte sie auch noch so authoritär klingen. Da war jemand, der wusste was er tat. Jemand, der ihnen helfen würde. Dies versuchte sie als etwas sehr positives zu sehen, so schwer es ihr auch fiel der situation auch nur irgendetwas Gutes abzugewinnen.
„What the fuck? No!“, kam es von Sarah, die nicht bekannt fürs Fluchen war, sofort als Jake der Meinung war den Wagen alleine verlassen zu können. Die Chancen lagen nah, dass jemand wirklich nur Hilfe brauchte und sie würde sich fürchterlich fühlen, wenn sie eines Tages herausfand, nicht geholfen zu haben. Ihr Bruder ging in diesem Fall aber vor. Sie hatten nur einander und sie hatte nicht vor alleine zu der Zone zu fahren oder sein Leben irgendwie aufs Spiel zu setzen. Schnell schnallte sie sich ab, lehnte sich über ihn und verriegelte den Wagen. Am Aussteigen würde es ihn kaum hindern, denn er konnte die Verriegelung ganz leicht wieder selbst lösen. Es war ein reiner Reflex, dass sie ihn nicht gehen lassen würde. Nicht alleine. „We either go together or not at all. You can't go out there alone. You wouldn't even stop the car to switch seats so why stop now?“, fragte sie ihn ernst. Eine Antwort erwartete sie nicht wirklich. Sie war die Ältere und somit fand sie, sollte er ihrem Wort einfach folgen. Nicht in jedem Fall, aber in diesem schon. Einfach nachts auf der Straße anzuhalten, hatte sie schon immer beunruhigt und tat es jetzt mehr denn je.
Die Person, die an dem verunglückten Wagen stand, schien sie bemerkt zu haben, denn der Schein der Taschenlampe schwenkte um und wurde direkt ins Auto gelenkt. Geblendet von dem Licht kniff Sarah die Augen zusammen und versuchte das Licht mit der Hand abzuschirmen. „You don't know what's out there, Jake. Don't go.“
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