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Malcolm Hall
„It will. I promise.“
Malcolm war vielleicht der Letzte, der irgendein Versprechen diesbezüglich abgeben konnte. Er war genauso unwissend über alles, was hier vor sich ging, wie Clara selbst, doch fühlte er Verantwortung ihr gegenüber. Hätte er sie nicht überredet mitzukommen, wären sie gar nicht in dieser Lage. Auch wenn diese Lage besser war als in dem kleinen Vorort zu sein, wo niemand mehr war. Hier waren wenigstens andere Menschen. Kinder. Zusammenhalt fand er in einer Situation wie dieser äußerst wichtig. Alleine schon aus diesem Grund hatte er es für eine gute Idee gehalten herzukommen. Draußen tobte der Kampf ums Überleben. Jegliche Läden waren geblündert worden und sogar in Häuser wurde mittlerweile eingebrochen. Hier zu sein, konnte also nur Vorteile bringen, so hoffte er. „Sleep now, Clara. It's late and we will have to be up again early enough.“, lächelte er. Wenn er Cages Worte richtig verstanden hatte, war mit Ausschlafen hier nämlich nichts. Sie alle würden noch eine Aufgabe erhalten und das war ihm viel lieber als nutzlos herumzusitzen.
Sam grinste schief. Nur zu gut konnte sie sich vorstellen wie man reagierte, wenn man einfach im Stich gelassen wurde. Obwohl ihre Mutter unwillentlich aus dem Leben gerissen worden war, hatte sie ähnlich empfunden. Hatte getobt wie unfair es war und das sie doch nicht einfach so gehen konnte. Damals war sie zu klein gewesen um in den ersten Monaten zu verstehen, dass ihre Mutter nie freiwillig gegangen wäre. Für sie war es die beste Art um mit der Trauer umgehen zu können. „I bet she deserved all of that.“, stimmte sie scherzend zu, ohne zu wissen was genau vorgefallen war.
„For someone who has a brother who never lets her know anything you did a lot, Eli.“, sagte die Blonde ehrlich. Wer wusste schon um Cage ihr Morgen tatsächlich mehr erzählte? „But now I'm really going to leave you alone. I see you in the morning.“, verabschiedete sie sich mit einem Lächeln bevor sie sich zu ihrem Vater und Clara umdrehte.
Malcolm hatte bemerkt das seine Tochter sich ihnen zugewandt hatte und sah zu dieser „You're alright?“, wollte er von ihr wissen. Vorhin war sie so aufgebracht gewesen, aber jetzt schien sie viel besänftigter auch wenn ihre Augen vor Müdigkeit ganz klein geworden waren. „I will be.“, antwortete sie zuversichtlich. Vieles war noch ungewohnt, aber sie war davon überzeugt, dass sie sich hier schon arrangieren würde, wenn mehr Menschen so nett und aufgeschlossen waren wie ihr Nachbar. Er streckte nochmal kurz die Hand zu ihr aus und drückte ihre kurz. „Good night, Dad.“, lächelte sie sanft bevor sie sich endlich zum Schlafen hinlegte und sich so gut es ging unter der Wolldecke verkroch.

Mehr widerwillig als aus nächstenliebe folgte Troy Liza in den Nebenraum. Neugierig auf den Ausgang der Situation war er allerdings. Mit den Neulingen hatten sie sich wohl wirkliche Wildtiere eingefangen, was die langweilige Routine der Zone endlich unterbrach. Mehr als die Hand an seine Waffe zu legen, tat er aber nicht. Michael konnte er auf seine Art ganz gut leiden und was mit Mike geschah, war ihm herzlich egal. Nur ganz unttätig herumstehen konnte er nicht, behielt also alles wachsam im Auge.
Michael spannte sich unterdessen immer mehr an als Liza den Raum betrat. Ihr zuliebe versuchte er seine Launen immer im Zaun zu halten. Seine Wut darüber, dass sein Junge keine Gerechtigkeit erfuhr, hatte sich vom Täter auf Mike übertragen. Ihn sah er als den Schuldigen an, der den Mörder hatte entkommen lassen. Immer mehr drückte er dem Anwalt die Luft ab, was es für diesen unmöglich war auf das Flehen seiner Freundin einzugehen oder gar zu ihr zu sehen. Nur stumpf vernahm Mike, was sie sagte, konnte aber deutlich ihre Angst hören. Er wollte sie in den Arm nehmen und beruhigen, wagte es aber nicht sich auch nur ein Stück zu bewegen, so lange der kalte Lauf der Waffe sich gegen sein Hemd presste.
„Porter.. I'm sorry.. for what happend with your... child.“, presste Mike raus, dem es schwer fiel bei so wenig Luft zu sprechen. „But that man.. was innocent.“ Was der Beruhigung dienen sollte, machte Michael nur noch wütender. Sein Kiefer war angespannt und seine Gesichtszüge so sehr von Hass und Wut verzogen, dass man kaum glauben mochte, dass er vor dem Tod seines Kindes einen stets herzlichen Ausdruck gehabt hatte. Nur weil seine Frau hinter ihm stand und er ihr den Anblick eines Mordes ersparen wollte, beließ er es dabei Mike so fest mit der geladenen Waffe gegen den Kopf zu schlagen, dass dieser zu Boden ging. „He needs to pay for what he did, Liza. Everyone has to eventually!“, richtete er endlich das Wort an seine Frau. „William deserved to find his peace and he denied him that!“ Obwohl er nicht vor hatte Mike in diesem Moment zu erschießen, hielt er ihm jetzt die Waffe gegen die Stirn als er sich endlich aufgerichtet hatte. Über seiner Augenbraue war die Haut aufgeplatzt. Ein dünner Streifen Blut suchte sich den Weg über sein Gesicht, was aber nichts zu den Kopfschmerzen und den schwarzen Lichter war, die vor seinem Auge tanzten. „This is not going to bring your son back.. you know that.“, versuchte Mike es erneut. „Shut up!“, fuhr Michael ihn aber dafür nur an und drückte den Lauf noch ein Stück mehr gegen seine Stirn, sodass dort später sicherlich ein Abdruck entstehen würde. „Come on, man.. Cage is going to freak out when we have to carry his dead body out of here.“, mischte Troy sich jetzt doch ein, der aber mehr genervt von dem ewigen hin und her war. „This is none of your business, Troy.“

Tess Blick blieb auf Jakes Hand hängen. Er hatte ja Recht. Anders als Troy konnte er keiner Fliege etwas zuleide tun. Einen besseren Mensch als ihn hatte sie nie getroffen. Selbst wenn sie jähzornig und wütend auf Troy war, hatte er es noch immer geschafft sie wieder zu beruhigen. Sie schämte sich dafür zu denken, dass Jake Cassie etwas angetan hätte oder tatenlos zu sah, wenn jemand anderes es tat. Sie wusste es so viel besser als das, aber sie war aufgewühlt und das war noch nie ein Gefühl gewesen, mit dem sie gut hatte umgehen können. Angriff empfand sie als die beste Verteidigung, weswegen sie so oft mit Troy stritt und gerade Jake beschuldigt hatte, anstatt seinen grausamen Worten Glauben zu schenken. Doch war er der einzige Mensch, dem sie momentan vertrauen konnte. Würde sie dies auch noch verlieren, würde sie sich nur noch mehr alleine fühlen als sie es sowieso schon tat.
Die Brünette griff fest nach seiner Hand als befürchtete sie, dass er ihr einfach wieder entgleiten konnte. Dabei beließ sie es aber nicht, sondern überbrückte den letzten Abstand um beide Arme um seine Mitte zu schlingen. Gerade waren seine Arme der Ort, an dem sie sich am sichersten fühlte. Jake würde sie niemals anlügen und seitdem sie ihn kannte, war er immer an ihrer Seite gewesen. Hinterfragt hatte sie das noch nie.
„What are we going to do?“, fragte sie flüsternd. Sie hasste das Gefühl der Angst, dass sich immer mehr in ihr breit brachte und das sie zuvor noch nie so erlebt hatte. Niemanden gegenüber zeigte sie sich gerne so verletzlich wie gerade und hatte es immer vermieden. Troy gegenüber, damit dieser sie nicht für schwach hielt, ihrem Vater gegenüber, damit dieser stolz auf sie war und wusste, dass er sich stets auf sie verlassen konnte und Jake gegenüber, damit niemand erfuhr das ihre Sorge für ihren Freund in manchen Situationen in Zuneigung für ihn umschlug. Heute konnte sie all das aber nicht aufrecht halten. Ein Stück löste sie sich von ihm.
Verwirrt und ängstlich sah sie ihn an, wagte es aber nicht ihn ganz loszulassen. „My dad..“, sprach sie vorsichtig aus, konnte den Satz aber nicht vervollständigen. Was, wenn ihrem Vater das gleiche geschehen war wie Cassie? Wie konnte sie ihn da zurücklassen? Sie hatte ihn ja nichtmal begraben sondern einfach auf der alten Couch liegen lassen.
Healey Smith
Selbst wenn Liza es hätte vermeiden wollen, schaffte sie es dennoch nicht, dass sich Tränen in ihren Augen bildeten und diese so ganz glasig wurden. Nicht etwa, weil sie traurig über das Verhalten ihres Mannes war, sondern viel mehr weil in ihr die gleiche Wut aufkochte wie in Michael. Aber ihre Wut richtete sich hierbei nicht gegen Mike. Ganz am Anfang, als das Urteil getroffen wurde, hasste sie den jungen Anwalt mindestens genau so sehr wie es ihr Ehemann gerade tat. Anders als bei Michael hatte das aber nicht sehr lange angehalten. Sie wusste das Mike als Anwalt ja nur seinen Job gemacht hatte, egal ob das Ergebnis einem gefiel oder nicht. Er selbst hatte ja nicht den Wagen gefahren, der ihrem kleinen Jungen das Leben gekostet hatte. Dennoch war die Wut nun allgegenwärtig. Auf den Mann der betrunken hinter dem Steuer gesessen hatte. Aber es war nicht Mike und deshalb musste Liza verhindern, dass ihr Mann etwas tat das er am Ende bereuen würde.
"Michael" stieß die Dunkelhaarige aus, doch man konnte wohl von Glück sprechen, dass Michael nur nach Mikes Kopf geschlagen hatte, um ihn so zu Boden zu befördern. Dabei war sie dem Geschehen noch etwas näher gekommen. Sie stand nun ungefähr auf einer Höhe mit dem umgekippten Wagen, immer noch weit genug entfernt also um ihren Mann nicht weiter zu provozieren. Sie war zwar Ärztin, aber Michael war ein Polizist. Liza würde wohl lügen wenn sie sagte das sie nicht doch das ein oder andere von ihm gelernt hatte.
Auf der anderen Seite der Trennwand hatte man unterdessen Healey ganz fürchterlich zusammen zucken gesehen, als der Lauf der Waffe den Kopf ihres Freundes getroffen hatte. Mittlerweile weinte sie ganz bitterlich, versuchte sich aber irgendwie zu beherrschen. Vergebens. Sie hatte sich einen Weg zwischen der Liege und einigen herumstehenden Kisten und Wägen gebahnt, damit sie bis ans andere Ende der Scheibe gelangen konnte. So stand sie quasi direkt neben den Männern und doch war es unmöglich für sie einen der beiden zu erreichen. Ihre Hände waren noch immer an das Plastik gepresst, doch ihre Worte waren verstummt. Sie sah flehend zu Michael, wobei dieser sich für sie jedoch nur herzlich wenig zu interessieren schien. Also sah sie zu ihrem Freund, an dessen Stirn sich nun der Lauf der Waffe, welcher sich eben noch in seinen Magen gebohrt hatte, wiederfand. Eine Hand presste Healey sich nun vor die Lippen um sich dazu zu zwingen sich zu beruhigen. Klappen tat dies aber nicht wirklich.
"Honey, Troy is right" versuchte Liza ihren Mann unterdessen weiter davon abzuhalten etwas Dummes zu tun. "And we both know that Mike Ross is not the man who killed our son." Es schien als hätte Michael vollkommen vergessen, dass der Anwalt nicht der Schuldige bei der ganzen Sache gewesen war. Es brach ihr förmlich das Herz ihren Mann so leiden zu sehen. "Please, Michael .. Take the gun down" bat sie ihn ruhig. "I know that you're angry, so am I. But killing him won't change anything for William .. or for us. And taking him away from her -" fuhr Liza fort und deutete nun auf Healey, welche damit rang sich nicht vollkommen an die Angst um Mike zu verlieren. "- will break her! Don't do this, Michael .. You know better than that!"

Jake schloss instinktiv die Arme um die zierliche Tess kaum, dass diese sich in den seinen wiederfand. Schon ein dutzend Mal hatte er sie getröstet, wann auch immer sie in einen Streit mit Troy geraten und dieser eskaliert war. Meistens versuchte er dabei aber diplomatisch zu sein und traf sich deshalb, kaum nachdem er Tess beruhigt hatte, mit seinem Freund auf ein Bier um auch diesen wieder gnädig zu stimmen. Aber dieses Mal war es anders.
Es gab gerade keinen Troy mehr, um den er sich genau so kümmern musste, wie um Tess. Er konnte all seine Zeit und Geduld und seinen Trost nun in sie setzen. So strich er ihr also sanft über den Rücken der jungen Frau und küsste sie sanft auf ihr Haar. Nichts ungewöhnliches für die beiden oder überhaupt für sehr gute Freunde. Aber irgendetwas in ihm sagte Jake, dass er dabei war diese eine Grenze zu überschreiten, welche er stets gemieden hatte. Troy zur Liebe. Denn immerhin war es er, der versuchte hatte die Beziehung seiner beiden Freunde immer wieder aufs Neue zu wahren. Deshalb durfte er diese Grenze nicht überschreiten, auch wenn er mit einem Bein schon so gut wie auf der anderen Seite gewesen war. Und gerade in diesem Moment an so etwas überhaupt zu denken, ließ es Jake übel werden. Normalerweise war er so nicht. Aber dieser Gedanke war in seinem Kopf so tief verankert, dass er ihn nicht mehr los wurde.
Tief seufzte Jake. "We're gonna go to that zone and we find Troy. He will explain to us what is going on and how we survive it" erklärte er leise, doch so entschlossen das er da nicht sehr viel Freiraum für irgendwelche Diskussionen ließ. Wenn es sein musste würde er Troy zu einer ehrlichen Antwort zwingen. Jake war fest davon überzeugt, dass sein Freund mehr wusste, als er Tess gesagt hatte oder als er irgendwem gesagt hatte. Nicht einmal ihn hatte er gewarnt. Troy war es den beiden also schuldig. Egal wie diese Antwort auch lauten mochte, aber sie würde die Wahrheit sein, dafür würde Jake schon sorgen.
Erneut legte Jake der jungen Frau in seinen Armen eine Hand an die Wange, als sie so bitterlich traurig zu ihm auf sah. Es brach ihm das Herz Tess so zu sehen. Dennoch hatte er keine Antwort auf die eine Frage die in ihrem Kopf herumschwirrte. "I don't know if it happens to everyone" sagte er vorsichtig. "Maybe not if you ..." doch Jake wusste, dass jedes seiner Worte die Situation nur noch schlimmer machen würde. "I will go back immediately when I brought you to that zone, okay? I will burry your dad like he deserved it" versprach er stattdessen. Denn ihr Blick und der abgebrochene Satz ließen darauf schließen, dass sie ihren Vater einfach so hatte zurück gelassen, nachdem er verstorben war. Jake würde ihn finden und begraben. Und wenn es sein musste würde er dafür sorgen, dass tot bleiben würde. Das war aber etwas das er bewusst nicht erwähnte. "I promise you, Tess. I will take care of this."
Michael Porter
Ein Psychologe hätte Michael nach wohl einer Sitzung sagen können, dass es gar nicht der Anwalt war, auf den er so wütend war. Viel mehr richtete sich seine Wut gegen ihn selbst. Der Anwalt war lediglich das Ventil dafür. Vor allem seitdem er wusste, dass Mike nichts weiter war als ein Betrüger. Ohne richtigen Abschluss oder das Recht als Anwalt zu praktizieren. Vielleicht hätte ein richtiger Anwalt anders entschieden. Darum lenkte er seinen Hass immer mehr auf ihn, anstatt ihn bei sich selbst zu suchen. Seit Jahren war es sein Job, die Menschen zu beschützen. Viele Menschen hatte er gerettet. Nur seinem Sohn hatte er nicht helfen können. Gerade seinen Sohn, den er als Vater hätte beschützen müssen. Die Schuld dessen lastete schwer auf seinen Schultern.
Erst jetzt, da Liza Healey ansprach, wandte er seinen Blick zu dieser. Diesen Blick der Verzweiflung hatte er schon oft gesehen und es erinnerte ihn daran, dass er niemand war, der ein unschuldiges Leben nahm. Egal wie wütend er auf diese Person war. Darum senkte er schließlich die Waffe, sicherte sie wieder und schob sie zurück in die Halterung des Schultergurtes. Seine Uniform trug er schon lange nicht mehr. Nur noch der Waffenhalter um seine Schultern deuteten daraufhin, was er vor der Apokalypse gewesen war. „Let her in.“, wies er Troy an und klang jetzt mehr müde anstatt wütend. „Cage said to keep them seperate.“, erwiderte dieser. „And I said to bring her in. Go!“ Unmerklich verzog Troy das Gesicht zu einer Grimasse. Wenn es eine Sache war, die er nicht leiden konnte, war es wenn man über hin hinweg entschied. Er hatte seine eigenen Befehle wozu Michael nicht das Recht besaß sich zu äußern. Murrend wandte er sich aber doch ab um die Tür zu Healeys Kammer zu öffnen.
In der Zwischenzeit zog Mike sich an der Wand wieder nach oben. Vorsichtig fasste er mit den Fingern an den Schnitt über seine Augenbraue. Ein kleiner Schmerz durchzog seinen Kopf, den er mit dem Einziehen von Luft kommentierte. „I know what you're going through.. more than you know. I tried to find the driver but he was nowhere to be found and sending an innocent man to prison would've been wrong.“, erklärte Mike sich ein weiteres Mal, dabei sprach er ruhig und verständnisvoll. „I am deeply sorry for your loss.“
„We don't need your empty words.“, unterbrach Michael ihn kühl. Nur weil er sich dazu entschlossen hatte ihn nicht umzubringen, hieß dies nicht, dass er ihn deshalb mehr leiden konnte. „You are still a fraud. You had no right to attend our case or even be in the court.“ Mike nickte. Die Schuld seines Verbrechens hatte ihn schlußendlich ja dazu gebracht willentlich ins Gefängnis zu gehen. Viele waren ihm deshalb böse gewesen, aber für ihn war es das Richtige.
Michael hatte sich seiner Frau wieder angenähert und legte eine Hand an ihren Arm als Zeichen, dass die Situation wieder unter Kontrolle war. Er hatte sie damit nicht ängstigen wollen. „I will keep an eye on you, Mike Ross. You and your terrorist friend.“ Wieder machte sich Verwirrung in Mike breit. Michael hatte das nicht zum ersten Mal gesagt. Er war nur mit Healey und Roman hier eingekommen. Keiner von ihnen hatte irgendwelchen Draht zu Terrororganisationen. Nicht einmal durch einen ihrer Fälle, daran würde er sich erinnern. „I still don't know what you're talking about.“, dementierte Mike deshalb sofort und konnte dabei ehrlich sprechen, denn von Romans geheimen Leben wusste er nichts. Der Polizist schnaubte nur noch. „Every lie comes out eventually.“
Darauf reagierte Mike gar nicht mehr, denn endlich hatte man Healey zu ihm gebracht. Sofort ging er zu ihr und schloss sie in seine Arme. Vermutlich hatte sie größere Angst gehabt als er. Fest hielt er sie, damit niemand in der Welt ihr mehr etwas antun konnte. „I'm okay.. it's all good.“, versprach er ihr flüsternd.

Zum ersten Mal gehörten Tess Gedanken nicht Troy. Sie war nicht sonderlich erpicht darauf ihn zu sehen. Wie Jake es vermutete, wusste ihr Freund über all dies bestens Bescheid und doch hatte er nichts gesagt. Keinen von ihnen hatte er gewarnt. Wäre sie nicht durch die Aufregung so unfassbar wütend, wäre sie jetzt wütender auf ihn als eh und je. Stattdessen beruhigten sie aber Jake's Berührungen und das Streicheln über ihren Rücken. Sogar sein Geruch hatte etwas tröstendes. Gerade hätte sie gar nichts dagegen eine Weile so stehen zu bleiben und den Rest auszublenden.
„What? No..“, widersprach sie ihrem guten Freund sofort als er von seiner waghalsigen Idee erzählte. „No no no no no no.“ Tess glaubte, würde sie mehrere Male sagen, dass er nicht gehen konnte, würde es ihm auch selbst klar werden. Ihre Arme hatte sie von ihm gelöst und legte nun ihre Hände an seine Brust. Bis auf Umarmungen hatte sie es bisher immer vermieden ihn an Stellen zu berühren, die so intim waren. Jetzt dachte sie darüber aber gar nicht nach. Oft schon hatte sie sich ihm gegenüber so gefühlt wie gerade, hatte es aber immer in ihren Hinterkopf verbannt um keines der Mädchen zu sein, die ihren Freund wegen dessen Kumpel verließ. So jemand hatte sie nie sein wollen, doch war es Troy selbst, der sie immer weiter in seine Arme trieb. „You can't go alone. It's way too dangerous. If you go, I'm going with you.“, verlangte die Braunhaarige mit fester Stimme, die sie jetzt, da es um Jake's Leben ging, wiedergewann. Ihn alleine gehen zu lassen, kam nicht in Frage. Nicht jetzt, da sie ihn doch gerade erst gefunden hatte. Sarah wäre diesbezüglich sicherlich auf ihrer Seite. Das Wichtigste war es jetzt, zusammen zu bleiben.
„Please, Jake.. don't. I cannot lose you too.“
Dabei hielt sie sich jetzt an seinem T-Shirt fest als könne sie ihn dadurch hindern zu gehen. Ihren Vater hatte sie erst kürzlich verloren. Troy war ihr schon vor Monaten entglitten und besonders viele Freundinnen besaß sie nicht. Zu keinen von ihnen hatte sie Kontakt seitdem jegliche Form der Kommunikation abgebrochen war. Irgendwie würde sie auch alleine klar kommen, da war sie sich ganz sicher. Tess war clever und dickköpfig. Jedoch wollte sie nicht noch einen weiteren Verlust beklagen müssen. Vorallem nicht, wenn es Jake war, für eine Sache die sinnlos war. Wenn es stimmte, was er sagte, war ihr Vater nicht mehr er selbst und stellte eine Gefahr für jeden dar, der ihm zu nahe kam. Sollte es nicht stimmen, blieb Zeit genug ihn zu begraben, sobald ein Heilmittel gefunden war. Ihr war nicht wohl bei dem Gedanken ihren Vater verrottend zurück zu lassen, aber sie konnte genauso wenig schlafen, wenn Jake sich ihretwegen in Gefahr begab.
Healey Smith
Liza atmete sichtlich erleichtert aus, als Michael endlich wieder zu Sinnen kam. Er war einer der Guten und das schon immer gewesen. Nie hatte er einfach verurteilt. Schon immer hatte er sich dafür eingesetzt, dass die Richtigen verurteilt wurden und nur sehr selten ging er ans Äußerste. Gott sei Dank hatte Michael eingesehen, dass dies nicht einer dieser Momente in seinem Leben gewesen war. Mike konnte am Ende des Tages nichts für den Tod ihres Jungen und auch sein Tod hätte dies nicht mehr geändert. Es hätte lediglich dafür gesorgt, dass dessen Freundin an dem Verlust zerbrochen wäre und niemand konnte wohl sagen welches Ausmaß dies am Ende noch genommen hätte.
Auch Healey auf der anderen Seite der Plastikwand stand die Erleichterung förmlich ins Gesicht geschrieben, auch wenn dies immer noch von Panik zerfressen war. Ihr Blick lag nur auf Mike weshalb sie für einen Moment gar nicht realisierte, dass Troy zu ihr geschickt wurde. Erst als dieser sie ansprechen musste, nahm sie seine Anwesenheit überhaupt wahr. Und auch wenn sie den Soldaten noch nicht besonders lange kannte, war dies wohl das erste Mal seit ihres Zusammentreffens, dass sie froh über seine Gesellschaft war. Denn dies hieß, dass sie zu Mike durfte und das musste er ihr nun wirklich nicht zwei Mal sagen. Sofort eilte sie an Troy vorbei in den kleinen Nebenraum. Und obwohl sie sich so beeilte und große Schritte ging, kam es Healey wie eine halbe Ewigkeit vor, bis sie sich endlich in Mikes Armen wiederfand. Das letzte Stück war sie sogar beinahe gesprintet, um ihm schließlich verzweifelt um den Hals zu fallen. Dies war auch der Moment in dem alle Dämme brachen. So sehr sie auch vorher versucht hatte gegen die Tränen anzukämpfen gelang es ihr nun nicht mehr. Das Gesicht vergrub sie in seiner Halsbeuge. Ihre Finger vergrub sie in Mikes kurzem Haar und hielt sich so verzweifelt an seinem Hemd im Nacken fest, dass sie drohte es mit ihren Nägeln noch zu durchbohren würde sie nur noch etwas mehr zupacken. Die Blonde wollte einfach ganz sicher gehen, dass niemand mehr ihr jetzt Mike entreißen würde. "I was so scared" murmelte sie schluchzend.
Liza beobachtete das Geschehen für einen Moment und war nun nur noch überzeugter davon, dass Michael das Richtige getan hatte. Mike zu verschonen hätte mehr Unheil angerichtet, als dass es am Ende für Frieden gesorgt hätte. Schwach lächelnd legte sie deshalb ihrem Mann eine Hand an die Seite. Mehr konnte auch sie einfach gerade nicht aufbringen, da durch die Begegnung mit dem jungen Paar alles wieder aufgewühlt wurde. Dennoch musste sie ihrem Job nachkommen. Mike untersuchen würde sie an diesem Abend nicht mehr, aber sie musste den beiden wenigstens die Möglichkeit bieten die Wunde an seiner Stirn zu säubern und zu verschließen. Also löste sie sich von Michael und ging noch einmal in den Nebenraum, wo sie alle Medikamente gelagert hatte, während der Raum, in welchem die anderen waren, viel mehr wie eine Ausnüchterungszelle wirkte. Mit einer kleinen Flasche Desinfektionsmittel und einem ausreichend großem Pflaster kam sie zurück. Es würde reichen, bis sie sich das ganze am nächsten Tag genauer ansehen würde.
Die Sachen legte sie auf einen Stuhl, der mit dem Rücken zur Plastikwand stand. "For your head .." sagte sie schlicht an Mike gewandt, da Healey so neben der Spur war, dass diese ihr sowie so nicht mehr zuhören würde. "The check up is tomorrow. I let one of the soldiers bring you blankets" beendete sie das Gespräch, denn mehr hatte auch Liza Mike nicht mehr zu sagen. Zumindest nicht an diesem Abend. Stattdessen nickte sie ihrem Mann zu, dass er ihr nach draußen folgen sollte und auch Troy gab sie ein ähnliches Zeichen. Der Junge brauchte eben so Feierabend, wie die beiden. Der andere Soldat bei ihnen war von der Nachtschicht und würde sich um alles weitere kümmern.

Sanft umschloss Jake eine von Tess' Händen an seiner Brust mit seiner eigenen. Er merkte wie ihr Vertrauen in ihn zurückkam und das beruhigte ihn ungemein. Zwar sollte sie sich auch nicht um ihn sorgen, aber es war schon einmal besser, als dass sie sich vor ihm fürchtete. "You will never lose me, Tess" versprach er mit einem optimistischen Lächeln. Vielleicht irrte er sich ja und Menschen, die zwar durch den Virus starben aber nicht von einem Biss infiziert wurden, kamen überhaupt nicht zurück. Dies würde bedeuten, dass Tess' Vater einfach nur leblos zu Hause liegen und gar keine Gefahr darstellen würde. Sicher konnte er sich darüber wirklich nicht sein, aber er musste diese Möglichkeit einfach genau so in Betracht ziehen, die das was er bereits bei Cassie miterlebt hatte.
"But fine" willigte er schließlich ein. "I won't go alone. Maybe someone in the zone can help us with this" überlegte er. Zumindest Troy würde er überreden können noch einmal zurück zu gehen, wenn sie ihn dort denn finden würden. Sein Freund war zwar manches Mal furchtbar anstrengend und konnte ein Arsch sein, aber Jake glaubte daran, dass ihre Freundschaft und dessen Beziehung zu Tess ihn vielleicht doch davon überzeugen konnten einmal etwas zu tun, dass seiner Freundin viel bedeuten würde. Denn auch Jake hatte das Gefühl, dass das letzte Mal, seit Troy sowas für die Brünette getan hatte, schon eine halbe Ewigkeit her gewesen war.
Jetzt fiel sein Blick aber auf ihre Hände. Ihm war bislang gar nicht aufgefallen, wie nahe die beiden sich standen und dass sie normalerweise vermied ihn so zu berühren. Denn wenn sie mal ganz ehrlich miteinander waren, taten die beiden schon seit Monaten nichts anderes als zu versuchen dem anderen soweit aus dem Weg zu gehen, dass es nicht merkwürdig wurde. Es war wie auf rohen Eiern zu laufen. Jake war nicht blöd. Er merkte, dass da irgendetwas bei Tess sein musste, dass sie ähnlich wie ihn fühlen ließ. Und sie beide wussten ganz genau, dass diese Gefühle falsch waren und Troy gegenüber nicht fair.
Er atmete kurz durch, doch Tess musste fühlen, dass sein Herzschlag sich beschleunigt hatte. Denn er selbst hatte ja bereits das Gefühl, dass sein Herz ihm jeden Moment aus der Brust springen würde. "Tess ..." sagte er leise, was nicht viel mehr als ein Flüstern war. "You'll be okay. I make sure you will be" versprach er, wobei sein Gesicht dem ihren gefährlich nahe kam. Doch diese Grenze in seinem Kopf hinderte Jake erfolgreich daran die letzten paar Zentimeter zu ihren Lippen einfach zu überbrücken. Nicht jetzt und nicht hier, redete er sich immer wieder ein und es schien zu funktionieren.
RPG-Admin
Fest schlang Mike seine Arme um den zitternden Körper seiner Freundin. Eine Hand hatte er dabei schützend an ihren Hinterkopf gelegt. Ihm war es schwer gefallen die Ruhe zu bewahren als man zwei Mal hintereinander eine Waffe auf ihn richtete. Healey zuliebe hatte er sich bemüht seine eigene Angst nicht zu zeigen, fühlte aber auch jetzt wie die Erleichterung ihn durchströmte. „I know.. I know.. it's all okay now.“, flüsterte er der Blonden beruhigend zu und küsste sie sanft aufs Haar. Seinen Blick wandte er dann Liza zu, die ihm wenigstens ein paar Utensilien da ließ, damit er seinen Kopf versorgen konnte. Als Dank nickte er ihr nur gut zu. Der Anwalt konnte sich gut vorstellen, dass jedes Wort das er nun sagte, zu viel war. Niemand bat um seine Meinung. Schon zuvor hatte das Ehepaar jedes seiner Worte ignoriert, darum sparte er sich jetzt jedes weitere. Noch einen Moment wartete er, bis alle das Zimmer verlassen hatten und er hörte wie der Schüssel im Schloss umgedreht wurde. Endlich waren sie alleine.
Mike löste sich ein Stück von Healey. Nur damit er ihr tränenüberströmtes Gesicht zwischen seine Hände zu nehmen. Er hasste es sie so zu sehen. Davor hatte er sie beschützen wollen. Genau darum hatte er geglaubt in die Zone zu kommen wäre eine gute Idee. Wie sehr er sich doch geirrt hatte. Sanft wischte er ihr mit den Daumen die Tränen von den Wangen. „Stop crying, Healey.“, bat er sie ruhig. „It's all okay. Roman is being taken care of and we will spent the night here in peace. Everyone will have calmed down until tomorrow, I'm sure of it.“
Es war schon spät und er konnte sich nicht im Traum vorstellen, was die Arbeiter hier täglich erlebten. Michaels Reaktion nahm er ihm nichtmal sonderlich übel. Das Einzige, was ihn noch beschäftigte waren seine Worte, die nur Roman gegolten haben konnten. Healey hatte sie auf der anderen Seite sicher nicht gehört, aber ansprechen wollte er es nicht, bevor er nicht wusste worum es ging. Roman hatte schon immer seine Geheimnisse gehabt und die Befürchtung, dass etwas größeres dahinter steckte war nun mehr als groß. „I love you.“, sagte er stattdessen um die dunklen Gedanken zu vertreiben und hoffte, Healey wieder zum Lächeln zu bringen.

„You will explain this to Cage tomorrow.“, verlangte Troy, nachdem die kleine Gruppe das Zimmer verlassen hatte. Michael zog seinen Schlüssel vom Bund und versperrte die Tür. „Good night, Troy.“, erwiderte der Polizist bloß, da er nicht vor hatte sich auf irgendwelche Diskussionen mit dem Jungen einzulassen. Viel zu oft spielte er sich auf als hätte er ihr das Sagen. Niemand musste erfahren, dass der Check Up noch gar nicht stattgefunden hatte oder das Michael den Neuling bedroht hatte. Wütend schnaubend wandte Troy sich von dem Ehepaar ab und verließ den Keller.
Um sich später nichts anhängen lassen zu müssen, überprüfte er nochmal ob die Tür fest verschlossen war. Danach erst steckte er den Schlüssel zurück. Ausbrüche wie den gerade, machten ihn in der letzten Zeit immer müde. Beinah war er froh um den Ausbruch des Virus gewesen, denn es hatte ihn von all dem Schmerz und der Schuld abgelenkt. Aber seine Vergangenheit holte ihn wieder ein. Sowie es immer mit diesen Dingen zu sein schien. Auf dem Weg zum gemeinsamen Apartment verfiel er in Schweigen, wie er es so oft tat seitdem William gestorben war. Er hatte stets versucht auch Liza zu stützen, die unter dem Verlust genauso leiden musste wie er. Jeden Tag gelang ihm das aber nicht und jetzt war alles wieder aufgewühlt. Noch dazu zu wissen, dass sie einen durchaus gefährlichen Menschen in die Zone gelassen hatte, beunruhigte ihn. Darüber musste er mit Cage reden. Die Leute die hier reinkamen mussten noch strenger gecheckt werden bevor man sie hineinließ.
„The man you treated before.. the one with the gun shot.“, durchbrach er die Stelle während er die Tür aufschloss. Ganz hatte er seine alte Art nicht vergessen und hielt Liza die Tür auf damit sie in die Wohnung eintreten konnte. „Did he say anything to you?“, wollte er von ihr wissen. Michaels Weg führte ihn direkt zum Kühlschrank, der dank eines Stromgenerator noch funktionierte und ihm immerhin eine Flasche Bier spendierte. Er war kein Trinker, nie gewesen, aber nach einem anstrengenden Tag hatte es ihm immer geholfen etwas herunterzufahren und zu entspannen. Er lehnte sich an die Küchenthecke und sah prüfend zu seiner Frau. Sie noch mehr zu belasten lag ihm fern, aber er musste es wissen. Irgendwie hoffte er, dass er Roman vielleicht einfach nur verwechselt hatte. Als er diesen aufgesucht hatte, hatte er schon längst geschlafen und so hatte er nicht mehr mit ihm reden können.

Tess konnte schon Jake's warmen Atem auf ihrer Haut spüren. Alles in ihr schrie danach einfach dem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, welches von ihm ausging, nachzugeben. Von Troy konnte sie dieses schon seit Wochen nicht mehr erwarten. Wenn sie ehrlich war, gab es keinen Grund warum sie überhaupt noch mit ihm zusammen war. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht damit sie Jake weiterhin sehen konnte. Sie wusste es nicht. Jetzt war ihr zum Greifen nah. So nah wie noch nie zuvor. Ein wenig fester umschloss sie seine Hände. „You always have..“, erwiderte sie leise. Seitdem sie ihn durch Troy kennen gelernt hatte, war er immer für sie da gewesen. Viel mehr als es ihr eigentlicher Freund war. Doch nachgeben konnte sie nicht, aus Angst was Troy tun würde, wenn er es jemals erfuhr, aber Jake loszulassen fiel ihr unheimlich schwer.
„There is nothing here!“, war es schließlich Sarah die, die Zweisamkeit durchbrach. Schon beim Verlassen des Diners hatte sie zu ihnen herübergerufen. Von dort aus konnte sie nur sehen das Jake und Tess nah beieinander standen. Tess ließ sofort Jakes Hände los und entfernte sich einige Schritte. Nun war es auch ihr Herz das raste. Sie fühlte sich als wäre sie bei etwas furchtbar unartigem erwischt worden. „Nothing?“, fragte sie nach, wobei ihre Stimme noch etwas desorientiert klang. Die Welt um sich herum hatte sie für einen Moment ganz vergessen. Für immer hätte sie so bei Jake stehen bleiben können und sie wünschte sich, dass es gar keinen Troy gäbe, der es ihnen übel nehmen konnte oder keine Sarah, die sie unterbrach. „Nothing. There is not even running water and everything usuable has been raided already.“, berichtete Sarah. Es erklärte, warum sie noch immer voll mit Blut war. In der Dunkelheit war es erst zu erkennen als sie näher gekommen war. „Is everything okay with you?“, fragte sie Tess, da diese vollkommen durch den Wind zu sein schien. „Yeah.. yeah.. I was.. just thinking of my dad. That's all.“, sagte sie schulterzuckend. Eine verwirrte Haarsträhne strich sie sich hinters Ohr um ihre Hände irgendwie für einen Moment zu
beschäftigen. Bewusst vermied sie jetzt jeden Blick zu Jake. Sie hatte das Gefühl, dass jede kleinste Bewegung in seine Richtung verraten konnte, was fast geschehen wäre. Gleichermaßen fragte sie sich aber, was so schlimm daran gewesen wäre.
Verständnisvoll nickte Sarah. Es war nicht so, dass sie nicht merkte das etwas bei den beiden ganz und gar nicht stimmte, aber sie beschloss Jake darauf später alleine anzusprechen. Wenn es das war, wovon sie ausging, war es alles andere als gut. „We should keep driving.“, richtete Sarah stattdessen das Thema auf ihren eigentlich Wunsch. „It's only one or two hours until the zone.“
„I can drive if you want to rest.“, schlug Tess vor, die über Ablenkung gerade sehr froh wäre.
Healey Smith
Die Stimme der jungen Frau zitterte schon beim Versuch ruhiger zu atmen. So nah einer Panikattacke war Healey wohl das letzte Mal gewesen, als man Mike in ein Gefängnis gesteckt hatte und sie nicht wusste wie es weitergehen sollte. An diesem Abend war es ganz ähnlich, nur dass das Adrenalin ihren Körper davon abhielt nun schlapp zu machen. Denn nicht nur hatte man gerade gedroht Mike umzubringen, sondern hatte man ganz ähnliches zuvor schon mit ihrem Bruder getan und von dem wusste sie nicht einmal wo genau er sich gerade aufhielt. Ihr ganzes Leben hatte sie sich nichts zu schulden kommen lassen. Während ihres Studiums hatte sie immer versucht sich für die kleinen Leute in ihrer Kanzlei einzusetzen, für jeden der anders vielleicht gar nicht angehört wurde. Healey wusste um ihre guten Karmapunkte auf ihrem Konto und trotzdem wurden sie alle hier behandelt wie Schwerverbrecher. Dabei hatten sie nichts weiter getan als ganz berechtigt alles in Frage zu stellen, was die Soldaten da taten. Denn so wie sie Roman behandelten verletzten sie einfach seine Rechte. Vielleicht war es dumm gewesen mit einem juristischen Denken an die Sache heran zu gehen, aber ganz ausstellen würde man das wohl nie können.
Und widerwillig löste Healey also die Hände aus Mikes Nacken, aber nur um sich im nächsten Moment an seinen Seiten festzuhalten. Trotz des Adrenalins fühlten sich ihre Beine nämlich an wie Pudding und sie wollte es nicht riskieren vielleicht doch dem ganzen Stress am Ende nachzugeben. "I love you too" presste sie unter einem tiefen Schluchzer heraus, wobei sie sich zu ihm hoch streckte und ihre Lippen auf seine presste. Die Hände ließ sie dabei zu seinen Wangen wandern, berührte diese aber nur sehr zaghaft. Immerhin blutete er noch immer und Healey befürchtete, dass es Mike eventuell schmerzen könnte, würde sie ihn zu grob berühren.
Sie küsste ihn mehrere Male, als würde sie ihm so zeigen wollen, wie sehr sie ihn liebte. Für einen Moment blieb sie einfach so mit ihm stehen. Mike zu verlieren war zu einer von Healeys größten Ängsten geworden. Wirklich erklären wo diese innige Bindung herkam, konnte sie nicht aber wollte es auch nie. Sie war da und darum war sie froh. "Let me take care of your head" flüsterte sie schließlich in den letzten Kuss hinein, bevor sie Mike schon wieder viel erleichterter ansah als zuvor. Selbst ein seichtes Schmunzeln hatte sich dabei auf ihren Lippen gebildet, auch wenn sie noch immer ab und zu schluchzen musste.

Obwohl keiner der drei wirklich entspannt war, musste Liza doch über das Verhalten Troys schmunzelnd den Kopf schütteln. Michael und Cage würden ganz sicher miteinander sprechen, dass er also der Auffassung war er müsse das ganze noch einmal deutlich erwähnen, war fast schon etwas niedlich. Troy glaubte von Anfang an er sei besser gewesen als die meisten hier. Liza tat das mit seinem jungen Alter ab und solange er damit keinem schadete fand sie es auch überhaupt nicht schlimm. Sollte er sich austoben, Cage würde ihn schon zurecht weisen, sollte er zuweit gehen. Deshalb befasste sie sich auch gar nicht weiter mit dessen Worten, sondern folgte stattdessen ihrem Mann.
"What about him?" fragte Liza, als sie an Michael vorbei das die Wohnung betrat. Diese Frage erübrigte sich jedoch, da ihr Ehemann gleich auf den Punkt kam. Ihren Kittel, den sie normalerweise auf der Krankenstation ließ, zog sie aus und hing ihn erst einmal ordentlich an den Haken hinter ihrer Haustür, bevor sie Michael in die Küche folgte. Dort setzte sie sich auf einen der Stühle an den dunklen Esstisch und zog die Beine auf die Sitzfläche, so dass sie ihre Arme auf ihren Knien ablegen konnte. So saß Liza immer am Tisch, wenn sie versuchte sich selbst aufzufangen, da sie etwas aus der Bahn geworfen hatte. Je kleiner man sich machte, desto kleiner war die Angriffsfläche die man einem bot. Nicht, dass Michael sie angriff, aber es war einfach ein Schutzmechanismus, welchen die Ärztin in den Jahren in ihrem Job aufgebaut hatte.
"He didn't" beantwortete sie schließlich Michaels Frage. "He was unconscious when they brought him to me" erklärte sie weiter, damit ihr Mann wusste, wieso Roman nichts hatte zu ihr sagen können, selbst wenn dieser gewollt hätte. "I stiched him up and made sure he sleeps until tomorrow. He lost a lot of blood .. The only thing I know about him is that he's the girl's brother. I checked him, he had nothing on him that said who he is." Normalerweise berücksichtigte Liza immer die Privatsphäre ihrer Patienten, aber wenn jemand mit einer Schussverletzung in ihre Behandlung kam, musste sie einfach ein paar Dinge über diese Person wissen. Aber bei Roman gab es da nicht allzu viel zu finden. Das hatte Michael sicher schon selbst festgestellt. Denn woher sollte er sonst von Roman wissen, wenn er nicht längst bei ihm gewesen war? Liza kannte ihren Mann gut genug um zu wissen, dass sein Instinkt als Polizist ihn schon längst zu ihrem Patienten geführt hatte. "But back with Mike .. you said something about a terrorist? You think that guy is one ..?"

Mindestens genau so schnell wie Tess sich einige Schritte von Jake entfernt hatte, tat er ihr dies gleich kaum das er Sarahs Stimme gehört hatte. Nicht nur, dass er Tess und ihn beinahe zu etwas gebracht hätte, wovon sie nicht mehr hätten zurückkommen können. Sondern fühlte er sich jetzt auch noch schuldig Troy und Cassie gegenüber. Für einen Moment wünschte er sich es wäre alles weniger kompliziert. Jetzt standen sie aber hier und trauten sich nicht einmal mehr den anderen anzusehen, aus Angst Sarah könnte sie sofort durchschauen. Und genau aus diesem Grund verschränkte Jake auch die Arme vor der Brust. Denn es sollte erstens sein rasendes Herz vertuschen und zweitens wollte er seriöser wirken, als er sich gerade vorkam.
"If Troy is in the zone" setzte er nun an und tat so als wolle er Sarah darüber aufklären zu welcher Erkenntnis die beiden gerade gekommen waren. "He will know more about all of this. He must have when left Tess already" fuhr er fort und wagte nun doch einen kurzen Blick zu der Brünetten. Er wollte sie damit nicht wieder kränken, aber irgendwie mussten sie so normal wie nur möglich wirken. Falls sie der Gedanke also wieder traurig stimmen würde, war in diesem Falle also gar nicht so schlecht, aber Jake wollte noch immer nicht der Grund für ihre Traurigkeit sein.
Jetzt überbrückte er aber erst einmal den Abstand zu seiner Schwester. Vorsichtig hob er mit Daumen und Zeigefinger ihr Kinn an, um die Wunde an ihrem Kopf etwas genauer zu beäugen. "How do you feel?" wollte er erst einmal wissen, bevor sie einfach so wieder losfuhren. Das Blut an ihrer Schläfe begann bereits zu trocknen und wurde viel dunkler als noch im frischen Zustand. Jake konnte sich nur ansatzweise vorstellen, wie sehr es in ihrem Kopf hämmern musste. "But that's a good idea" wandte er sich nur für einen kurzen Moment erneut an Tess und schenkte ihr ein dankbares Lächeln. "Thank you" bedankte er sich, denn auch er konnte wohl eine gute Mütze Schlaf gebrauchen. Eigentlich wollte er keinen der beiden fahren lassen, damit die beiden Frauen sich ausruhen konnten. Aber in einer Diskussion mit Tess zog er meist den Kürzeren und er hatte jetzt auch überhaupt kein Bedürfnis danach mit ihr darüber zu diskutieren. Wenn Sarah also fit genug war für eine Weiterreise, dann sollte Tess ruhig fahren. Wahrscheinlich würde Jake sowie so nicht schlafen können und bleib am Ende mit ihnen zusammen wach.
Mike Ross
Für einen kurzen Moment hatte Mike die Wunde an seinem Kopf ganz vergessen. Wichtiger war es, dass Healey bei ihm war. Die aufgeplatzte Haut sah vermutlich schlimmer aus als es war. Ein paar Tropfen des Blutes waren auf seinen Pullover getrofft, was durch die schwarze Farbe der Wolle jedoch kaum zu sehen war. Sanft erwiderte er Healeys Küsse. Ehrlich gesagt war er froh, sie jetzt bei sich zu haben. Seitdem er sie kannte, hatte sie ihm immer beigestanden. Ganz egal wie schwer es auch geworden war und sie hatten wahrlich schlimme Zeiten überstanden. Deshalb war er aber auch so zuversichtlich, dass sie auch all das hier gemeinsam überstehen würde. Wie, wusste er noch nicht, aber mit diesem Gedanken wollte er sich auch heute nicht mehr quälen.
„I guess I kinda deserved that.“, schmunzelte er damit die Situation wieder etwas lockerer wurde. Healey sollte auf andere Gedanken kommen. So müde hatte er sie lange nicht mehr gesehen. Nichtmehr seitdem sein Prozess zuende gewesen war. Leichte Kopfschmerzen machten sich breit, aber es war nichts, was er nicht ertragen konnte. Gänzlich löste er sich nun von seiner Verlobten, nahm aber ihre Hand und führte sie zur Pritsche auf der sie heute zu zweit nächtigen würden. Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich darauf nieder. Bequem war es nicht. Viel mehr fühlte es sich an wie eine Metallplatte auf die man einer dünne Matratze gelegt hatte, die genauso gut auch nur eine Decke hätte sein können. Es war nicht die kleine Verletzung, die ihm zu schaffen machte, sondern vielmehr die Gedanken, die Michael in ihm gesäht hatte.
„How are you feeling? Is your back alright?“, fragte er Healey um von sich selbst abzulenken. Es würde ihm nicht gerade leicht fallen, ihr zu verschweigen was er wusste und gehört hatte. Da hielt es für die beste Idee, erst gar keine Fragen in ihr aufkommen zu lassen. Zumal sie zur Ruhe kommen musste, das sah er ihr deutlich an. Nur ungern war er der Grund dafür, dass sie so durcheinander war. „My head isn't as bad as it looks.“, versicherte er ihr. Es hatte bereits aufgehört zu bluten, was er als gutes Zeichen empfand. Anscheinend musste es nichtmal mehr genäht werden, sonst wäre Liza sicherlich geblieben. Sie mochte noch so wütend auf ihn sein, aber sie war ein guter Mensch, dessen war Mike sich sicher. Genauso wie ihr Mann, auch wenn dieser sich nicht von der besten Seite gezeigt hatte. Er hatte nicht wirklich daran geglaubt, dass Michael abdrücken würde. Zum Glück hatte sich dies bewahrheitet.

Stumm nickte Michael. Er hatte schon damit gerechnet, dass Liza kein Wort mit ihm gewechselt hatte. Zum Glück, dachte er sich. Seine Frau war eine gute Ärztin mit Durcsetzungsvermögen. In einem Raum mit einem Terroristen, wollte er sie aber trotzdem nicht haben. Das Risiko war zu groß. Vor allem mit jemandem wie Roman. Er war gut in dem was er tat, das musste er ihm lassen. Eine Herausforderung für jeden Ermittler. Nichtmal das FBI hatte es geschafft ihn für mehr als ein paar Tage festzuhalten. Nochmal nahm er einen Schluck aus der Flasche bevor er Antwortete. „I'm afraid so.“
Das Bier stellte er auf dem Esstisch ab. An diesem lief er aber vorbei in sein Arbeitszimmer. Aus einem der verschlossenen Aktenschränke holte er einen Ordner und kam mit diesem zurück. Es war nicht so, dass er Liza nicht vertraute, aber er unterstand ähnlich wie Ärzte einer Schweigepflicht. Je weniger seine Frau also wusste, desto besser war es für sie. Hin und wieder erzählte er ihr von der Arbeit, doch nie zeigte er ihr Bilder oder ließ sie ganz in die Ermittlungen. Dafür war es viel zu gefährlich. In der Situation in der sie nun waren, empfand er es aber als wichtig, dass sie Bescheid wusste. Den Ordner öffnete er und breitete Dokumente und Bilder vor ihr aus. Einiges war von Tatorten von Anschlägen und Schießereien, anderes Bilder die, die Verkehrskameras von Roman gemacht hatten. Keines der Bilder war besonders scharf, bis auf eines. Es war bei einem Fall vor wenigen Monaten in Venedig aufgenommen worden. Obwohl das Foto eine gute Qualität besaß, war Roman recht gut getarnt. Eine Sonnenbrille und Kappe verdeckten die Sicht auf sein Gesicht. „He goes by the name Arnold Edwards or Roman Kruger. We don't know if either of that is his real name.“, begann er zu berichten und befand sich schlagartig in einer konzentrierten Phase. „Identiytheft, murder, assault and robbery are just some of his minor crimes. As much as we know.. which isn't a lot to be fair, he belongs to one of the biggest and most dangerous terroristic organisations we have ever seen. Extremely hard to catch, very well prepared and ruthless. They have been trying to bring down the government for months now.“ Nichts davon kam je an die Öffentlichkeit. Man hielt es für bessere dem einfachen Volk zu verschweigen, was ihm eigenen Land vor sich ging. Bombenanschläge und entführte Flugzeuge ängstigten sie genug. „The FBI didn't manage to hold him for more than a week before he escaped and just.. vanished. There is nothing to really pin him down. Or the people he is working with for that matter. They got a few but they killed themselves before they could say anything. Or were killed by their so called friends.“
Michael machte eine Pause um durchzuatmen. Es waren viele Informationen auf einmal, dass wusste er und ihm selbst rasten die Gedanken. „When I saw him with Mike I thought there was a connection. He's a fraud after all but he seemed genuinly confused.“ Müde ließ er sich auf den Stuhl sinken. Mit der Hand rieb er sich über die Augen. „The fact is that we have a terrorist chained to a hospital bed. Someone unpredictable without any kind of remorse.“, beendete er seinen kleinen Vortrag über Roman. Schon viele Nächte hatte er sich über ihn den Kopf zerbrochen. „Maybe his sister is in on it too, maybe she isn't and maybe she isn't even his sister at all.. we don't know anything about his life.“ Sie wussten nicht einmal, wie viele dieser Organisation tatsächlich angehörten oder wem sie hier jetzt noch vertrauen konnten. Jemanden wie Roman hier zu haben, gefährdete die ganze Zone.

„I am fine, brother.“, erwiderte Sarah und schob Jakes Hand von ihrem Kinn. Noch immer pochte ihr Kopf wie verrückt, aber ihre Knie fühlten sich wenigstens nicht mehr so weich an. Mit einem festen Stand fühlte sie sich gleich viel besser. Das getrockente Blut spannte auf ihrer Haut, war aber gewillt dies vorerst zu ignorieren. „A headache is nothing I can't handle. Stop worrying.“, bat sie ihn mit einem leichten Lächeln. Sie hatte auch die letzten Stunden der Fahrt überstanden, da schaffte sie auch noch das letzte Stück. Gerade die Sicht auf eine Dusche, ließ sie durchhalten. Im Spiegel hatte sie gesehen, wie gespenstisch sie mittlerweile aussah. An Tess Blick konnte sie sehen, dass sie jetzt auch den Grund dafür kannte und sie war dankbar, dass sie es nicht selbst hatte erklären müssen.
Nur schwach erwiderte Tess Jakes Lächeln. Etwas zwischen ihnen fühlte sich jetzt anders an. Gleichzeitig machte sich ein unfassbar schlechtes Gewissen in ihr breit. Sie liebte Troy, oder so hatte sie geglaubt für lange Zeit. Jetzt war sie sich überhaupt nicht mehr sicher. „It's the least I can do after you picked me up.“, erwiderte sie und ließ sich von Jake die Schlüssel geben. Wenn sie fuhr, konnte sie den Blick gerade aus auf die Straße halten. Im Grunde der einzige Grund, warum sie es angeboten hatten. Der Plan hätte auch super funktioniert, hätte Sarah nicht andere Ideen.
„Do you mind if I take the back seat? I feel good but laying down might not be the worst of ideas.“, bat sie, hatte aber andere Beweggründe. Das etwas zwischen Jake und Tess war, konnte selbst ein Blinder sehen. Dazwischen wollte sie jetzt nicht stehen. Später konnte sie ihren Bruder darauf ansprechen, aber sie war zu müde um dem jetzt im Weg zu stehen. Vielleicht hatte sie sogar tatsächlich die Chance ein wenig zu schlafen, bis sie ankamen. Im ersten Moment schien Tess erschrocken über ihre Bitte als würde sie es auf gar keinen Fall wollen, wusste es aber besser als sich dagegen zu wehren. „Not at all. You need the rest the most.“, erwiderte die Dunkelhaarige, klang dabei aber sehr unbehaglich. Also teilte sie sich mit Jake die vorderen Sitze. Immer noch konnte sie stur gerade aussehen, aber es war etwas anderes in direkt neben sich zu wissen.
Sarah nickte dankend und kletterte auch gleich auf die Rückbank. Die Taschen stellte sie in den Fußraum damit sie genug Platz hatte. Besonders viel Platz brauchte sie ja nicht und somit hatte sie die perfekte Größe um sich hinten auszubreiten. „We should go.“, sagte nun auch Tess und stief auf dem Fahrersitz ein.
Healey Smith
"We don't deserve death treats because we did our jobs" mahnte Healey ihren Verlobten gleich, auch wenn sie dies genau wie Mike mehr mit einem Schmunzeln meinte. Sie verstand Michael und wieso er so wütend war. Vielleicht war die ganze Sache, als Mike angeklagt wurde, nicht einmal ansatzweise mit dem zu vergleichen, was dem Ehepaar passiert war, Healey wollte sich auch überhaupt nicht mit ihnen vergleichen, aber irgendwie hatte sie doch das Gefühl sie würde verstehen was in ihnen vorging. Und auch wenn nichts weiter passiert war, saß der Schrecken immer noch tief. Ob der Mann wirklich abgedrückt hätte, war dahin gestellt. Wut machte komische Dinge mit dem menschlichen Verstand, wenn dieser drohte darunter zu zerbrechen. Healey war einfach nur froh, dass jetzt alles vorbei war. Zumindest fürs Erste.
Ohne weiteres ließ sie sich also von Mike mit zu der nicht sehr einladenden Pritsche ziehen. Vielleicht hatten sie ja Glück und der Tag steckte ihn so tief in den Knochen, dass sie einfach fest wie ein Stein einschlafen würden. Wahrscheinlich würden sie hier aber noch die halbe Nacht lang wach liegen, so wie sie sich kannte, selbst mit Mike an ihrer Seite. Anders als dieser setzte sie sich auch gar nicht erst hin. Sie war noch so unter Strom, dass einfach hinsetzen für sie noch überhaupt nicht in Frage kam. So schob sie sich also zwischen seine Beine und musterte kritisch seine Stirn. Ihr Gesicht sah immer noch verheult aus, aber immerhin fand ihre Stimme an Kraft wieder. "Just a bad bruise I guess" antwortete sie. "She just put some ointment on it. She probably would have said something if it was worse." Denn Liza schien ihr nicht weniger professionell, nur weil sie wegen Mikes Anblick für einen Moment die Fassung verloren hatte. Mit Sicherheit hätte sie Healey mitgeteilt wenn es schlimmer als eine Prellung gewesen wäre. "But now let me fix this" sagte sie noch einmal und klopfte ihm kurz mit beiden Händen auf die Oberschenkel, bevor sie sich die Materialien dafür von dem Stuhl holte, auf welche Liza die Sachen zuvor gelegt hatte. Mit ihnen im Arm kehrte sie schließlich zu Mike zurück und legte alles neben ihm ab. Wieder nahm sie die Position zwischen seinen Beinen ein und nahm sich einen der Tupfer, auf welchen sie ein wenig von dem Desinfektionsmittel träufelte. Wahrscheinlich würde es brennen, deshalb tupfte Healey so sanft sie nur konnte über den Schnitt an der Stirn ihres Verlobten. "You still look very handsome" stellte sie amüsiert fest und hoffte so die Stimmung etwas mehr noch zu verbessern. Sie beide hatten es wohl bitter nötig auf andere Gedanken zu kommen. Da war sie hiermit sicher auf einem guten Weg.

Für Liza war immer wichtig gewesen, dass sie und Michael einander so sehr vertrauten, dass sie des jeweils anderen Privatsphäre was ihren Job anging akzeptierten. Sie beide hatten Fälle über die sie aus bestimmten Gründen nicht reden konnten oder wollten. Wenn es einmal anders war, waren sie aber immer für einander da gewesen und hatten ein offenes Ohr für ihren Partner. Deshalb machte es ihr auch überhaupt nichts aus, dass Michael bestimmte Akten unter verschluss hielt. Sie tat es im Krankenhaus ja ganz ähnlich. Nur selten kam es also vor, dass ihr Mann ihr so viel Einblick in irgendeinen seiner Fälle gewährte. Kaum das er zurück war, setzte Liza sich also auf ihre Knie, damit sie besser über den ganzen Tisch sehen konnte. Es war ein Haufen von verschiedenen Beweisen und Bildern, Berichten und allem was eben dazu gehörte. Ihr Blick galt aber nur den Fotos, hauptsächlich denen wo man mehr erkannte, als auf denen die vollkommen unscharf für sie wirkten. Auf diesen sah ihr Mann wahrscheinlich viel mehr als sie.
"Murder?" wiederholte Liza besorgt. Mit den Fingerkuppen des Zeige- und Mittelfingers zog sie nun das Bild zu sich, auf dem Mann Roman am besten erkannte. Zwar hatte er sich verkleidet, sah man aber genauer hin und konzentrierte man sich, konnte man ihn auch unter der Kappe und der Sonnenbrille erkennen.
Besorgt seufzend ließ sie sich nun ganz in den Stuhl zurück sinken. Die Arme schlang sie um ihre Mitte und schaffte es nach ein paar weiteren Minuten endlich den Blick von dem Bild abzuwenden, um Michael wieder anzusehen. "Yes, Mike Ross is a fraud but this? This is much worse .." überlegte sie. Auch wenn Mike ein Betrüger war, war es für Liza doch nur sehr schwer vorstellbar, dass er mit einem Terroristen unter einer Decke steckte. Ihre Menschenkenntnis konnte sie hier auch täuschen, aber das Gesicht des Mannes, als Michael ihn darauf ansprach, schien ehrlich verwirrt und für sie machte er nicht den Eindruck, als wisse er von was ihr Ehemann da überhaupt sprach. "I mean, not that it couldn't be possible. I don't know how people like this guy think but Mike truly did seem confused when you accused him of working together with a terrorist" versuchte sie den Gedanken weiter zu spinnen. Sie hoffte, dass Michael wusste, dass sie hierbei nicht versuchte Mike in Schutz zu nehmen. Nur konnte ihr Mann auch nicht einfach durch die Weltgeschichte rennen und alles und jeden zu beschuldigen, der mit Roman auch nur ein Wort wechselte. "Still .. you have to tell Cage, no matter if that guy tells you anything tomorrow. About all of them" seufzte sie. "They are all a potential danger to the people that live here."

"You hit your head pretty hard, Sarah" wies Jake sie gerne noch einmal darauf hin, was ihr nur wenige Stunden zuvor passiert war. Das er da nicht einfach abschalten und sich nicht mehr sorgen würde, passierte da so schnell nicht. "I only worry for your well being" schmunzelte er. Er wollte sie ja auch nicht bemuttern, aber Sorgen machte er sich dennoch. Immerhin war es wohl irgendwie seine Schuld gewesen, dass ihr sowas überhaupt erst hatte passieren können. Noch immer machte er sich Vorwürfe. Hätte er sich selbst um Cassie gekümmert, wäre Sarah nie die Treppe rauf zu seinem Schlafzimmer gegangen. Und sie hätte niemals glauben müssen, dass sie einen Menschen getötet hatte, auch wenn sie immer noch nicht sagen konnten, was Cassie nach ihrem eigentlichen Tod nun gewesen war. Jake würde es untot nennen, aber er hatte zu viele Filme geschaut, als dass er seine tote Freundin einen Gehirn fressenden Zombie nennen würde.
Mit der Aussicht auf den Rücksitz übergab er Tess also den Autoschlüssel. Nicht ahnend, dass seine Schwester ihm gleich den Plan durchkreuzen würde. So wie sie gerade noch beteuert hatte, dass es ihr gut ging, wollte sie nun doch schlafen. Das Gefühl ließ Jake einfach nicht los, dass Sarah wahrscheinlich doch mehr mitbekommen hatte, als sie eigentlich sollte. Würde er dem jetzt aber widersprechen, würde er sich nur noch verdächtiger machen. Das Risiko konnte er nicht eingehen. "Maybe you can even sleep a little" bestärkte er stattdessen Sarahs Idee, da es einem eigentlichen Plan wohl am nähsten kam. Seine Meinung darüber zu ändern würde nämlich am Ende nur genau so auffällig sein, als gleich die ganze Idee abzulehnen. So nahm er also neben Tess auf der Beifahrerseite platz und ganz wie er schon geahnt hatte, tat er kein Auge mehr zu. Er blieb wach, wahrscheinlich der Brünetten zu liebe, damit sie nicht alleine im Dunkeln fahren musste, bis sie an der Zone waren. Aber spätestens durch das grelle Licht der Scheinwerfer vor dem Tor, wäre er dann wohl wach geworden. Diese blendeten so grell in den Wagen, dass Jake ein wenig die Augen zusammenkneifen musste, um überhaupt etwas erkennen zu können.
Cage hatte eigentlich auf eine ruhige restliche Schicht gehofft. Noch ein Wagen war wohl das letzte, was ihm den Abend versüßen würde. So stand er also von dem Stuhl auf, mit welchem er gegen den Zaun gelehnt hatte. Auch die anderen Soldaten, die in dieser Nacht Schicht am Tor hatten, machten sich auf dem Weg zum Wagen. Mit dem Fingerknöchel seines Zeigefingers klopfte er also an die Scheibe der Fahrertür, damit Tess die Scheibe runterließ, um mit seiner üblichen Befragung zu beginnen.
Mike Ross
Seine Hände hatte Mike an Healeys Hüfte gelegt als diese sich zwischen seine Beine schob. Dabei hatte er die jeweiligen Zeigefinger in die Gürtelschlaufe der Jeans verharkt. Nur um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich bei ihm blieb. Zu oft hatte man sie ihm in der letzten Zeit entrissen. Jetzt wollte er spüren, dass sie auch wirklich bei ihm war. Im Gefängnis hätte ihm schon ihre Stimme ausgereicht, doch heute musste er fühlen, dass sie wahrhaftig vor ihm stand. Ganz unberührt, ging alles nämlich nicht an ihm vorbei, auch wenn er sich bemühte eine ruhige Fassade aufrecht zu halten. Um sich dies zu vereinfachen, ließ er jetzt auch das Thema Michael fallen. Es war eine Sache, die nur er alleine klären konnte. Falls überhaupt.
Das Brennen, verursacht durch das Desinfektionsmittel, ließ ihn scharf die Luft einziehen. Schon als Kind hatter diese Art der Wundbehandlung immer gehasst und er kam nicht umhin sich zu fragen, warum man nicht schon längst ein Mittel entwickelt hatte, dass nicht schon bei dem kleinsten Kratzer wie die Hölle brannte. Kurz hatte er dabei ein Auge zugekniffe, dass sogar ein wenig tränte. „Makes me look badass, doesn't it?“, stimmte er in den Versuch seiner Verlobten mit ein, alles etwas aufzulockern. Wenn sie es tat, fiel es auch ihm leichter die finsteren Gedanken aufs Erste zu verdrängen. „Who knows, maybe it will turn into a scar, almost like Romans.“, scherzte er mit seinem typischen Grinsen, dass er in der Gefängniszeit fast verloren zu haben schien. Dabei fiel ihm zum ersten Mal auf, dass er gar nicht wusste wie Roman zu der Narbe gekommen war, die sich über sein rechtes Auge zog. Im Grunde wusste er überhaupt nichts über Healeys Bruder, was ihn zusätzlich beunruhigen sollte. Nicht aber jetzt, wo die Blonde ihm so nah war Mithilfe seiner Beine zog er sie noch ein Stück näher zu sich heran, sodass sie ganz am Bett anstieß. Hintergedanken hatte er dabei keine wirklich. Er brauchte sie nur nah bei sich und musste ihre Wärme spüren, die ihn jedes Mal beruhigte, wenn er nicht wusste, wie es weitergehen sollte. „I'm glad you're okay.“
Das musste er los werden. Nach dem Angriff hatte sich kaum die Zeit gefunden nach ihr zu sehen. Umso froher war er jetzt, dass sie nur blaue Flecken und Prellungen davon getragen hatte und ihr nichts schlimmeres zugestoßen war. Verzeihen könnte er sich das nie.

In tiefen Gedanken versunken fuhr Michael sich über seinen stoppeligen Bart. Früher hatte er ihn jeden Tag abrasiert, doch seit des Prozesses, so musste er zugeben, hatte er sich in solchen Dingen etwas gehen lassen. Ein oder zwei mehr Bartstoppeln, schienen ihm jetzt wie eine Nebensächlichkeit. Mit dem Virus, der sie jetzt rund um die Uhr bedrohte, würde es noch viel unwichtiger werden, auch wenn er immernoch wert darauf legte ordentlich auszusehen. Seither hatte er sich angewohnt über den kurz gewachsenen Bart zu streichen oder gar zu kratzen, wenn er in Gedanken war.
„I know, I know...“, antwortete er seine Frau so ruhig, dass offensichtlich war wie viele Möglichkeiten er im Kopf gerade hin und her wälzte. Natürlich würde er Cage von alledem erzählen. Nicht nur von Roman, sondern auch von Mike. Mit der Verbindung zu einem Terroristen, ob gewollt oder nicht, traute er dem Anwalt nur noch weniger über den Weg. „I want to talk to the girl first. Before I tell anyone else. In case they are working together they should stay seperate.“, erklärte er Liza, worüber er gerade so nachgegrübelt hatte. Im Grunde hätte er sich sofort mit der Blonden unterhalten können, doch hatte er erst nochmal sicher gehen wollen, was Roman anging. Da nun auch Liza zuzustimmen schien, das er der Mann auf dem Bild war, war er erleichtert, dass sein Kopf ihm keinen Streich spielte. Zu der Schwester hatte er kaum Kontakt gehabt, bis auf ihren verzweifelten Versuch ihn davon abzuhalten ihren Freund zu erschießen. Dies machte sie noch lange nicht unschuldig. Auch Terroristen hatten ihre eigenen Emotionen, auch wenn diese meistens nur sehr schwer nachzuvollziehen waren.
Seine Bierflasche hielt der Polizist immernoch mit einer Hand umschlossen. Jetzt konnte er kaum noch spüren, dass es vor einigen Minuten einmal kühl gewesen war. Trotzdem nahm er noch einen Schluck daraus. „I have secured him for now and put a few soldiers in front of his room. Are you sure he's going to stay asleep until tomorrow?“ Er hatte sogar schon überlegt nochmal zum Zimmer zu gehen und die Nacht selbst dort zu verbringen. Nur für den Fall, dass er doch aufwachen würde und versuchte zu fliehen. Angekettet aufzuwachen, würde ihm sicherlich nicht gefallen, dass stand wohl außer Frage. Ginge es nach Michael, hätte er ihn sofort in ein Veröhrzimmer auf der Station gezerrt, doch hatte seine Erfahrung gezeigt das sich mit schlafenden, bewusstlosen oder gar Toten nur sehr schwer verhandeln ließ. So dumm war er also nicht und verschwendete seine Energie an solche Taten.

In den letzten Stunden bis zur Zone machte sich eine unangenehme Stille im Wagen breit. Sarah war für diese aber dankbar, wenn sie ehrlich war. Ihre Kopfschmerzen verhinderten, dass sie ganz einschlief, aber sie schaffte es ein wenig zu dösen, wenn Tess das Auto nicht gerade durch irgendwelche Schlaglöcher fuhr. Zum Glück war um diese Uhrzeit niemand mehr auf der Straße und so wurde niemand durch die riskante Fahrweise der Brünetten gefährdet. Schon von weitem konnte sie die Lichter der Zone sehen und hatte in diesem Moment noch mehr aufs Gas getreten. Erst als sie das Tor erreicht hatten, hielt sie den Wagen an.
Wie von ihr verlangt ließ sie die Scheibe nach unten. Wie auch Jake hatte sie Probleme wirklich klar zu sehen. „We have someone injured with us. Can you take a look at her first?“, platzte es aus Tess heraus noch bevor Cage sie etwas fragen konnte. Womöglich würde es Sarah nicht gefallen, aber jetzt waren sie endlich hier und aufgrund ihrer Verletzungen hatte sie sich extra beeilt. Die Geschichte, die Jake ihr erzählt hatte, hatte ihr nur noch mehr Sorge gemacht. „She needs medical attention.“
Äußerlich hatte Sarah keinerlei Verletzungen bis auf die Kopfwunde, die durch all das Blut aber sehr verdeckt war. Dennoch hatte auch sie selbst festgestellt, dass ihr Kopf ihr mehr zu schaffen machte als gedacht. Das grelle Licht störte wohl jeden, doch hatte sie das Gefühl kaum die Augen öffnen zu können. Fest presste sie ihre Lider aufeinander in der Hoffnung so viel Licht wie möglich draußen zu halten. Ein Soldat kam gleich zu ihr nach hinten um die Tür zu öffnen. „Please get out of the car.“, bat er sie ruhig, hielt jedoch seine Waffe im Anschlag. Nachdem sie heute schon eine Rauchgranate hatten verwenden müssen, waren sie alle nur noch vorsichtiger. Sarah musste sich jetzt eine Hand vor die Augen halten, damit sie diese wenigstens einen Spalt öffnen konnte um sicher aus dem Wagen zu steigen. Andernfalls wäre sie wohl einfach herausgefallen. „Can someone turn the lights off?“, fragte sie. Es war so hell, dass sie die Männer nichtmal richtig erkennen können und so sah so auch nicht, wie skeptisch sie aufgrund ihrer blutenden Erscheinung angesehen wurde. Die Dunkelheit war für ihre Kopfschmerzen bei weitem besser gewesen als dieses grelle Licht. Selbst wiederholtes Blinzeln brachte ihre Augen nicht dazu sich daran zu gewöhnen.
Was wohl noch niemand bemerkte war, dass Troy anstatt wie Michael es sich dachte, nicht ins Bett gegangen war, sondern zurück zu seinem Posten am Tor kam. Da die kleine Gruppe mit Sarahs Auto gekommen war, welches er nicht kannte, ahnte er auch nicht das ein bester Freund gerade dabei war in die Zone zu kommen. „Need any help?“, rief er stattdessen nur rüber, falls sie noch Männer brauchten, die bei der Kontrolle der Neuankömmlinge mithalfen.
Healey Smith
"Totally" schmunzelt Healey über Mikes kleinen Scherz. Wahrscheinlich würde nicht einmal eine Narbe zurückbleiben und sein Gesicht so Markellos bleiben, wie es zuvor gewesen war. Er war einfach nicht der Typ für irgendwelche Narben, die zeigten wie tough er war. Mikes stärke lag definitiv in seinem Kopf. Wenn er die Chance hatte, schlug er einen nur mit seiner Intelligenz. Dafür brauchte man keine Narben, um zu zeigen wie überlegen man jemandem war. Zu ihrem Bruder widerrum passte es dagegen ganz hervorragend. Er war so zu sagen die Muskeln während Mike das Hirn war. Nie würde sie Roman als dümmlich betiteln, wirkte neben Mike doch jeder als hätte er nicht einmal die High School geschafft. Aber das Körperliche passte einfach viel besser zu ihrem Bruder. Und all diese unnötigen Gedanken und Vergleiche kamen wohl nur deshalb zu Stande, da Healey nicht darüber nachdenken wollte wo Roman gerade war. Wenn sie schon in so einem Loch untergebracht wurden, ging es ihm sicherlich nicht besser. An diesem Abend würde sie aber nichts mehr unternehmen können und so versuchte sie diese Gedanken einfach so weit nach hinten zu schieben, wie es ihr nur irgendwie möglich war.
"Not that you start to like it and turn yourself into Scarface" scherzte Healey deshalb und legte den Wattetupfer zur Seite. Gerade rechtzeitig, bevor Mike sie auch schon näher an den Tisch heran zog. Sie hatte noch nach dem Pflaster greifen können, was nur dafür dienen sollte, dass die Wunde an seiner Stirn nicht wieder begann zu bluten oder sich zu entzünden.
Die Klebestreifen löste sie, um ihm das Pflaster sanft über den Schnitt zu kleben. Jetzt sah es gleich viel harmloser aus. Es senkte Healeys Sorgen um ein vielfaches und die Erleichterung darüber sah man ihr deutlich an. "I'm glad that you're okay, Mike" wiederholte die Blonde seine Worte und legte ihm dabei eine Hand an die Wange.
Seit das ganze hier angefangen hatte, waren die beiden sich nicht mehr so nahe gewesen wie jetzt gerade. Natürlich schliefen sie nebeneinander oder küssten sich hier und da. Aber man konnte wohl sagen, dass sie für alles andere viel zu gestresst gewesen waren. Hauptsächlich aus Sorge und Angst vor dem Ungewissen. Vorher war es Healey gar nicht so sehr aufgefallen, doch hatte sie es unendlich vermisst Mike so nahe zu sein. Durch seine Zeit im Gefängnis fehlten ihnen sowie so bereits kostbare Monate. Monate in denen sie ihre Hochzeit hätten planen oder verreisen können. Und kaum das er wieder bei ihr war, überkam sie schon das nächste Unglück mit diesem Virus, den keiner erklären konnte und es nichts zu geben schien, was ihn zu heilen vermochte.
Langsam näherte sie sich also seinem Gesicht, wobei sie sich etwas nach oben strecken musste, mehr noch als sonst, da er auf der alten Pritsche sitzend einfach so viel größer war als sie, wo sie normalerweise nur ein paar Zentimeter von einander trennten. "I love you" hauchte sie, endlich nahe genug bei ihm, dass sie nicht viel lauter sprechen musste als das. Für einen Moment suchte Healey noch den Blick ihres Verlobten. Erst danach legte sie sanft die Lippen auf seine, um ihn nur kurz darauf in einen kuss zu verwickeln.

"She is probably the weakest of them" stimmte Liza der Überlegung ihres Mannes zu. Der Gedanke daran, wie Michael eventuell an Informationen kommen wollte, verdrängte sie schnell wieder. Mit all dem wollte sie nichts zu tun haben. Jeder hatte andere Grenzen. Würde sie ihre eigenen überschreiten, was sie damit definitiv tun würde, würde sie von dort nicht wieder zurückkehren können. Michaels Grenzen waren da deutlich ausgeprägter, alleine schon weil er ein Polizist war und sie nur eine Ärztin. Er musste gewillt sein bis ans Äußerste zu gehen, wenn nötig und dabei in sekunden Schnelle zu reagieren. Bei ihr widerrum musste jeder Handgriff sitzen und es brauchte ein wenig Planung, bevor sie einfach drauf los hantieren konnte. Deshalb vertraute sie in Michaels Fähigkeiten. Ihr einziges Ziel war es, ihn davon abzuhalten seine Grenzen zu überschreiten, was er in einem Verhör aber sicher nicht tun würde. Darauf vertraute sie.
Seufzend löste Liza das Haargummi aus ihren langen schwarzen Haaren und wuschelte sich mit einer Hand durch dieses, damit es aus der Form und ihr locker über die Schulter fiel. Sie wirkte gleich ein wenig jünger und viel liebevoller, als zuvor. Nicht, dass sie nicht auch sonst ein doch sehr herzliches Auftreten hatte, aber mit einem strengen Pferdeschwanz sah wohl jede Frau aus, als fresse sie kleine Kinder zum Frühstück. "He will sleep till tomorrow. I needed to make sure he won't wake up during that small operation to get him stiched up. And after I heard that he caused Cage trouble I decided it would be the best for him to sleep for the rest of the night" erklärte sie, da sie mehr aus eigenen Stücken gehandelt hatte. Natürlich hätte sie Roman weniger Narkosemittel spritzen können, aber wäre er aufgewacht, hätte ihm jemand erklären müssen wo seine Familie war und wo er gerade selbst war. In seinem Zustand wäre das mehr als nur ungesund gewesen. Sollte er sich erst einmal ausschlafen, Bedrohung hin oder her. Michael hatte ja dafür gesorgt, dass er blieb wo er war.
Also stand Liza auf und ging um den Tisch herum, damit sie sich hinter ihren Mann stellen konnte. Die Hände legte sie ihm an die Schultern und begann diese beherzt ein wenig zu massieren. Schon immer war Michael fürchterlich verspannt gewesen, was wohl durch das Tragen des Holsters kam in welchem sich die schwere Waffe befand. Solange es ihm aber keine Probleme bereitete, behielt sie diesen Fakt einfach für sich. "But you should get your mind off this for tonight, Michael" riet sie leise, doch auch ihr Blick suchte immer wieder die Beweise und Bilder auf dem Esstisch. "He won't go anywhere so as the other two .." sagte sie und hauchte ihm einen Kuss aufs Haar.

"Was she bitten or scratched by someone infected?" fragte Cage gleich, wirkte aber alles in allem viel ruhiger als noch bei der Gruppe zuvor. Es gab auch eine ganz einfache Erklärung dafür: Sarah, auch wenn etwas quengelig, befolgte gleich der Aufforderung aus dem Wagen zu steigen. Keiner der anderen beiden machte irgendein Anzeichen danach, dass er jeden Moment ausflippen würde und sonst schienen die drei wesentlich ruhiger, als die drei von zuvor zu sein.
"No, sir" antwortete Jake gleich auf Cages Frage. Er verstand ja nur zu gut, wieso man gerade danach fragte, wusste er doch was genau das bei einem Menschen verursachte. Sarah würde wahrscheinlich schon unter enormem Fieber leiden, wäre sie infiziert worden. Zumindest war es so bei Cassie gewesen. Er wollte nicht behaupten, dass er die Zeichen für den Virus kannte, aber egal was ihm diese Soldaten sagen würden, Sarah war nicht krank. Würden sie es anders sehen, würden sie eben nicht in die Zone gehen. Aber etwas anderes ließ er sich hier ganz sicher nicht einreden.
Cage dagegen gab Troy das Zeichen, dass er ruhig her kommen konnte. Er sollte ja nicht gleich mit seiner Waffe herumfuchteln, aber ihm war es lieber sie hatten genug Männer in der Nähe, falls es doch wieder zu Ausschreitungen kommen würde. "Please get out as well" bat der Soldat die beiden Insassen des Wagens, bevor er hinten um diesen herum ging, damit er einen besseren Blick auf Sarah bekam. "Miss" sprach er diese ruhig an, da er sie nicht erschrecken wollte. Sie schien durch die Scheinwerfer nur schlecht zusehen. Er vermutete, dass sie sich wohl hart den Kopf angehauen haben musste und jetzt mit einer Gehirnerschütterung kämpfte. Sie alle hatten bei ihrer Ausbildung durch einen mehrtägigen Erstehilfekurs gemusst, denn nicht immer war ein Sanitäter auf dem Schlachtfeld bei ihnen. So musste jeder also einfache medizinische Kenntnisse erlernen und bei dem Stand den Cage hatte und den vielen Kursen die er belegen musste, konnte er zumindest sagen, dass man eine Gehirnerschütterung bei dem vielen Blut nicht ausschließen konnte. Doch Liza würde später mehr dazu sagen müssen. Diese hatte aber soweit er wusste jetzt Feierabend. Wenn Sarah die paar Fragen die er also hatte gut überstehen würde, würde er die drei einfach auf die Krankenstation bringen und sie dort übernachten lassen, bis die Ärztin sich den Kopf der jungen Frau am nächsten Morgen genauer ansehen konnte. Mit verschlossener Tür zwar, aber immerhin nicht so eingesperrt wie die anderen drei. "How did this happen?" fragte er also und deutete auf ihre Stirn.
Während dessen stieg auch Jake aus. Immernoch hielt er sich schützend die Hand vor die Augen um sie so ein wenig abzuschirmen. Nur langsam gewöhnte er sich an das grelle Licht. Er vermutete fast, dass es Absicht war, dass das Licht einem so ins Gesicht strahlte. Die Soldaten standen alle gegen das Licht und ihre Augen waren daran gewöhnt. Wahrscheinlich diente es aber mehr die Neuankömmlinge zu erst zu sehen, bevor diese ein eigenes Bild von der Lage bekommen konnten. Ein taktischer Vorteil eben. Deshalb hatte er auch Troy nicht gleich sehen können, welcher sich hinter dem Lichtkegel aufgehalten hatte. Für Jake war alles hinter dem Licht einfach für einen Moment nur schwarz. Erst nachdem er begann die Hand herunter zu nehmen begannen sich auch mehr Umrisse zu zeichnen und Dinge, die hinter dem Strahler lagen, bekamen für ihn eine Form.
Mike Ross
Healey wieder Lächeln zu sehen war Erleichterung für Mike. Nach den letzten Stunden fühlte er sich als hätte ihn ein Truck überrollt, aber durch ihr Lächeln fühlte er sich gleich viel besser. Leichte Kopfschmerzen machten sich in seinem Kopf breit, doch war es nichts, dass er nicht verkraften konnte und er wusste, solange seine Verlobte in Ordnung war, würde er es auch sein. Für zu lange Zeit hatte er sie alleine gelassen. Nicht nur an diesem Tag. Schon als er ins Gefängnis ging und nicht das Urteil abgewartet hatte, dass ihm einiges erspart hatte. Nochmal würde er sie aber nicht so im Stich lassen. Er sollte es sein, der sie beschützte und doch war sie es, die mehr auf ihn Acht gab. Ohne sie würde er heute gar nicht erst hier sitzen, da war er sich sicher.
„Don't worry so much.“, bat er sie. „I should have done more for you today.“ Eine Entschuldigung fand er er als angebracht. Schon früher hätte er zu Roman gehen sollen. Vielleicht wäre er dann nicht angeschossen worden. Er hätte vorrangehen sollen, dann wäre es nicht Healey, deren Rücken komplett blau von ihrem Sturz war. Nochmal würde er soetwas nicht geschehen lassen. Es galt sie zu beschützen. Sicherlich wird Roman ihm da zustimmen und sie konnten gemeinsam darau achten, die Blonde heil durch den Virus zu bekommen. In den vielen, einsamen Stunden im Gefängnis hatte er schmerzlich erfahren, wie dunkel die Welt ohne sie war. Nicht bei ihr zu sein war das schlimmste an seiner ganzen Strafe. Es war eine Zeit, die sie nicht wieder bekamen. Man konnte wohl von Glück reden, dass er früher als geplant rausgekommen war. Sonst wären es volle zwei Jahre getrennt gewesen und auch wenn er sie über alles liebte wusste er nicht, welche Beziehung so eine Zeit überstehen konnte.
Umso mehr war er froh, sie jetzt in den Armen zu halten. Sanft erwiderte ihren Kuss. Sachte, um sie nicht zu verletzen, in dem er einen ihrer blauen Flecken berührte, strich er ihren Seiten entlang und schob so ihr Oberteil nach oben. Dabei war er langsam und behutsam, da er sie weder zu etwas drängen wollte, noch wollte er ihr Schmerzen bereiten. Das einzige was gerade Mikes Verlangen war, war es nah bei ihr zu sein, wie er es schon seit Monaten nicht mehr gewesen war um zu wissen, dass sie wirklich bei ihm war.

Michael lehnte sich in seinem Stuhl zurück als Liza begann seine Schultern zu massieren. Er musste zugeben, dass es gut war Roman schlafen zu lassen. Ihm gab es die Zeit einen klaren Kopf zu kriegen. Vor wenigen Minuten war er kurz davor gewesen Mike zu erschießen. Einen Unschuldigen, der mit dem Tod seines Sohnes nichts zu tun hatte. Er wusste es, hatte sich von seiner Wut aber verleiten lassen. Ob er Mike nun mochte oder nicht, spielte keine Rolle. Irgendwann hätte er es bereut. Mit Romans Tod war nicht viel verloren, dem war er sich sicher. Dennoch musste er es gut durchdenken. Bevor er nicht wusste inweit dessen Schwester und der Anwalt in alles verwickelt waren, war es dumm zu handeln. Wenigstens konnten sie heute Nacht noch in Ruhe schlafen, denn Roman war dank seiner Frau außer Gefecht gesetzt und die anderen würden eine Flucht aus dem Keller nicht schaffen. Würde er die Sache anders sehen, hätte er sie gar nicht alleine gelassen.
„No.. it's a good distraction.“, antwortete er Liza. Eine Hand legte er auf ihre an seiner Schulter. Nicht um sie von der Massage abzuhalten, sondern um auch ihr in dieser schwierigen Zeit eine Stütze zu sein so wie sie es, seitdem er sie kennen gelernt hatte, für ihn gewesen war. Mike zu sehen hatte all die dunklen Gedanken wiederhervorgeholt, die er so krampfhaft versucht hatte zu unterdrücken. Bisweilen hatte er geglaubt es sei ihm gut gelungen, musste jetzt aber feststellen, dass er sich täuschte. Noch lange war nichts verarbeitet und ob er es jemals könnte, wusste er nicht. „And I can't let them destroy the zone. We have to prevent that at any cost. I can't get new information now but I at least can go through everything I have.“ Sein Drang die Datenbanken zu durchsuchen war groß, aber vollkommen nutzlos. Telefone funktionierten nicht mehr, genauso wenig wie das Internet und so musste er erst gar nicht daran denken seinen Laptop einzuschalten. Alle Daten die er auf diesem gespeichert hatten, lagen ausgedruckt vor ihm auf dem Tisch. An mehr würde er nicht kommen solange die Situation so blieb, wie sie gerade war.
Sanft zog er Lizas Hand ein Stück nach vorne und hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken. „But you should go to sleep. It's been a long day for you. I don't want to keep you awake.“, bat er sie. Ja, sie war ihm eine unheimliche Stütze, aber er dachte trotzdem immer noch, dass er mit seinen Dämonen alleine auskommen musste. Sie von ihrem wohlverdienten Schlaf abzuhalten, war ihm da fern.

Eine Hand legte Sarah an die Tür des Autos. Die Lichtstrahler blendenden sie so sehr, dass diese ihre einzige Hilfe zur Orientierung war. Der aufkommende Schwindel, nachdem sie nun so schnell aufgestanden war, machte es ihr nicht viel leichter. Sollte etwas passieren, wäre sie gerade nicht in der Lage den Brieföffner in ihrer hinteren Hosentasche zu greifen, dass wusste sie und war beunruhigend. Auch den Soldaten ihr gegenüber, der jetzt wohl die passende Zeit fand ein Verhör zu halten, hatte sie nur für einen Moment gesehen in dem sie es gewagt hatte die Augen einen Spalt zu öffnen. Er war groß und breit gebaut, so viel konnte sie ausmachen, schloss ihre Augen aber lieber wieder und schirmte das Licht zusätzlich mit ihrer Hand ab. „I was attacked.“, antwortete sie ihm wahrheitsgemäß. Von wem, hielt sie nicht für notwendig. Jake hatte genug durchlitten. Vor Fremden dieses Thema nochmal aufzuwühlen, emfand sie als unnötig. „She.. it.. it just came at me. An infected?“ Die junge Frau formulierte es als Frage, da sie nicht wusste wie genau sie Cassies Zustand beschreiben sollte. „I fell down the stairs and hit my head. So did the.. the thing. She was on top of me and.. and then I.. I stabbed her.“, fasste sie kurz zusammen was passiert war. Sie stammelt nicht, weil sie nervös war oder Angst war. Sarah befürchtete ihre Erinnerung würde sie aufgrund des Traumas vielleicht im Stich lassen und sie versuchte sich an jedes Detail zu erinnern, dass von Wichtigkeit war.
Nun griff sie doch nach dem Brieföffner und streckte diesen Cage entgegen. „It went.. straight through her eye. After that she didn't move anymore.“, erklärte sie, wie sie die Untote dazu gebracht hatte endlich von ihr abzulassen. Ein Auge öffnete sie jetzt und zwang sich dazu ihn anzusehen. Sie musste seine Reaktion sehen und wissen, ob sie etwas schlechtes getan hatte. Ob sie nicht vielleicht doch einen Menschen getötet hatte.
Nur langsam gewöhnten sich Tess Augen an das helle Licht nachdem sie den Wagen verlassen hatte. Mit jeder Sekunde wurde alles deutlicher. Die Gebäude im Hintergrund,, aber auch die Soldaten. Einer davon stach ihr sofort ins Auge, obwohl sie immer noch geblendet waren. Kaum das sie Troy gesehen hatte, ging sie zielstrebig auf diesen zu. „Tess..“, kam es von diesem, der auch sie gesehen hatte, doch noch bevor er seinen Satz beenden konnte landete ihre Hand mit viel Schwung in seinem Gesicht. Genugtuung durchströmte sie als sein Kopf durch den Schlag zur Seite flog. Die Soldaten um sie herum wurden sofort, doch Troy ob eine Hand um ihnen zu symbolisieren, dass er mit der Situation schon klar kam. „I'm glad you made it here.“, beendet er jetzt seinen Satz. Seine Wange brannte und wurde durch den Schlag in ein tiefes Rot getaucht. „My father died. HE DIED!“, schrie sie ihm wütend entgegen. „And you knew. You knew what would happend. You knew everything and you didn't tell me!“ Kräftig schubste sie ihn von sich damit er es nicht wagte ihr näher zu kommen, wie sie wusste, dass er es tun würde. Diesmal blieb er aber zurück und sah sie mit seinen typischen, entschuldigenden Augen an. „I couldn't.. I wasn't allowed to!“, begründete er seine Entscheidung seine Freunde im Dunkeln zu lassen. Tess schnaubte nur. „Bullshit!“
„Hey look.. I shouldn't have left but you are here now. And you found Jake!“, sagte Troy jetzt und deutete auf seinen besten Freund, dessen Anwesenheit ihm natürlich nicht entgangen war. „It's all going to be okay now, I promise.“, versuchte er sie zu beschwichtigen. Trotzig verschränkte Tess ihre Arme. Sie wollte ihm nicht wieder nachgeben, wusste aber genau, dass sie es ohnehin tun würde.
Healey Smith
Wahrscheinlich gab es weitaus romantischere Orte als den Keller, in dem sie sich gerade befanden. Vielleicht gab es auch weitaus geeignetere Zeitpunkte als diesen. Aber Healey wollte Mike gerade einfach nur so nahe wie möglich sein. Und wie ging dies besser als so? Der Schmerzt, der dabei eventuell in ihrem Rücken entstehen könnte, nahm sie dafür gerne in Kauf. Es war zwar eine unangenehme Stelle für eine Prellung, überleben würde sie es aber trotzdem. Für Mike hatte sie schon wesentlich mehr ertragen als ein unangenehmes Ziehen im Rücken.
Auf ihrer Haut bildete sich gleich eine Gänsehaut, kaum das ihr Verlobter diese berührte. Eine angenehme Wärme durchströmte ihre Glieder und veranlasste ihren Körper sich noch mehr in seine Arme sinken zu lassen.
"It wasn't your fault" hauchte Healey sanft in den Kuss. Nur für einen kurzen Moment löste sie sich von ihm, um ihm in die Augen zu sehen. "I love you, Mike" betonte sie deutlicher als noch zuvor. Es sollte Mike klar machen, dass sie wusste, dass er alles für sie tun würde wenn es in seiner Macht stand und so würde auch sie alles für ihn tun. Es gab für Healey überhaupt gar keine Zweifel daran. Nicht einmal, als er im Gefängnis gewesen war, zweifelte sie an seiner Liebe zu ihr. Das er es nicht geschafft hatte sie vor ihrem Nachbarn zu beschützen hatte einzig und alleine daran gelegen, dass er ihrem Bruder helfen musste auf den Beinen zu bleiben. Und gegen die Soldaten hätte er sowie so keine Chance gehabt. Sie waren viel zu viele und dazu noch stark bewaffnet. Nicht einmal mit Roman zusammen hätte er also etwas tun können. Und deshalb nahm sie es ihm auch überhaupt nicht übel. Wieso auch? Sie wusste, dass er alles in seiner Macht stehende getan hätte und das zu wissen, reichte vollkommen aus.
Für einen Moment noch sah sie ihn einfach nur an. Dann griff sie den Saum ihres Shirtes und zog sich dieses einfach über den Kopf aus, bevor sie es wahllos neben sich zu Boden fallen ließ. Der Verband unter ihrer Brust sah wohl wahrlich nicht besonders verführerisch aus, das war ihr aber egal. Mit einem Handgriff hatte sie ihr blondes Haar aus dem zerzausten Zopf gelöst und ließ es wellig über ihre Schultern fallen. Erst danach nahm sie wieder sein Gesicht zwischen ihren Händen und verwickelte ihn erneut in einen Kuss.

"I'm your wife, Michael" belächelte Liza die Bitte ihres Mannes. Mit ihm zu diskutieren war unnötig, das wusste sie selbst. Aber ihr Argument hatte mehr Gewicht als das seine. Und das rieb sie ihm auch gerne immer wieder unter die Nase. Michael glaubte alles alleine durchstehen zu müssen, obwohl sie in dem gleichen Boot saßen. Sie beiden hatten damals ihr Kind verloren und Liza kämpfte seither genau so mit dem Verlust, wie Michael es tat. Nur anders als er, hatte sie ihre Ablenkung in ihrer Arbeit gefunden. Er hatte dagegen ständig damit zu tun, dass irgendwelche Verbrecher hinter Gitter gebracht werden mussten und wenn es ganz blöd lief, diese auch noch wieder auf freien Fuß kamen. Michael hatte quasi Tag täglich mit Männern und Frauen zu tun, die genau so gut am Lenkrad des Wagens hätten sitzen können, welcher ihren Jungen totgefahren hatte. Das man da nicht auf andere Gedanken kam oder gar einen Weg fand das ganze zu verarbeiten war für Liza ganz eindeutig. Und genau deshalb wollte sie eben für ihren Mann da sein und das so gut sie konnte.
"At least do it on the sofa" bat sie ihn als kleinen Kompromiss. "I can read a book while you're working till I get dead tired" schmunzelte sie bevor sie ihn ein weiteres Mal aufs Haar küsste. Ob Michael jetzt einwilligen würde oder nicht, darauf wartete Liza gar nicht mehr. Sie begann sämtliche Akten wieder zusammen zu räumen und sie als Stapel zusammen mit der Bierflasche aus der Hand ihres Mannes nebenan ins Wohnzimmer zu bringen. Dort legte sie alles auf dem kleinen Couchtisch ab und begann rings herum im Raum ein paar Kerzen anzuzünden. Zwar hatten einige wenige Häuser, darunter auch ihres, auch Nachts noch Strom, doch wollte Liza es vermeiden diesen, außer für ihren Kühlschrank, zu benutzen. Es hieß an allen Ecken und Enden zu sparen. Liza wusste dies und half so gut sie es konnte.
Sie nahm sich eine der Wolldecken vom Ende des Sofas, das Buch an dem sie gerade laß und kuschelte sich in eine der Ecken der dunkelbraunen Couch. Später würde sie sowie so wieder mit dem Kopf auf Michaels Schoß liegen, während sie verzweifelt versuchte die letzten Seiten eines Kapitels zu lesen, bevor die Müdigkeit sie übermannte und ihn so mehr von der Arbeit abhalten, als sie wollte. Aber sie fand der Wille zählte und so begann sie immer erst einmal in einer der Ecken des Sofas zu lesen.

"So you killed her" stellte Cage trocken nach Sarahs kleiner Rede fest. Jedoch entging ihm Jakes Gesichtsausdruck bei diesem Satz nicht. Scheinbar war es nicht einfach irgendjemand gewesen, den Sarah hatte töten müssen. Zumindest Jake schien die Frau, wer auch immer sie gewesen sein mochte, etwas bedeutet zu haben. "I'm sorry for your loss" entschuldigte er sich deshalb bei ihm und tat ihm sein Mitleid kund. Es wahr ehrlich gemeint. Cage wollte sich gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn er Sam oder Malcolm verloren hätte. Es musste schlimm sein einen Menschen so zu verlieren. Vor allem wenn man ihn zuvor bereits durch den Virus verloren hatte. Jake antwortete auf Cages Worte jedoch nicht, nickte diesem lediglich zu.
"You did right to defend yourself, Ma'am" wandte der Soldat sich schließlich wieder an Sarah und nahm ihr den Brieföffner aus der Hand, den er gleich zu einem seiner Männer weiter gab. "But of course we must check if the infected really didn't injured you and if your head is better than it looks from here" schmunzelte er etwas und deutete auf ihre Stirn. Ein wenig versuchte er die bedrückte Stimmung wieder zu kippen. "We need to check all of your, for saftey reasons and of course to make sure that, in case you need anything, you get medical care immediately" erklärte er kurz in die Runde, doch viel weiter kam er überhaupt nicht, als er aus dem Augenwinkel sah, wie Tess bereits auf Troy losging. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Nicht nur das sie eben schon Ärger mit einem hartnäckigen Paar gehabt hatten, jetzt gab es auch noch Drama in seinen eigenen Reihen. "Otto?! What is going on there?" rief er diesem jetzt genervt zu.
"Please, sir" wandte Jake sich nun doch an Cage. "Take care of my sister. Let me handle this" bat er ihn, was der Soldat nur zu gerne dankend annahm. Denn das hieß, dass er sich das ganze Drama nicht antun musste. "Hey! Hey" mischte Jake sich deshalb sofort bei seinen Freunden in die Streitigkeiten ein und legte Tess eine Hand an den Bauch um sie so etwas zurück zu halten, damit sie im Notfall nicht doch noch auf Troy losgehen würde. "Tess, calm down" bat er sie ruhig. Natürlich war sie sauer, wer konnte ihr das auch verübeln? Jake selbst war wütend auf Troy. Nicht unbedingt deshalb, weil er ihn zurückgelassen hatte. Ihn störte es viel mehr, dass er wusste was los war und Tess trotz allem mit ihrem sterbenden Vater alleine gelassen hatte.
Cage wandte sich unterdessen wieder Sarah zu. "I would take you to our medical station now. We'll get your brother and your friend there as soon as they are done here. Is this okay with you, Ma'am?"
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